Sehbehinderung – Definition, Ursachen und Therapie

Menschen mit einer Sehbehinderung müssen teilweise große Hürden in ihrem alltäglichen Leben bewältigen. Und dabei sind nicht wenige Personen von einer angeborenen oder durch Erkrankung entstandenen Sehbehinderung betroffen. Die Behandlungschancen sind je nach Ursache sehr unterschiedlich.

Laut Statistischem Bundesamt waren 2019 in Deutschland über 500.000 Menschen von einer Form von Sehbehinderung betroffen. Von diesen Personen gelten wiederum ungefähr 75.000 Betroffene sogar als blind. Der DBSV (Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.) setzt die Dunkelziffer noch weitaus höher an, da die Statistik nur Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis erfasst – und viele sehbehinderte sowie blinde Menschen diesen nicht besitzen.

Bei der Sehbehinderung und dem Umgang damit handelt es sich angesichts dieser Zahlen also nicht um ein Nischenthema, sondern um eine gesellschaftlich relevante Frage.

Wie definiert sich eine Sehbehinderung?

Doch was ist eine Sehbehinderung eigentlich genau? Unter einer Sehbehinderung wird eine meistens permanente schwerwiegende Einschränkung der visuellen Wahrnehmungsfähigkeit verstanden. Wie schwerwiegend diese bei einzelnen betroffenen Personen ist, kann aber je nach Ursache oder Stadium einer Erkrankung stark variieren. Das Spektrum reicht dabei von Reduzierungen der Sehfähigkeit bis hin zur kompletten Blindheit. 

Allerdings ist nicht immer eindeutig klar wer alles zu der Gruppe der Menschen mit Sehbehinderung zählt. Einige sehen den Begriff „Sehbehinderung“ als einen Oberbegriff für Blinde und stark sehgeschädigte Menschen, andere unterscheiden zwischen diesen beiden Gruppen noch einmal. Andere setzen klare Grenzen zwischen den Menschen, die als sehbehindert gelten und Menschen mit nur leichten Seheinschränkungen, während die nächste Gruppe mehr einen fließenden Übergang sehen. Gleichzeitig gibt es dabei aber auch Unstimmigkeiten zwischen den Befürwortenden einer klaren Grenze, hinsichtlich der Frage wo denn genau diese Grenze schlussendlich liegt. Zusammenfassend lässt sich also sagen: Es ist kompliziert.

Definition von Blindheit beziehungsweise Sehbehinderung nach deutschem Recht:

  • eine Sehbehinderung liegt vor, wenn jemand auf dem besser sehenden Auge mit Hilfsmitteln (Brille oder Kontaktlinsen) nicht mehr als 30 Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normalem Sehvermögen wahrnimmt.
  • eine hochgradige Sehbehinderung liegt vor, wenn jemand auf dem besser sehenden Auge mit Hilfsmitteln nicht mehr als fünf Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normalem Sehvermögen wahrnimmt.
  • eine Blindheit liegt vor, wenn jemand auf dem besser sehenden Auge mit Hilfsmitteln nicht mehr als zwei Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normalem Sehvermögen wahrnimmt.

Dabei wirken sich die verschiedenen Augenerkrankungen individuell unterschiedlich aus. Das kann bei einem Sehvermögen von fünf Prozent bedeuten, dass dieser Mensch ein Objekt erst bei einem Abstand von fünf Metern erkennt, wohingegen ein normal sehender Mensch das Objekt bereits aus 100 Meter Entfernung sieht. Es kann aber auch sein, dass der Mensch mit der Sehbehinderung eine Art Tunnelblick hat, in dem er nur noch fünf Prozent des normalen Gesichtsfeldes wahrnehmen kann.

Menschen laufen aneinander vorbei

Wer eine Sehbehinderung hat und wer nicht, ist nicht immer eindeutig zu erkennen (Foto: unsplash).

Die Ursachen und Formen der Sehbehinderung

Die Ursache einer Sehbehinderung ist immer eine Schädigung des Sehorgans. Unterschiede gibt es aber darin, wie diese Schädigung entsteht. Bei einigen ist diese bereits angeboren, bei anderen tritt diese erst später im Leben auf. Viele der postnatalen Schädigungen entstehen im Zuge des Alterungsprozesses, sie können aber auch durch Unfälle oder Erkrankungen verursacht werden.

In Hinsicht auf angeborene Schädigungen des Sehorgans gibt es zwei mögliche Ursachen: Einerseits kann die Sehbehinderung auf eine genetische bedingte Fehlbildung zurückzuführen sein, was in der Regel der Fall ist. Andererseits kann diese aber auch durch eine Infektion der Mutter während der Schwangerschaft verursacht werden. Zusätzlich gibt es genetisch bedingte Erkrankungen die erst später im Leben auftreten, wie zum Beispiel die „Retinopathia pigmentosa“ (Netzhautdegeneration).

Gleichzeitig können weitere Erkrankungen eine Sehbehinderung verursachen. Bei Menschen zwischen 40 und 80 Jahren ist für eine Sehbehinderung meisten eine Diabetes-Erkrankung verantwortlich, da diese zu Netzhautveränderungen und anschließender Erblindung führen kann. Bei jüngeren Menschen unter 40 Jahren sind dagegen meistens absterbende Sehnerven, die sogenannte Optikusatrophie, für eine postnatale Sehbehinderung verantwortlich. Daneben gibt es aber eine Reihe weiterer Erkrankungen die eine solche verursachen können. Dazu gehören zum Beispiel der „Graue Star“, der „Grüne Star“ (auch Glaukom genannt), Infektionen der Netzhaut oder Tumore der Aderhaut. 

Die häufigste Ursache für eine Sehbehinderung ist in Industrieländern wie Deutschland aber eine Abschwächung der Sehstärke im Zuge des Alterungsprozesses. Grund dafür ist meist die sogenannte „altersbedingte Makuladegeneration“. Bei einer solchen nimmt die Sehkraft der betroffenen Personen stetig ab, da die Sehsinnzellen altersbedingt immer mehr beschädigt werden.

Behandlung von Sehbehinderungen

Den größten Behandlungserfolg versprechen Therapie-Ansätze, welche die verursachenden Krankheiten bekämpfen. Dabei wird oft ein operativer Eingriff oder eine medikamentöse Behandlung nötig. Letztlich helfen in der Regel dabei, das Fortschreiten der Sehbehinderung zu vermindern oder oftmals auch, das Sehvermögen wieder verbessern zu können. 
Jedoch nur, wenn früh genug mit der Behandlung begonnen wird und es entsprechende Therapie-Ansätze für die betreffende Erkrankung gibt. 

Bei angeborenen oder nicht, beziehungsweise zu spät, behandelten Sehbehinderungen ist eine Verbesserung der Sehschärfe leider nur selten möglich. Deshalb liegt das Hauptaugenmerk bei der Behandlung meist auf der Erhaltung des noch bestehenden Sehvermögens und dem Vermeiden von Fortschreiten von Erkrankungen, die dieses weiter reduzieren könnten. 

Es gibt außerdem einige operative Behandlungsmöglichkeiten für Menschen, die bereits von starken, aber nur graduellen, Sehbehinderungen betroffen sind. Diese Therapieformen zielen auf die Verbesserung des Sehvermögens ab. Ein Beispiel dafür wäre das sogenannte „Retina Implant System“, das das Sehvermögen der betroffenen Personen leicht verbessern kann. Allerdings sind durch diese operativen Eingriffe bisher nur sehr kleine Verbesserungen im einstelligen Prozentbereich möglich.

Gleichzeitig wird bei jeder Behandlung von Sehbehinderungen versucht, die noch vorhandene Sehstärke mithilfe von Hilfsmitteln zu unterstützen, um die Lebensqualität der betroffenen Personen zu erhöhen. Zu diesen Hilfsmitteln gehören beispielsweise speziell angepasste Brillen oder Kontaktlinsen, Bildschirmlesegeräte und Lichtschutzgläser. Der Einsatz dieser Hilfsmittel ist immer ein wichtiger Bestandteil einer jeden Therapie und kann das Leben mit der Sehbehinderung stark erleichtern.