Existenzgründung mit Behinderung

Arbeitgeber*innen mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind in Deutschland gesetzlich dazu verpflichtet, mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze an Menschen mit Schwerbehinderung zu vergeben. Jedoch entscheiden sich viele dazu, stattdessen die Ausgleichsabgabe zu bezahlen.

Menschen mit Behinderung haben es nicht leicht auf dem Arbeitsmarkt. Die Selbstständigkeit oder Existenzgründung kann daher eine gute Alternative darstellen. Dieser Schritt ist jedoch nicht für jede*n geeignet und bedarf ein hohes Maß an Motivation, Ehrgeiz und auch ein wenig Mut. Existenzgründungen sind mit Chancen, aber auch Herausforderungen und Risiken verbunden. Auch Fördermöglichkeiten sollten in Betracht gezogen werden. 

Soll ich mein eigenes Unternehmen gründen?

Den Lebensunterhalt selbst verdienen zu können, ist der größte Schritt in die finanzielle Unabhängigkeit. Gründer*innen mit Behinderung gibt es wenige. Dabei bringen Menschen mit Behinderung oft wichtige Eigenschaften mit, die als Unternehmer*in hilfreich sein können. Der Wille, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen machen oftmals den Erfolg eines Unternehmens aus. Auch müssen Unternehmer*innen mit Ungewissheiten umgehen lernen. 

Nutzen Sie Ihre Behinderung als Chance. Gute Ideen entstehen oft dort, wo Grenzen überwunden werden müssen.

Ein Mann im Rollstuhl im Gespräch mit zwei Kollegen. | © Andi Weiland | Boehringer Ingelheim, Gesellschaftsbilder.de

Ein Unternehmen zu gründen ist mit Herausforderungen aber auch vielen Möglichkeiten verbunden (Foto: Andi Weiland | Boehringer Ingelheim, Gesellschaftsbilder.de).

Welche Herausforderungen können auf mich zukommen?

Arbeitswege und Arbeitsplätze müssen oftmals speziell an die Bedürfnisse eines Menschen mit Behinderung angepasst werden, jedoch gibt es bereits eine Vielzahl an Hilfsmitteln, die im Arbeitsalltag unterstützen können. Selbstständige und Unternehmer*innen sind für die Gestaltung des Unternehmens und Alltags selbst verantwortlich. Dies bietet viele Freiheiten, jedoch müssen Sie sich auch gut organisieren und motivieren können.

Für die Gründung brauchen Sie nicht nur eine Geschäftsidee, sondern müssen auch einen Businessplan entwickeln, um gegebenenfalls eine Finanzierung und Fördermöglichkeiten ausschöpfen zu können. Als Unternehmer*in sind Sie nicht nur für Ihre Selbstständigkeit verantwortlich, sondern auch für Ihre Mitarbeiter*innen. Daher muss sichergestellt werden, dass das Unternehmen genug Umsatz erwirtschaften kann, um alle Kosten zu decken.

Zur Neugründung ist oftmals Startbudget notwendig. Dieses können Sie zum Beispiel durch einen Gründerkredit oder einen Zuschuss des Integrationsamts finanzieren. Nicht außer Acht gelassen werden sollte auch das wirtschaftliche Risiko, das mit einer Gründung eingegangen wird.

Fördermöglichkeiten für Unternehmer*innen mit Behinderung

Neben Gründungsdarlehen können Integrationsämter auch weitere Leistungen finanzieren, wie beispielsweise eine Arbeitsassistenz oder weitere begleitende Hilfsmittel im Berufsumfeld. Jedoch prüft das Integrationsamt zunächst die wirtschaftliche Tragfähigkeit der geplanten Gründung. Dies ist der Fall, wenn zum einen durch die Selbstständigkeit der Lebensunterhalt bestritten werden kann und zum anderen in absehbarer Zeit keine anderes Beschäftigungsverhältnis vermittelt werden kann.

Es gibt verschiedene Förderprogramme, die ein Darlehen zur Existenzgründung ausgeben. Eines davon ist der Gründerkredit der KfW Bank. Beantragt wird der Kredit jedoch direkt bei der eigenen Hausbank. Entscheidend für das Erhalten eines Gründungskredit ist die eigene Bonität, sowie das Geschäftskonzept. 

Auch die Bundesländer unterstützen Existenzgründungen. Um das richtige Förderprogramm zu finden, können Sie die Förderdatenbank des Bundes nutzen.

Das richtige Netzwerk finden

Geschäftsideen, die gesellschaftlich relevant und lukrativ sind, werden oftmals leicht übersehen. Sie entstehen oft in alltäglichen Situationen. Doch vor allem auch das Team und die Einstellung der Gründerin oder des Gründers spielt eine entscheidende Rolle. Die Idee ist oft sogar nur zweitrangig. 

Es kann sich auszahlen schon frühzeitig im Vorhaben nach den richtigen Partner*innen Ausschau zu halten und sich Unterstützung zu suchen. Als Unternehmer*in tragen Sie eine große Eigenverantwortung. Diese können Sie mit einem guten Netzwerk und gegebenenfalls den richtigen Mitarbeiter*innen besser bewältigen.   

Weitere Tipps auf dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit finden Sie in unserem Artikel „Beruflich selbstständig mit Behinderung“.