Der Schwerbehindertenausweis

Die amtliche Beglaubigung einer Behinderung ist in vielen Lebensbereichen eine Entlastung für berechtigte Personen. Im Vordergrund stehen dabei, die soziale Einbindung für Menschen mit Behinderung zu erleichtern und mögliche Nachteile auszugleichen.

Soziale Einschränkungen aufgrund von Krankheit oder Unfällen können als Behinderung amtlich mit dem Schwerbehindertenausweis festgestellen werden lassen. Wer hat Anspruch darauf? Was sind die Vor- und Nachteile? Und wie bekommt man ihn?

Durch den Besitz eines Schwerbehindertenausweises erhalten berechtigte Personen zusätzliche Rechte und – sofern verschiedene Merkzeichen vorhanden sind – sogenannte Nachteilsausgleiche. Das sind beispielsweise steuerliche Vergünstigungen, freie Fahrten im öffentlichen Nahverkehr oder Schutzrechte am Arbeitsplatz.

Was der Grad der Behinderung aussagt

Der Grad der Behinderung wird im Bereich von 20 bis 100 festgestellt. Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis haben Menschen mit einem Grad der Behinderung ab 50 (GdB 50). Hat man einen Grad der Behinderung zwischen 20 und 50, bekommt man einen Feststellungsbescheid. Je nach Grad (GdB 20 bis 50) ergeben sich auch in diesem Bereich zusätzliche Ausgleiche wie gegebenenfalls die Gleichstellung mit Schwerbehinderten am Arbeitsplatz oder einer Pflegepauschale.

Der Grad der Behinderung dient als Maß für die Schwere der körperlichen, geistigen oder seelischen Einschränkungen und deren Auswirkungen in den verschiedensten Bereichen des Lebens. Er besagt nichts über die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz und ist deshalb unabhängig vom ausgeübten oder angestrebten Beruf.

Vor- und Nachteile des Ausweises

Der Ausweis ist für manche betroffenen Personen ein Überwindung, da die begriffliche Zuordnung als „schwerbehinderte“ Person, nicht immer einfach erscheinen mag. 
Arbeitgeber*innen dürfen betroffene Bewerber beispielsweise zwar erst nach sechs Monaten Arbeitsverhältnis und nicht bereits bei der Bewerbung fragen, ob eine Schwerbehinderung vorliegt aber die Bezeichnung an sich könnte im Berufsleben als belastend gesehen werden. Das Verhältnis von Arbeit und Behinderung an sich, stellt jedoch einen besonders sensiblen Bereich im Schwerbehindertenrecht dar. 

Der eigentliche Gedanke hinter dem Ausweis ist allerdings die amtliche Beglaubigung, dass eine Behinderung vorliegt. Er schafft in gewisser Weise Rechtssicherheit für alle Beteiligten, unabhängig vom laufenden Verfahren. Vor diesem Hintergrund soll der Ausweis für betroffene Personen, mögliche Nachteile ausgleichen statt zusätzliche Nachteile zu begründen.

Je nach Merkzeichen und Grad der Behinderung gibt es nämlich zusätzliche Ausgleichsmöglichkeiten wie der kostenlosen Beförderung im Nah- und Regionalverkehr, Vergünstigungen in städtischen Einrichtungen wie beispielsweise in Schwimmbädern und Museen oder die bereits erwähnten Schutzrechte am Arbeitsplatz.

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Menschen mit Behinderungen erhalten mit Ausweis zusätzliche Schutzrechte (Foto: pixabay).

Wie erhalte ich den Schwerbehindertenausweis?

Ja nach Bundesland und Kreis in dem sich Ihr Wohnsitz befindet, können die Antragsstellen bundesweit unterschiedlichen Ämtern unterstellt sein. Grundsätzlich gilt aber, dass die Ausstellung und Bearbeitung der Ausweise von einem Versorgungsamt durchgeführt wird. Ähnlich wie bei der Zuständigkeit sind gegebenfalls auch die jeweils einzureichenden Formulare von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, darüber können sich berechtigte Personen im Voraus online informieren. 

Der Antrag wird dann ausgefüllt und es sollten zusätzlich (wenn vorhanden) ärztliche Bescheinigungen, Krankenhausberichte oder Verlaufsberichte aus Rehabilitationskliniken hinzugefügt werden, welche so aktuell wie möglich sein sollten. 
Falls der Platz im Antragsformular nicht reicht, können Sie auch ein formloses Beiblatt nutzen. Das Versorgungsamt setzt sich nach Eingang des Antrags mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten in Verbindung und fordert zusätzliche Unterlagen und Gutachten an.

Bei einem Erstantrag können Sie folgende Hinweise beachten, um das Verfahren für das Versorgungsamt möglichst zu erleichtern:

  1. Es empfiehlt sich, die betreffenden Ärztinnen und Ärzte vorab über die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises zu informieren. Sie können Ihren Ärztinnen und Ärzten auch die Kopie des Antrages und gegebenenfalls des Beiblattes geben, damit diese bei ihrer Stellungnahme gegenüber dem Versorgungsamt alle Ihre Beschwerden noch einmal einzeln aufgelistet vor Augen haben.

  2. Entbinden Sie, wenn möglich, nur Ihnen namentlich bekannte Ärztinnen, Ärzte oder Kliniken von der Schweigepflicht. Sonst könnte das Versorgungsamt sich auch über gemachte Untersuchungen informieren, die gar nicht von Relevanz für das Verfahren sind.

Widerspruchsrecht bei Zuteilung des GdB

Sobald das Verfahren beim Gesundheitsamt abgeschlossen ist, erhält die berechtigte Person den Ausweis (beziehungsweise Feststellungsbescheid) mit dem jeweiligen Grad der Behinderung und je nach Einschätzung ebenso die dazugehörigen Merkzeichen. Sollten der GdB oder erteilte Merkzeichen – aus Sicht des oder der Antragsteller*in – nicht zutreffend sein, gilt ein Widerspruchsrecht auf erneute Festellung. Wichtig ist dabei, dass der Widerspruch fristgerecht erfolgt. Die Frist beginnt nach Erhalt des Feststellungsbescheids und dauert einen Monat.  

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Dem Antrag sollten möglichst viele medizinische Unterlagen beigelegt werden (Foto: unsplash).