Offene Zuckerdose und Blutzuckermessgerät | © pixabay

Blutzuckerwert

Der Blutzuckerwert gibt den Zuckergehalt im Blut an. Bei einer Behandlung von Diabetes mit Insulin wird die benötigte Insulindosis anhand des aktuell gemessenen Blutzuckerwerts berechnet. Auch für Personen mit Diabetes, die kein Insulin spritzen, ist eine regelmäßige Überprüfung des Blutzuckerspiegels ratsam.

Blutzuckerwert

Der Blutzuckerwert gibt an, wie viel Glukose sich im Blut befindet. Er lässt sich in zwei Einheiten angeben: „Milligramm pro Deziliter“ (mg/dl) oder „Millimol pro Liter“ (mmol/l). Einen Umrechner für die Einheiten bietet die Deutsche Diabetes Hilfe an.

Bei einem gesunden Erwachsenen beträgt der Blutzuckerwert nüchtern meist unter 100 mg/dl. Zwei Stunden nach einer Mahlzeit liegt der Wert meist unter 140 mg/dl. Ein Nüchternwert zwischen 100 und 125 mg/dl ist ein Hinweis auf ein Typ-2-Diabetes-Vorstadium (Prädiabetes). Personen, bei denen Nüchternwerte in diesem Bereich gemessen werden, können dem Auftreten von Diabetes entgegenwirken, wenn sie Risikofaktoren für Diabetes in ihrem Leben identifizieren und versuchen diese abzubauen.

Liegt der Nüchternblutzucker über 125 mg/dl oder zu einem anderen Zeitpunkt (zum Beispiel nach dem Essen) über 200 mg/dl, dann liegt Diabetes vor. Ziel einer Diabetesbehandlung ist es, den Blutzuckerspiegel der Person mit Diabetes den Werten von stoffwechselgesunden Personen ohne Diabetes anzunähern und Unter- und Überzuckerungen zu vermeiden.

Wie oft und wann sollte der Blutzucker gemessen werden?

Wie häufig der Blutzucker gemessen werden muss, hängt ab vom Diabetestyp, der damit einhergehenden Stabilität des Blutzuckerwerts und der Behandlungsform, die praktiziert wird. Grundsätzlich muss bei Personen mit Diabetes Typ 1, die auf regelmäßige Insulininjektionen angewiesen sind, der Blutzucker meist häufiger gemessen werden als bei Typ 2. Stoffwechselentgleisungen in Form von Unter- oder Überzucker sind bei Typ 1 eher zu erwarten, was eine häufige Kontrolle (mindestens viermal täglich) notwendig macht. Typ 2 Diabetiker*innen verfügen meist noch über eine restliche Insulinproduktion im Körper und sind dadurch stabiler. Regelmäßiges Blutzuckermessen ist jedoch bei jedem Diabetes empfehlenswert und auch das beste Frühwarnsystem für Unterzuckerung (siehe hypoglykämischer Schock) und Überzuckerung (siehe Diabetisches Koma).

Die genaue Anzahl der Blutzuckermessungen wird mit dem behandelnden ärztlichen Fachpersonal abgesprochen. Die Kontrollen dienen dazu, eine Übersicht über die Entwicklung des Blutzuckerspiegels zu behalten. Personen mit Diabetes sollten die Blutzuckerwerte unter Angabe der Uhrzeit in ein Tagebuch in Tabellenform dokumentieren. Diese Dokumentation kann in Papierform oder mit einer App erfolgen. Dabei ist besonders der Nüchternblutzucker morgens nach dem Aufstehen relevant, ebenso die Werte vor den Hauptmahlzeiten, aber auch jede andere eingenommene Speise, wie Snacks und Naschereien. Zur korrekten Interpretation der einzelnen Werte sollten zudem Informationen zur Art der Mahlzeit notiert werden. Ein zuckerreicher Imbiss oder ähnliches lassen den Wert kurzzeitig hochschnellen. Etwaige „Ausreißer“ können durch eine gewissenhafte Dokumentation leicht erklärt werden. Anhand einer sorgfältigen Dokumentation der Blutzuckerwerte kann gemeinsam mit dem Diabetesteam, dem Hausarzt oder der Hausärztin der Erfolg einer Therapie ausgewertet werden. Des Weiteren kann die Vorgehensweise bei unzureichendem Erfolg angepasst werden.

Wie wird der Blutzucker gemessen?

Das wohl bekannteste und meist genutzte Hilfsmittel für Personen mit Diabetes ist das Blutzuckermessgerät. Damit kann der Blutzuckerwert ermittelt werden. Bei jeder Messung ist ein kleiner Stich in den Finger zur Blutgewinnung nötig.

Der Markt für fortschrittliche Blutzuckermessgeräte und Stechhilfen ist groß, wobei immer mehr auf smarte Lösungen gesetzt wird, die der betroffenen Person den Schmerz ersparen und die Auswertung der Daten erleichtern sollen. Eine Alternative zu klassischen Blutzuckermessgeräten sind Geräte zur kontinuierlichen Glukosemessung, die über einen in die Haut implantierten Sensor den Blutzucker messen.

Die meisten auf dem Markt verkauften Geräte bieten eine sekundenschnelle Auswertung der Daten und sind mit verschiedensten zusätzlichen Features ausgestattet, wie zum Beispiel Sprachfunktionen, automatischem Tagebuch, USB-Schnittstelle, einstellbaren Alarmzeiten, oder auch Echtzeitalarme an Angehörige im Notfall. Es existieren mittlerweile auch spezielle Geräte mit Sprachausgabe für blinde und stark sehbehinderte Diabetiker*innen oder extra großen Tasten für Menschen mit Schwierigkeiten in der Feinmotorik. Für Kinder gibt es auch bunte Geräte oder verschiedene Hüllen.

Ein Blutzuckermessgerät muss in erster Linie verlässlich die Blutzuckerwerte messen können. Zudem ist die Bedienbarkeit entscheidend. Welche Methode der Blutzuckermessung für Personen mit Diabetes infrage kommt, wird mit dem behandelnden Arzt beziehungsweise der behandelnden Ärztin besprochen. 

Interpretation der Messwerte

Es ist sehr wichtig, die Messdaten korrekt niederzuschreiben. Zwar wird auch in der hausärztlichen Praxis regelmäßig der Langzeitblutzucker via „großer“ Blutentnahme gemessen, dennoch dienen vor allem die täglich eigens festgestellten Werte dazu, die präzisen Angaben zu erfassen. Ein Zielwert von 80 bis 140 mg/dl bei Typ 1 Diabetikern ist wünschenswert. Bei Typ 2 Diabetikern sollte der Wert zwischen 90 und 120 mg/dl liegen. Leichte Abweichungen nach oben bis plus 20 mg/dl sind möglich und zu tolerieren.

Wie viel Insulin gespritzt werden muss, errechnen die Betroffenen jeweils aktuell je nach Blutzuckerwert. Dabei muss besondere Rücksicht auf diverse Einflussfaktoren genommen werden. Neben der Aufnahme von Nahrungsmitteln können auch Alkoholkonsum, Krankheit, Medikamente und Sport den Blutzucker beeinflussen.

Faktoren, die den Blutzucker beeinflussen

Den größten Einfluss auf den Glucosegehalt im Blut hat die Nahrung, insbesondere Kohlenhydrate. Je nach Art und Konzentration der aufgenommenen Kohlenhydrate steigt der Blutzuckerspiegel entsprechend schnell an und ab. Für Personen mit Diabetes ist es wichtig und gesund, Nahrung zuzuführen, welche den Blutzuckerspiegel nicht zu schnell hohe Spitzen erreichen lässt. Anhand des Tagebuchs kann der Einfluss des Essverhaltens gut verfolgt werden. Eine ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige Bewegung helfen dabei Idealwerte zu erreichen.

Auch anderweitige akute Erkrankungen, beispielsweise ein grippaler Infekt, spielen eine Rolle. Besonders bei Fieber ist eine häufigere Messung der Werte notwendig, um rechtzeitig reagieren zu können. Zudem kann eine Einnahme verschiedener Arzneimittel zu Wechselwirkungen führen. Körperliche Anstrengung, Sport, Stress und Alltagshektik sind ebenfalls beeinflussende Parameter. Adrenalin und Cortison erhöhen den Blutzuckerspiegel. Frauen sind zudem dazu angeraten während der Menstruation vermehrt die Werte zu kontrollieren und gegebenenfalls die Insulindosis anzupassen.