Zerebralparese

Wird während der Schwangerschaft, der Geburt oder in den ersten Lebensjahren das Gehirn durch Sauerstoffentzug geschädigt, resultiert dies in Zerebralparese und führt oft zu irreparablen Bewegungsbehinderungen unterschiedlichen Ausmaßes und Schweregrades. Doch welche Funktionen sind besonders stark beeinträchtigt?

Mit der Zerebralparese (häufig abgekürzt mit CP, von lat. cerebrum „Gehirn“ und griech. parese „Lähmung“) werden unterschiedliche Störungen von Körperhaltung und Fortbewegung bezeichnet. Diese machen sich oft schon ab dem dritten Lebensmonat bemerkbar. Die Ausprägung einer Störung ist von Person zu Person verschieden und geht oftmals mit einer Mehrfachbehinderung einher, da oft weitere Entwicklungsbereiche, wie die Sprachentwicklung oder die geistige Entwicklung, betroffen sind. 

Wie zeigt sich Zerebralparese?

Fast immer ist der ganze Körper von CP-Patient*innen von der Bewegungsstörungen betroffen, manchmal vorwiegend beide Beine oder eine Körperseite, seltener vorwiegend ein Arm oder ein Bein. Auch der Grad der Bewegungsstörung ist je nach Schwere und Dauer der Sauerstoffunterversorgung sehr unterschiedlich. In schweren Fällen sind das Stehen und Gehen, und oft schon das Sitzen oder der Gebrauch der Hände stark erschwert oder gar nicht möglich. Bei leichteren Fällen zeigt sich die Bewegungsstörung nur bei Geschicklichkeiten, zum Beispiel beim Schreiben, Zeichnen, bei Handfertigkeiten und bei Aktivitäten, die die allgemeine Beweglichkeit und das Gleichgewicht besonders beanspruchen.

Je nach Lokalisation und Ausdehnung der Hirnschädigung findet man nicht nur verschiedenartige Bewegungsstörungen, sondern damit sehr häufig auch eine oder mehrere andere Funktionsstörungen des Gehirns, wie Sprachstörungen, Hörstörungen, Sehstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Verhaltensstörungen, geistige Behinderung oder Epilepsie. Bei körperlich weniger auffälligen Bewegungsstörungen können unter Umständen sehr komplexe Funktionsstörungen vorliegen.

Die Zerebralparese bleibt ein Leben lang bestehen. Die resultierenden Bewegungsstörungen wechseln in vielen Fällen im Laufe von Monaten und Jahren, sie sind jedoch durch therapeutische Massnahmen beeinflussbar und bedürfen einer lebenslangen Beobachtung und Behandlung. 

Gibt es eine Heilungschance?

Da meist ausgedehnte Hirnareale betroffen sind, kann eine zerebrale Bewegungsbehinderung nicht geheilt werden. Mit gezielten Therapien wird jedoch eine möglichst große Selbstständigkeit erreicht. Der Verbesserung der Motorik und damit der Aktivitäten im Alltag kommt dabei eine wesentliche Rolle zu.

Wichtig ist, eine zerebrale Bewegungsbehinderung so schnell wie möglich zu erkennen und mit der unverzüglichen Einleitung geeigneter Therapien (Physiotherapie, Hippotherapie und ähnliches) Gegensteuer zu geben. Dann bestehen berechtigte Erfolgschancen, die restlichen gesunden Hirnareale so weit zu bringen, dass sie mindestens teilweise die ausgefallenen Funktionen übernehmen können. 

Treten zerebrale Beeinträchtigungen häufig auf?

Zerebrale Bewegungsbehinderungen stellen mit einer Häufigkeit von 1,5 bis 2,5 auf 1000 Geburten die häufigste motorische Behinderung im Kindesalter dar. Trotz beachtenswerten Fortschritten der Medizin hat ihre Häufigkeit in den westlichen Ländern in den letzten Jahrzehnten nicht wesentlich abgenommen. Die bessere Schwangerschafts- und geburtshilfliche Betreuung sowie die großen Fortschritte in der medizinischen Behandlung der Neugeborenen haben zwar bewirkt, geburtsbedingte Komplikationen sowie angeborene Infektionskrankheiten zu vermindern, parallel dazu überleben aber mehr und mehr die besonders für eine zerebrale Bewegungsbehinderung gefährdeten sehr früh geborenen Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht.

Besonders die gefährliche Verstrickung des Ungeborenen im Mutterleib mit der (oftmals zu langen) Nabelschnur kann für das Kind eine schwer erkennbare Sauerstoff-Unterversorgung bedeuten. Das Umschlingen der Nabelschnur um den Hals oder um andere Gliedmaßen lässt keine Versorgung des Ungeborenen mehr zu. Dies zu erkennen ist oftmals nur durch Zufall oder während einer Routinekontrolle möglich.