Behinderung und der demografische Wandel

Die Lebenserwartung der Menschen steigt, auch diejenige der Menschen mit Behinderung. Diese erfreuliche Entwicklung bringt jedoch große Herausforderungen mit sich.

Viel ist die Rede von den demografischen Veränderungen unserer Gesellschaft. Die Lebenserwartung steigt, die Menschen werden immer älter, Senior*innen sind länger aktiv und selbstständig. Zu verdanken ist dies den Errungenschaften der modernen Medizin und veränderten Lebensweisen. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Gleichzeitig gibt es auch immer mehr alte Menschen mit einer Behinderung. Nur mit Inklusion und Integration kann es gelingen, die gewaltigen Herausforderungen zu bewältigen.

Alter als Hauptrisikofaktor für Behinderungen

Gemäß dem Statistischen Bundesamt leben in Deutschland fast 8 Millionen Menschen mit einer schweren Behinderung. Somit waren ungefähr 10 Prozent der gesamten Bevölkerung schwerbehindert. Die Statistik zeigt klar auf, dass Behinderungen bei Senioren schon heute sehr häufig sind: So waren 4,5 Millionen der schwerbehinderten Menschen 65 Jahre und älter.

Dabei gilt es zu unterscheiden: Einerseits handelt es sich um Menschen, die auf Grund ihres Alters eine Behinderung erfahren, andererseits um Menschen, die seit der Geburt oder seit einer frühen Lebensphase mit einer Behinderung leben. Es kommt aber häufiger vor, dass bei Menschen im Alter Behinderungen auftreten, als dass Menschen mit Behinderungen alt werden. Sprich: die Wahrscheinlichkeit einer Behinderung steigt im Alter.

Unterschiedliche Problemstellungen

Die Situationen der beiden Gruppen unterscheiden sich jedoch und die Problemstellungen sind nicht die gleichen. Einen interessanten Beitrag dazu verfasste vor einigen Jahren der deutsche Psychologe und Psychotherapeut Dr. Michael Wunder.

Er hält fest: „Wesentliche Unterschiede von alten Behinderten zu anderen alten Menschen bestehen in den Bereichen Selbstbild, Verarbeitungsmöglichkeiten altersbedingter Körperveränderungen und Leistungseinbußen und Möglichkeiten der Erfahrung von Zufriedenheit durch Lebenserfüllung. Dem entgegen werden die Bereiche der materiellen Sicherheit, der besonderen gesundheitlichen und pflegerischen Versorgungsbedarfe und der spezifischen Anforderungen an die Wohnversorgung in der Literatur zwar ebenfalls als gravierende Probleme dargestellt, aber nicht als different zur Situation anderer alter Menschen beschrieben.“