Löffel mit Zucker und einer Himbeere | © pixabay

Diabetischer Schock bei Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Unterzuckerung (Hypoglykämie) bezeichnet einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel. Extrem niedrige Blutzuckerwerte unter 50 mg/dl können einen lebensgefährlichen hypoglykämischen Schock (auch diabetischer Schock oder Diabetesschock genannt) zur Folge haben.

Bei Diabetes kann nicht nur ein zu hoher Blutzuckerwert auftreten (Überzuckerungsgefahr), sondern auch ein zu niedriger. Personen mit Diabetes können niedrige Blutzuckerwerte haben, wenn beispielsweise zu viel Insulin gespritzt wurde oder zu wenig Nahrung aufgenommen wurde. Weitere Ursachen können eine Überdosierung von blutzuckersenkenden Medikamenten, Alkoholkonsum und hohe körperliche Anstrengung sein. Das Risiko für eine Unterzuckerungen ist erhöht bei Typ-1-Diabetiker*innen sowie bei Typ-2-Diabetiker*innen, die Insulin spritzen oder Tabletten einnehmen, die die Insulinproduktion anregen.

Ab einem Blutzuckerwert von 70-60 mg/dl bekommt das Gehirn der betroffenen Person zu wenig Zucker. Typische Symptome sind Heißhunger, Unkonzentriertheit, feuchte, blasse Haut, Schwitzen und Zittern. Der Ablauf der Symptome kann dabei sehr schnell sein. Daher ist es wichtig, dass sich Personen mit Diabetes stets selbst genau beobachten und immer etwas Traubenzucker bei sich haben, um leichte Unterzuckerungen schnell bemerken und beheben zu können. Verzehrt die unterzuckerte Person bei ersten Anzeichen nicht sofort zuckerhaltige Nahrung oder Getränke (zum Beispiel Traubenzucker oder Fruchtsaft), dann sinkt der Blutzuckerspiegel weiter.

Hypoglykämischer Schock

Liegt der Blutzuckerwert bei 40 bis 50 mg/dl tritt schließlich der hypoglykämische Schock in Form von Bewusstlosigkeit ein. Es besteht akute Gefahr und ein Notruf muss abgesetzt werden, denn eine unbehandelte Hypoglykämie kann lebensbedrohlich werden. Die bewusstlose Person sollte in die stabile Seitenlage gebracht werden.

Auf keinen Fall darf der unterzuckerten Person jetzt Insulin gespritzt werden. Hat die Person mit Diabetes ein Glukagon-Set bei sich, dann können Angehörige eine Glukagonspritze in den Muskel abgegeben. Das Hormon Glukagon bringt die Leber dazu, Zucker aus ihren Speichern ins Blut abzugeben. Dadurch erhöht sich der Blutzucker normalerweise innerhalb von einigen Minuten wieder und die bewusstlose Person erwacht.

Bei einer schweren Unterzuckerung mit Bewusstseinsstörungen oder bei Übelkeit und Erbrechen verabreicht der Notarzt beziehungsweise die Notärztin eine Glukoseinfusion. Nach dem Erwachen aus der Bewusstlosigkeit sollte die betroffene Person sofort Kohlenhydrate (am besten in flüssiger Form) zu sich nehmen, um den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren.

Unter­zu­cke­rung im Schlaf

Bei Personen mit Diabetes können niedrige Blutzuckerwerte besonders häufig im Schlaf auftreten. Verschiedene Faktoren begünstigen eine nächtliche Unterzuckerung. Es kommt vor allem darauf an, wie gut die Insulin- beziehungsweise Tablettendosis an die wechselnden Bedürfnisse des Körpers angepasst ist. Wenn der Blutzuckerwert stark sinkt, dann wurde häufig schlicht die benötigte Menge falsch berechnet.

Dabei kann es sein, dass die betroffene Person im Schlaf nichts von der nächtlichen Unterzuckerung bemerkt. Mögliche Anzeichen hierfür sind, dass man am Morgen verschwitzt aufwacht und sich gerädert fühlt. Auch ein erhöhter morgendlicher Nüchternblutzucker als Gegenreaktion auf den nächtlichen niedrigen Blutzuckerwert kann auf eine verschlafene Hypoglykämie hinweisen.

Auf Dauer können nächtliche Zuckertiefs schädlich für den Körper sein. Wegen der Stresshormone, die durch den Blutzuckerabfall ausgeschüttet werden, leidet die Schlafqualität, was sich am nächsten Tag negativ auf die Leistungsfähigkeit der betroffenen Person auswirkt.

Häufige „Hypos“ sind schlecht für die Gedächtnisleistung, erhöhen vermutlich das Risiko für eine Demenz und belasten das Herz. Schwere Hypoglykämien während des Schlafens können im schlimmsten Fall lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen verursachen, die die Ursache für einen plötzlichen, völlig unerwarteten Tod bei ansonsten gesunden Typ-1-Diabetiker*innen sein kann („Dead in Bed“-Syndrom). Es ist wichtig, bei ersten Anzeichen für nächtliche Unterzuckerungen zusammen mit dem diabetologischen Fachpersonal die Ursachen zu erkennen und zu beheben.