Grundriss mit Bleistift und Lineal | © unsplash

Planung eines barrierefreien Umbaus

Möchten Sie in Ihrer Wohnung bauliche Veränderungen durchführen, um diese barrierefrei zu gestalten, dann sollte eine gute Planung an erster Stelle stehen. Neben baulichen und finanziellen Kriterien sind auch die individuellen Ansprüche zu beachten.

Bestandsaufnahme des Wohnobjekts

Eine gründliche Bestandsaufnahme sollte die Basis aller barrierefreien Umbauten sein. Hier ist die Unterstützung und Erfahrung versierter Architekt*innen und Bauingenieur*innen gefragt. Diese sollten insbesondere viel Erfahrung im Bereich des barrierefreien Planens und Bauens haben und mit dem Umgang von Sozial- und Versicherungsträgern vertraut sein. Individuelle, barrierefreie Lösungen können so argumentiert, gefördert und sinnvoll umgesetzt werden.

Klärung und Überprüfung folgender Punkte

  1. Die Feststellung der individuellen baulichen Bedürfnisse bezüglich der Behinderung des Betroffenen
  2. Eine Prüfung der baukonstruktiven und physikalischen Gegebenheiten durch einen Fachexperten
  3. Eine Kostenschätzung und Gegenüberstellung in Bezug auf Umbau- und Neubaumaßnahmen
  4. Die Berücksichtigung der Zukunftspläne und Entwicklung des Betroffenen in gesundheitlicher, beruflicher und familiärer Hinsicht
  5. Die Überprüfung der gesicherten Finanzierung sowie die Zuständigkeitsprüfung von Kostenträgern für eine Bauförderung

Industrienormen als Planungsgrundlage

Planungsempfehlungen für barrierefreie Baumaßnahmen und damit Regeln unter welchen technischen Voraussetzungen eine bauliche Anlage “barrierefrei” ist, werden in Deutschland in der Norm 18040 geregelt. Dabei beschreibt DIN 18042-1 Regeln für öffentlich zugängliche Räume, DIN 18040-2 Regeln für Wohnungen und DIN 18042-3 Regeln für den öffentlichen Verkehrs- und Freiraum. (Quelle: https://nullbarriere.de/din18040-2.htm)

DIN-Normen stehen zur Anwendung frei. Das heißt, man kann sie anwenden, muss aber nicht. DIN-Normen werden erst verbindlich durch Bezugnahme, z. B. in einem Vertrag zwischen privaten Parteien oder in Gesetzen und Verordnungen.

Achtung: Der Mensch kann nun mal nicht durch eine Norm definiert werden. Selbst Menschen mit gleicher Behinderung können unterschiedliche Fähigkeiten besitzen. Planen Sie einen barrierefreien Umbau und möchten von den Industrienormen abweichen, müssen diese aber unbedingt mit Kostenträgern abgesprochen und von diesen genehmigt werden. Eine Streichung der Kostenübernahme könnte sonst die Folge sein.

In der Umsetzung sollten barrierefreie Lösungen möglichst integriert und universell sein, vielen dienen und niemanden erneut auf andere Weise behindern. Ein barrierefreier Umbau bedeutet die Beseitigung von Hindernissen, durch die manche Menschen erst behindert werden und stellt somit ein allen zugute kommendes Anliegen dar.

Möglichkeiten des Barrierefreien Bauens

Wichtig bei der Planung ist, sich von Anfang an klar zu machen, welche Möglichkeiten es gibt und in welchen Bereichen sie stattfinden können. Die folgende Auflistung ist in fünf wesentliche Wohnbereiche aufgeteilt und gibt einen Überblick über verschiedene Baumaßnahmen:

  1. Das Nachhausekommen

    Der Außenbereich sollte beim barrierefreien Bauen als erstes in den Blick genommen werden, da er mitunter die Gestaltung des Grundrisses und die Größe des Hauses verändert. Vor für allem Menschen, die im Rollstuhl sitzen oder einen Rollator haben, aber auch Personen, die täglich mit einem Kinderwagen nach Hause kommen, sind Treppenstufen und Schwellen Hindernisse. Weitere Aspekte, die hier zu beachten sind:

    - Ausreichend Platz für PKW-Stellplätze
    - Geeignete Bodenbeläge im Außenbereich (Kieswege sind beispielsweise ungeeignet)
    - Schwellen- und stufenfreier Zugang zum Haus von außen, des Eingangsbereichs und des Vorraums
    - Barrierefreier Zugang über breite Wege oder Ähnliches zum Garten und ums Haus herum

  2. Das Bewegen im Haus oder in der Wohnung

    Barrierefreie Räume in Wohnungen und Häusern sollten vier Anforderungen erfüllen, damit sich in jeder Mensch in jeder Lebensphase frei bewegen kann und sich dabei wohlfühlt. Im gesamten Wohnbereich ist ein ebener und stufenloser Zugang herzustellen. Es ist auf ausreichende Zugangsbreiten zu achten. Lesen Sie mehr dazu im Artikel "Rollstuhlgerechte Flure und Dielen".

  3. Das Wohnen und Schlafen

    Was das Wohnen und Schlafen im Allgemeinen angeht, sollten beim Bau ebenfalls einige Dinge beachtet werden: Räume sollte flexibel gestaltet werden, sodass sie eventuell auch umgebaut, bzw. verändert werden können. Die Übergänge zur Terrasse sollten stufenfrei und schwellenlos sein. Fenster- und Türbeschläge sind so zu bauen, dass sie ohne großen Kraftaufwand und aus niedriger Höhe bedient werden können. Diverse Bedienelemente und Technik können zur Automatisierung beitragen. Wichtig sind auch anpassbare Möbel, wie etwa ein verstellbares Bett, was sich im Alter herunterfahren und so leichter erreichen lässt.

  4. Barrierefrei Kochen und Essen

    Die Küche ist häufig der zentrale Raum eines jeden Zuhauses: Hier wird nicht nur gekocht, gespült und gearbeitet, sondern auch gewohnt, zusammengelebt, gelacht und genossen. Damit das Leben aber für alle Bewohner und Bewohnerinnen ungehindert und sicher stattfinden kann, muss eine Küche barrierefrei sein. Was es dafür zu beachten gilt, können Sie in der Artikeln „Barrierefreie Küche“ und „Altersgerechte Küche“ und nachlesen.

  5. Die optimale Badgestaltung

    Auch im Badezimmer sind, genau wie bei der Küche, Flexibilität und Anpassbarkeit gefragt, um die einzelnen Elemente der jeweiligen Lebenssituation anzupassen. Wichtig sind:

    - Duschen, die schwellenlos zu betreten sind
    - Waschtische, die sich unterfahren lassen
    - Rutschfeste Fliesen
    - Armaturen, die berührungslos funktionieren und moderne Thermostat-Technik verbaut haben

    Lesen Sie mehr dazu im Artikel „Barrierefreies Bad“.