Behinderung: Letztlich nur eine Definitionssache?

Behinderung ist nicht gleich Behinderung – es gibt etliche Formen von geistigen oder körperlichen Behinderung. Die WHO etwa gibt drei Ursachen für Behinderung vor. Im deutschen Recht wird zusätzlich die Definition der Schwerbehinderung aufgeführt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert für das Zustandekommen einer Behinderung drei Ursachen: Schaden, funktionale und soziale Beeinträchtigung.

Aufgrund einer Erkrankung, angeborenen Schädigung oder eines Unfalls als Ursache entsteht ein dauerhafter gesundheitlicher Schaden. Der Schaden führt zu einer funktionalen Beeinträchtigung der Fähigkeiten und Aktivitäten der Betroffenen. Die soziale Beeinträchtigung ist Folge des Schadens und äußert sich in persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Konsequenzen. Rechtlich relevant in Deutschland ist die Unterscheidung von einer Behinderung und einer Schwerbehinderung. Mit einer Schwerbehinderung – also einem GdB von mindestens 50 – erhalten betroffene Personen zusätzliche Schutzrecht und gegebenenfalls Vergünstigungen.

Behinderungsarten oft schwer trennbar

Bei Mehrfachbehinderungen, also Behinderungen, die sich aus mehreren Behinderungsarten zusammensetzen, wird es richtig komplex. Als Behinderungsarten gelten: geistige Behinderung, seelische Behinderung, Hörschädigung (Gehörlosigkeit + Schwerhörigkeit), Körperbehinderung, Lernbehinderung, Sehschädigung, Sprachbehinderung und Verhaltensstörung.

Das liest sich in der Theorie einfach, nachvollzieh- und trennbar. Eine eindeutige Abgrenzung vor allem zwischen körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen ist in der Praxis jedoch kaum möglich, da manche zusätzliche Behinderungen erst im Zusammenhang mit der bereits bestehenden Behinderung entstehen.

Inklusion durch Bildung (Foto: unsplash).

Bildung und Behinderung

In der Schule gelten laut der Empfehlung der Bildungskommission des Deutschen Bildungsrates alle Kinder, Jugendliche und Erwachsen als eingeschränkt: 

„…die in ihrem Lernen, im sozialen Verhalten, in der sprachlichen Kommunikation oder in den psychomotorischen Fähigkeiten so weit beeinträchtigt sind, dass ihre Teilnahme am Leben in der Gesellschaft wesentlich erschwert ist. Deshalb bedürfen sie besonderer pädagogischer Förderung. Behinderungen können ihren Ausgang nehmen von Beeinträchtigungen des Sehens, des Hörens, der Sprache, der Stütz- und Bewegungsfunktionen, der Intelligenz, der Emotionalität, des äußeren Erscheinungsbildes sowie von bestimmten chronischen Krankheiten.“

Unbestritten ist demnach, dass alle Menschen mit Behinderung – je nach Bedarf – in Bildungssachen unterstützt werden müssen. Wie jedoch betroffene Personen im Einzelfall am Besten unterstützt werden, ist in Absprache mit Ärztinnen, Ärzten und pädagogischen Teams der Schulen und Institutionen abzusprechen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Inklusions- und Förderschulen oder der Besuch einer speziell für die jeweilige Krankheit ausgelegten Bildungseinrichtung.

Umgang für Betroffene

Jede Patientin und jeder Patient geht auf seine Art und Weise mit der Diagnose und der Behandlung einer Krankheit um. Dabei spielen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, das familiäre und freundschaftliche Umfeld oder die psychologische Beratung eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, betroffenen Personen den Umgang mit der Krankheit zu erleichtern.

Wie bei der Krankheit verhält es sich auch mit der Behinderung. Manchen Personen fällt es schwer mit den Einschränkungen zu leben, für andere ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Behinderung – oft auch erst nach einigen Jahren – ein selbstverständlicher Teil ihres Lebens geworden. Im Endeffekt entscheidet jede*r für sich, wieviel von sich und der Behinderung an Mitmenschen herangetragen werden soll. Es benötigt womöglich Zeit, um selbst einschätzen zu können, wie und wann man das Thema im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder Partnersuche anspricht.