© Pixabay

Schwerbehindertenausweis beantragen

Der Schwerbehindertenausweis soll die Teilnahmemöglichkeiten am sozialen Leben für Personen mit Behinderung verbessern. Dazu gehören verschiedene Nachteilsausgleiche wie Freifahrten oder Vergünstigungen. Die Beantragung des Ausweises ist ein komplexes Verfahren und Antragsteller*innen sollten sich davor informieren.

Der Antrag für den Schwerbehindertenausweis wird beim jeweiligen Versorgungsamt gestellt. Das Versorgungsamt stellt im Verfahren dann den sogenannten Grad der Behinderung (GdB) fest.
Nachdem das Versorgungsamt alle notwendigen Unterlagen zusammengetragen hat, wird aus den Angaben der Grad der Behinderung (GdB) errechnet. Der GdB wird von ärztlichen Gutachter*innen festgesetzt. Dazu verrechnen diese alle Auswirkungen Ihrer Behinderungen und bewerten, wie stark sich alle Behinderungen zusammengenommen in allen Lebensbereichen – privat wie beruflich – auswirken.

Stethoskop | © Hush Naidoo, unsplash

Lassen sie sich vor der Antragstellung von ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin beantragen (Foto: Hush Naidoo/unsplash).

Erstantrag

Wenn der Ausweis zum ersten Mal beantragt wird, muss der Antrag schriftlich beim Versorgungsamt oder dem ihm unterstellten Amt beantragt werden. Der Antrag setzt sich zusammen aus einem Formular, welches die betroffene Person für Ihr jeweiliges Bundesland oder Kreis online ausdrucken kann, und aus relevanten medizinischen Unterlagen. 

Im Antrag kann auch eine Auflistung der sonstigen Umstände, die betroffene Personen im Alltag behindern, erstellt werden. So können auch Narben oder andere körperlichen Veränderungen auf Grund von operativen Eingriffen eine Beeinträchtigung im Alltag darstellen. Es gilt also auch mittelbare Folgen der Erkrankung aufzuzählen, die durch die Erkrankung entstanden beziehungsweise verschlimmert wurden. Diese können beispielsweise Folgen wie psychische Belastungen, berufliche Einschränkungen oder Fertilitätsstörungen sein.

Berechnung des Einzel-GdB / Gesamt-GdB

In der Regel entscheidet das zuständige Amt über den GdB anhand der medizinischen Unterlagen und nach Rücksprache mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten. Eine Untersuchung der Beschwerden vor Ort findet meistens nicht statt. Das Amt orientiert sich bei seiner Entscheidung also vorrangig an die vom Antragsteller oder der Antragstellerin eingereichten Nachweise.

Beziehen sich die Auswirkungen der Einschränkungen auf eine Behinderung, wird der errechnete GdB als Einzel-GdB bezeichnet.

Antragsteller*innen sollten dabei beachten, dass mehrere Behinderungen – die jeweils einen GdB zugeordnet bekommen – nicht einfach addiert werden. Das zuständige Amt prüft nämlich vorrangig die wechselseitige Wirkung der Einzel-GdB in ihrer Gesamtheit. Zum Beispiel würden voneinander unabhängige Behinderungen wie eine Hörbeeinträchtigung (GdB: 30) und eine Gehbehinderung (GdB: 50) nicht nur addiert werden zu einem Gesamt-GdB von 80. An dieser Stelle wird das Amt eher beurteilen, inwieweit sich die Behinderungen gegenseitig auswirken und den Alltag der Person einschränken. 

Es ist also wichtig zu beachten, dass die Anzahl der aufgeführten Behinderungen im Antrag nicht bedeutet, dass diese aufaddiert oder verrechnet werden. Es geht im Antrag also vielmehr darum die wechselseitigen Einschränkungen der zusammenhängenden Behinderungen zu verdeutlichen.

Gültigkeit und Abgabe des Ausweises

Der Ausweis wird meistens für fünf Jahre ausgestellt. Bei Kindern bis 10 Jahren wird er entsprechend befristet. Ebenso bei Jugendlichen mit Behinderung von 10 bis 15. Die Gültigkeitsdauer kann auf Antrag höchstens zweimal verlängert werden. Dann muss man den Ausweis erneut beantragen. Circa drei Monate vor Ablauf des Ausweises sollte man sich um eine Verlängerung oder eine Neubeantragung kümmern. Eine unbefristete Ausstellung ist nur möglich, wenn sich auch in der Zukunft nichts an den Einschränkungen ändern wird.  
Wer keine sichtbare Behinderung hat und denkt, dass er auf dem Arbeitsmarkt, beispielsweise bei der Jobsuche, durch einen Schwerbehindertenausweis Nachteile hat, kann den Ausweis auch wieder abgeben. 

Dazu muss man sich den Grad der Behinderung 0 geben lassen. Bei einem Neu- beziehungsweise Änderungsantrag kann die Frage nach den Behinderungen nicht beantworten werden. Dann wird automatisch der GdB 0 festgestellt und der Ausweis eingezogen. Ein neuer Ausweis kann jederzeit wieder beantragt werden.

Verlängerung und Neuantrag

Bei der Verlängerung erhält die berechtigte Person ein Schreiben des Versorgungsamts. Die berechtigte Person wird mit dem Schreiben aufgefordert, die behandelnden Ärztinnen und Ärzte aufzuführen, mit denen sich das Amt dann in Verbindung setzt, um den Gesundheitszustand der berechtigten Person zu ermitteln. Der Grad der Behinderung wird häufig nach Ablauf der Heilungsbewährung heruntergesetzt, wenn also die akute Therapie abgeschlossen wurde.

Den Kontaktdaten der jeweiligen Ärztinnen und Ärzte können, wie beim Erstantrag, Entlassungsbriefe aus Krankenhäusern oder Berichte von Reha-Aufenthalten beigefügt werden. Diese ärztlichen Gutachten werden aber normalerweise nicht verlangt.
 
Wenn der Ausweis bereits zum zweiten Mal verlängert wurde und der Ausweis nicht unbefristet ausgestellt wurde, muss die berechtigte Person einen neuen Antrag stellen, um den Schwerbehindertenausweis zu erhalten. Bei einem Neuantrag muss dem Versorgungsamt eine Verbesserung oder Verschlechterung mitgeteilt werden. Das Amt leitet dann ein Verfahren zur erneuten Feststellung des GdB ein.