Depression - eine weit unterschätzte Krankheit

16 bis 20 von 100 Menschen in Deutschland haben in ihrem Leben ein oder mehrmals eine Depression – wie definiert man diesen Begriff und was können die die Auslöser sein? Der folgende Artikel klärt auf.

Eine Depression ist eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung. Eine frühe Diagnose und Therapie sind wichtig, um die Krankheit zu behandeln und bestenfalls zu überwinden. Unter einer Depression versteht man allgemein einen anhaltenden Zustand psychischer Niedergeschlagenheit. Diese unterscheidet sich von „normalen“ Gefühlen der Erschöpfung, Mutlosigkeit und Trauer, die als Reaktion auf konkrete Probleme entstanden sind. Solche „Tiefs“ kennt jede*r und diese gehen meist vorüber, sobald die auslösenden Ereignisse verarbeitet sind. Eine unbehandelte Depression dagegen bessert sich in der Regel nicht von selbst. Sie kann unterschiedliche Ursachen haben und auch völlig unabhängig von äußeren Umständen auftreten.

Die Deutsche Depressionshilfe bietet eine Selbsttest bei einem Verdacht auf Depression an. Zur Bewältigung einer Depression ist jedoch meist ärztliche und therapeutische Hilfe notwendig und sinnvoll.

Ein deprimierter Mann sitzt unter einem Fenster.

Eine Depression ist eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung (Foto: unsplash).

Vielfältige Ursachen

Es gibt unterschiedliche Ursachen und Auslöser für Depressionen. Oftmals führen mehrere Ursachen dazu, dass eine Depression auftritt. Körperliche und genetische Einflüsse treten mit psychischen und psychosozialen Auslösern in Wechselwirkung und verstärken sich gegenseitig. Aufgrund des sehr komplexen Zusammenspiels verschiedener Auslöser gibt es weder die „typische Depression“ noch den/die „typische*n Depressive*n“.

Depressionen sind zwar nicht direkt vererbbar, jedoch erhöhen bestimmte genetische Merkmale das Risiko an einer Depression zu erkranken. Wer ein solches Gen geerbt hat, bekommt bei entsprechender Belastung in seinem Leben eher eine Depression als Personen, die andere Gene geerbt haben.

Gründe können auch körperliche Auslöser, wie zum Beispiel der Hirnstoffwechsel, sein. Dieser kann aus dem Lot geraten und die Botenstoffe Serotonin und/oder Noradrenalin liegen nicht mehr in optimaler Konzentration vor. Ist das Gleichgewicht dieser Botenstoffe gestört, können Impulse zwischen den Hirnzellen nicht mehr richtig übertragen werden. Sinneseindrücke können nicht mehr richtig verarbeitet werden, die Gefühle und Gedanken der Betroffenen verändern sich.

Krankheiten als Auslöser für Depressionen

Aber auch Krankheiten wie Tumore, Gehirnverletzungen, Schlaganfall oder schwere Hormonstörungen können Depressionen mitverursachen. Oft lässt sich nicht klar abgrenzen, ob die Depression in solchen Fällen als Reaktion auf die Erkrankung entsteht oder umgekehrt – die Depression die auslösende Ursache dafür ist. Auch hier kann von einem Zusammenspiel physischer, psychischer und psychosozialer Faktoren ausgegangen werden. Körperliche Begleitsymptome wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Schlafstörung sind häufig. Weitere Beschwerden können unter anderem auch ungeklärte Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit oder Hautveränderungen sein.

Ein ebenfalls zu beachtender Faktor ist die Reaktion auf Stress. Forschungen zeigen, dass bei chronischem Stress, einem akuten psychischen Trauma oder während einer Infektionserkrankung die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol erhöht ist. Die durch den Stress erhöhte Cortisolmenge kann Verhaltensänderungen wie Konzentrations-, Schlaf- und Appetitstörungen, Verlust des sexuellen Verlangens und eine verstärkte Angstreaktion, verursachen. All diese Verhaltensänderungen können im Zusammenhang mit Depressionen auftreten. Für die Disbalance der Stresshormone spielt laut Expertenmeinung die Veranlagung des Menschen eine wichtige Rolle. Noch zu klären wäre, ob der Umgang mit Stress, Problemen, Krisen oder Verlusterlebnissen nicht effektiv erlernt wurde oder Erbanlagen in bestimmter Art und Weise zusammenwirken und damit die Krankheit begünstigen.

Veränderte Lebensumstände

Auch einschneidende Erlebnisse oder grundlegende Veränderungen der Lebenssituation können zu Depressionen führen. Schwere traumatische Kindheitserlebnisse, der Verlust eines Partners, Missbrauch und Gewalt aber auch Schicksalsschläge und emotionale Vernachlässigung können das Risiko für eine Depression erhöhen. Auch länger anhaltende Belastungen, wie Konflikte in der Familie oder am Arbeitsplatz, können Auslöser für eine Depression sein. Zudem tragen persönliche Eigenschaften, wie negative Denkmuster, extreme Leistungsorientierung, hohes Verantwortungsbewusstsein und eine stark selbstkritische, perfektionistische Haltung dazu bei, die Anfälligkeit für Depressionen zu erhöhen. Trotz klarer Symptome ist der Grund für eine Depression nicht immer offensichtlich.
 
Tritt ein seelisches Tief regelmäßig in den lichtärmeren Herbst- und Wintermonaten auf, kann es sich um eine Winterdepression handeln. Wer darunter leidet, ist nicht immer unbedingt niedergeschlagen und traurig. Betroffene sind vor allem müde, abgeschlagen und lustlos. Typisch für eine solche saisonal abhängige Depression sind Heißhunger nach süßen, kalorienreichen Speisen und ein erhöhtes Schlafbedürfnis.

Ein dunkler Wald während der Wintermonate

Tritt ein seelisches Tief in lichtärmeren Monaten auf, kann es sich um eine Winterdepression handeln (Foto: pixabay).

Stoffwechselerkrankungen und Depressionen

Bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenfunktionsstörungen, neurologische Erkrankungen wie die Parkinson-Krankheit oder Demenzen gehen oft mit ausgeprägten Stimmungstiefs und Depressionen einher. Auch Infektionserkrankungen wie eine Lungenentzündung und Herzerkrankungen wirken auf die Psyche.

Besonders anfällig für eine depressive Verstimmung sind ältere Menschen. Einschneidende Lebensveränderungen, Krankheiten und Medikamente beeinflussen in den höheren Jahren oft in vielfältiger Weise das Gemüt. Medikamente können ebenfalls für ein seelisches Tief verantwortlich sein. Dazu gehören einige Herz-Kreislaufmittel, Schlafmittel oder Medikamente gegen Allergien. Nicht zuletzt entwickeln alkohol- oder drogenabhängige Menschen teilweise anhaltende depressive Symptome.

Schwerbehinderung bei Depression

Als schwerbehindert gelten Menschen, die aufgrund einer Erkrankung dauerhaft und wesentlich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt sind. Dies gilt nicht nur für körperliche Erkrankungen, sondern auch für psychische Erkrankungen. Deshalb können von Depression Betroffene unter bestimmten Umständen einen Schwerbehindertenausweis erhalten. Maßgeblich hierfür ist, dass die Depression länger als sechs Monate anhält. Der behandelnde Arzt kann durch ein Gutachten in diesem Fall helfen, dass Betroffene einen Schwerbehindertenausweis beantragen können.

Hilfesuchende

Depressionen zu erkennen ist nicht einfach, aber sie sind gut behandelbar. Dabei ist es allerdings notwendig frühzeitig ärztliche Hilfe zu suchen. Wie die Depression behandelt wird und ob eine Therapie oder Medikamente empfohlen werden, wird mit medizinischem Fachpersonal entschieden.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet ein umfangreiches Angebot für Krisendienste und Beratungsstellen und ein Info-Telefon: 0800 / 33 44 533.

Auch die Telefonseelsorge Deutschland kann eine erste Hilfe sein und ist rund um die Uhr erreichbar: 0800 / 1110111 oder 0800 / 1110222.