Foto von Khalid Nadeem Arif an seinem Arbeitsplatz im Bett. | © Khalid Nadeem Arif

Wenn der Firmenboss vom Bett aus arbeitet – Ein schwerbehinderter Unternehmer macht Mut zum Leben mit Behinderung

Die Myalgische Enzephalomyelitis (ME), beziehungsweise das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS), ist eine schwere neuroimmunologische Erkrankung, die meist mit einem hohen Grad körperlicher Behinderung einhergeht. Weltweit leiden rund 17 Millionen Menschen an ME/CFS. Einer von ihnen ist Khalid Nadeem Arif. Der schwerkranke Groß-Gerauer ist zugleich aber auch ein international erfolgreicher Unternehmer – und Hoffnungsstifter für andere Betroffene.

Wer Khalid Nadeem Arif zum ersten Mal trifft, lernt einen Mann kennen, für den Zuversicht und Optimismus trotz starker gesundheitlicher Einschränkungen zum Leben gehören. Er leitet ein erfolgreiches internationales Unternehmen mit über 150 Mitarbeiter*innen aus 20 Ländern. Und dass, obwohl er oft monatelang nicht aus dem Haus gehen kann und wegen seiner schweren Krankheit, die meiste Zeit im Bett verbringen muss. 

Aufträge aus der ganzen Welt

Grund und Motivation für die Ausrichtung seines Remote-Geschäftsmodells war seine eigene Erkrankung, erklärt Khalid Nadeem Arif. Da es ihm phasenweise unmöglich ist, das Bett zu verlassen, suchte er nach effizienten Lösungen für Menschen in seiner Situation. Nach und nach baute er seine 1993 gegründete Firma zu einem 100-Prozent-Remote-Unternehmen um – mit Erfolg. Aktuell übernimmt das IT- und Personaldienstleistungsunternehmen Aufträge aus der ganzen Welt und beschäftigt mehr als 150 Mitarbeiter*innen aus 20 Ländern. Sie alle arbeiten remote zusammen – aus der Ferne also. Khalid Nadeem Arif versteht sich dabei aber nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Mutmacher für Menschen mit Behinderung, denen er Zuversicht spenden und eine lohnende Perspektive aufzeigen will. 

Seit 2007 schwer krank

Es gibt Situationen, in denen es Khalid Nadeem Arif wirklich schlecht geht. „Manchmal kann ich monatelang nicht aus dem Haus gehen und liege die meiste Zeit im Bett“, so der engagierte Unternehmer, der 1969 im pakistanischen Lahore geboren wurde und im Jahr 1985 als Asylsuchender nach Deutschland kam. Seine ersten Krankheitssymptome tauchten 2007 auf. 

„Plötzlich war ich für viele Tage wie gelähmt“
Khalid Nadeem Arif

Für einen Menschen, der sein Leben lang stets viel gearbeitet und fast 20 Jahre intensiv Kampfsport betrieben hat, eine überaus beängstigende Extremsituation. „Damals dachte ich, dass ich diesen Zustand wahrscheinlich nicht überleben werde. Ich habe sämtliche relevanten Zugangsdaten und Passwörter meiner Firma auf einen Zettel geschrieben, diesen in den Safe gelegt und meine Frau informiert.“ Doch dann kam alles ganz anders. Und heute ist Khalid Nadeem Arif dankbar, dass er damals nicht aufgegeben hat, sondern neuen Lebensmut fassen konnte – trotz seiner schweren Krise. 

Langer Weg bis zur richtigen Diagnose

Nach einer 9-jährigen Odyssee mit falschen Diagnosen sah der Unternehmer eines Tages zufällig eine TV-Berichterstattung, die sein Leben radikal verändern sollte. In dem Fernsehbeitrag ging es um eine seltene Erkrankung namens CFS/ME. „Mir liefen die Tränen herunter“, erinnert sich Khalid Nadeem Arif heute. „Ich dachte, dort wird ja genau meine Geschichte erzählt! Daraufhin habe ich dann im Internet nach einer Selbsthilfegruppe für CFS/ME gesucht und nachgefragt, ob sie einen Arzt wüssten, der sich mit dieser Krankheit auskennt.“ Khalid Nadeem Arif hatte Glück. Er fand einen kompetenten Mediziner und erhielt endlich die richtige Diagnose: CFS/ME. 

80-Stunden-Arbeitswoche keine Seltenheit

Obwohl es bis heute keine Therapie für CFS/ME gibt, führt Khalid Nadeem Arif seither ein besseres Leben. Zwar leidet der Unternehmer noch immer an zum Teil extremer Schwäche und jegliche Aktivität führt bei ihm rasch zur Erschöpfung. „Sobald es meine Gesundheit aber wieder zulässt, fange ich an zu arbeiten – zum Teil bis zu 80 Stunden in der Woche.“ Khalid Nadeem Arif wirkt nicht nur dankbar, er ist es auch. „Trotz meiner Krankheit führe ich heute, durch die Gnade Gottes, ein glückliches und sehr dankbares Leben“, resümiert Khalid Nadeem Arif. 

Ehrgeizige Ziele

Mit 24 Jahren erfüllte sich der vielgereiste und vielseitig gebildete Unternehmer seinen Traum der Selbstständigkeit. Zwar ist heute nicht mehr alles möglich, dennoch lässt Khalid Nadeem Arif es sich nicht nehmen, Neues zu lernen und sein Unternehmen auszubauen. Neben der Führung seines Unternehmens bildet er sich über eLearning-Videos auch selbst weiter. „Von meinem Bett aus kann ich mich über fast alles in der Welt informieren. Man muss heute ja nicht mehr unbedingt selbst auf Messen oder Branchentreffen erscheinen – vieles ist auch virtuell möglich.“ Khalid Nadeem Arifs Firma outsourcing4work gehört zu einem der ältesten und erfolgreichsten 100-Prozent-Remote-Unternehmen in Deutschland. Ziel des engagierten Mannes mit ME/CFS ist es, so viele Menschen wie möglich von dem Nutzen und Vorteilen der Remote-Arbeit zu überzeugen. Außerdem möchte Khalid Nadeem Arif die wirtschaftlich stark rückständige Stadt Rabwah (Chenab Nagar) in Pakistan zu einem IT-Hub für Remote-Arbeit entwickeln. In den nächsten 5 Jahren will er insgesamt 1.000 neue Arbeitsplätze in Pakistan schaffen – ein ehrgeiziges Projekt, welches den „Chef im Bett“ zu begeistern scheint.

„Meine Expertise liegt in Remote-Arbeit. Hier bin ich stark und hier möchte ich auch künftig mein Wissen und Können einbringen.“
Khalid Nadeem Arif
Dieser Erfahrungsbericht wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Herrn Khalid Nadeem Arif.

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