Allergien – wenn das Immunsystem überreagiert

Diese Stoffe, auf die der Körper reagiert, sind meist harmlos – dafür sind die Folgen für Allergiker*innen aber häufig unangenehm, wenn nicht sogar lebensbedrohlich. Allergien betreffen ungefähr ein Drittel der deutschen Bevölkerung.

Frühlingszeit – Pollenflugzeit. Wenn von Allergien die Rede ist, haben viele das Bild von ständig niesenden Menschen mit geröteten Augen vor sich.

Nicht zu Unrecht: Von der allergischen Rhinitis, wie der Heuschnupfen in der Medizin genannt wird, ist die Hälfte der Allergiker*innen betroffen. Gemessen an der Gesamtbevölkerung sind es in etwa 15 Prozent der Deutschen.

Eine niesende Frau mit Taschentuch vor einem Rapsfeld

Gesundheit! Betroffene von Heuschnupfen sehen dem Frühlingsbeginn oft mit Unbehagen entgegen (Foto: pixabay).

Neben dieser verbreitetsten Allergieform gibt es noch andere Typen wie Lebensmittel-, Medikamenten-, Hausstaub-, Tierhaar- oder Kosmetikmittelallergien. Das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass über 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland von allergischen und atopischen Erkrankungen betroffen sind.

Volkskrankheit Allergie

Rund ein Drittel aller Deutschen ist von einer Allergie betroffen. Allerdings können Anzahl und Herkunft der einzelnen Allergien oft kaum festgestellt werden, da laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund heutzutage über 20.000 Allergene – also Stoffe, die eine Allergie auslösen können – bekannt sind und zudem so genannte Kreuzallergien existieren. Eine Kreuzallergie ist eine zu einer Allergie zusätzlich auftretende Allergie, die auf ähnliche Molekülstrukturen wie bei Allergenen der „Haupt“-Allergie reagiert.

Der Körper eines gesunden Menschen reagiert, wenn körperfremde Stoffe eindringen. Dieser Abwehrmechanismus ist grundsätzlich notwendig, da hierdurch gefährliche Umweltstoffe unschädlich gemacht werden können. Bei Betroffenen kommt es jedoch zu einer Überempfindlichkeit, es entsteht dadurch eine Überreaktion auf eigentlich harmlose Stoffe. Das heißt, der Körper bekämpft diese Allergene so, als wären sie gefährliche Krankheitserreger. Das äußert sich oft durch Symptome wie juckende Augen, gerötete Haut, Asthmaanfälle oder gar anaphylaktische Schocks, die mitunter lebensbedrohlich sein können. In Extremfällen kann sich eine Allergie so stark auswirken, dass sie als Behinderung anerkannt wird.

Haselnusspollen an einem Strauch

Auf vergleichsweise harmlose Stoffe wie Birkenpollen überreagiert das Immunsystem der Betroffenen (Foto: pixabay).

Überreaktion des Immunsystems

Die Immunreaktion ist auch das, was Allergien von Unverträglichkeiten – wie etwa gegenüber Milchprodukten – unterscheidet. Während bei einer Allergie der Körper auf ein bestimmtes Allergen (über)reagiert, verfügt bei einer Unverträglichkeit der Körper nicht oder zu wenig über das passende Enzym, um einen bestimmten Stoff abzubauen.

Die Forschung ist sich auch heute noch nicht einig, warum es zu diesen übertriebenen Abwehrmechanismen bei Allergien kommt. Es spricht jedoch viel dafür, dass verschiedene Faktoren für die Entstehung von Allergien entscheidend sind. Genetische Ursachen, zuviel Hygiene und selbst Impfungen werden unter anderem als mögliche Auslöser in Betracht gezogen.

Mögliche Gründe für die Zunahme an Allergien

Außerdem verzeichnen Wissenschaftler*innen seit Jahren einen stetigen Anstieg von allergischen Erkrankungen in Industrieländern, was den Schluss nahelegt, dass die Umweltverschmutzung ebenso ein entscheidender Faktor sein könnte.

Die Klassifizierung von Allergien in verschiedene Typen erfolgt anhand zweier Kriterien: Zum Einen zählt der Reaktionsmechanismus, zum Anderen die Reaktionszeit, das heißt die Zeit, die nach Kontakt mit dem Allergen verstreicht, bis die ersten Symptome auftreten. Die Europäische Stiftung für Allergieforschung unterteilt Allergien über diese zwei Kriterien in insgesamt vier Typen.

Glasampullen mit unterschiedlichen Allergenen

In einem Allergietest wird die Körperreaktion auf verschiedene Allergene getestet (Foto: pixabay).

  • Typ I: Soforttyp, anaphylaktische Reaktion
    Dieser Allergie-Typ zeichnet sich dadurch aus, dass die Symptome sofort oder innerhalb weniger Minuten auftreten. In der Regel sind die Haut oder Schleimhäute betroffen. Fast immer handelt es sich bei den Allergenen der Typ-I-Allergien um Eiweiße. Zahlenmäßig sind die Allergien vom Typ I am häufigsten vertreten.
    Beispiele von Typ I-Allergien sind Heuschnupfen, Nesselsucht, Allergien gegen Tierhaare, Nahrungsmittel, Latex, Hausstaubmilben oder Medikamente.
     
  • Typ II: Allergien vom zytotoxischen Typ
    Bei Allergien vom Typ II werden die körpereigenen Zellen so geschädigt, dass sie vom Körper als Allergene eingestuft werden. Spezifische Antikörper werden direkt an die Oberfläche der Zellen gebunden, dadurch wird die Zelle selbst zum Antigen, das bekämpft werden muss. Typ II-Allergien sind allerdings sehr selten.
    Autoimmune hämolytische Anämien, Rhesusunverträglichkeit bei Neugeborenen oder Blutgruppenunverträglichkeit sind Beispiele für Allergien vom Typ II.

  • Typ III: Allergien vom Immunkomplextyp
    Medikamenten-Allergien äußern sich oftmals anhand von Typ III- Reaktionen.  Hierbei werden körperfremde Stoffe – zum Beispiel Medikamente – im Blut durch Antikörper gebunden, wodurch größere Zusammenschlüsse entstehen, die sich zum Beispiel an der Haut oder an den Nieren festsetzen. Dies führt zu lokalen Entzündungsreaktionen, die sich auf der Haut meist in Form eines Hautausschlages zeigen, manchmal in Verbindung mit Einblutungen, Schädigungen der Haut und Juckreiz.
    Hierzu gehören beispielsweise Vaskulitis (Gefäßentzündung), Serumkrankheit, Farmerlunge und Arthritis (Entzündungen der Gelenke).

  • Typ IV: Zelluläre Immunreaktion, Spättypallergie
    Charakteristisch für die Allergien vom Typ IV ist das zeitverzögerte Auftreten der allergischen Reaktion. Wie bei Typ II lagern sich Allergene beziehungsweise körperfremde Stoffe an Körperzellen an und aktivieren spezifische T-Lymphozyten, die diese Zellen erkennen und bekämpfen. Dabei kommt es zu einer Schädigung des umliegenden Gewebes.
    Bei diesem „Erstkontakt“ prägen sich die T-Zellen die durchgeführte Abwehraktion ein, und sobald sie mit dem gleichen Allergen noch einmal in Kontakt kommen, lösen sie heftige allergische Reaktionen aus. Da die (Re-)Aktivierung der T-Lymphozyten und die Zelleinwanderung jedoch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, tritt die allergische Reaktion nicht sofort, sondern erst 12 bis 72 Stunden nach dem Allergenkontakt auf.
    Beispiele für Reaktionen vom Typ IV sind Transplantatabstoßung, Tuberkulinreaktion (Tbc-Test) oder Kontaktallergien wie etwa eine Nickelallergie.