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Fatigue und ME/CFS: Erschöpfung und mehr als Erschöpfung

In der Medizin beschreibt Fatigue eine krankhafte Erschöpfung. Das chronische Fatigue Syndrom wird jedoch oftmals als chronisches Erschöpfungssyndrom/Müdigkeitssyndrom beschrieben. Fatigue ist von Müdigkeit abzugrenzen. ME/CFS Ärzt*innen und Patient*innen empfinden diesen Begriff stigmatisierend. Er führt zu Verharmlosung der Symptome als Müdigkeit und Erschöpfung. Die komplexe Symptomatik und die Schwere der Krankheit werden nicht erfasst.

Wann spricht man von einer Fatigue und wann von einem chronischen Fatigue Syndrom?

Fatigue und das chronische Fatigue Syndrom/Myalgische Enzephalomyelitis (ME/CFS) sind voneinander abzugrenzen und nicht miteinander zu verwechseln. Es handelt sich hierbei um 2 unterschiedliche Diagnosen. Fatigue als eine Begleiterkrankung tritt häufig bei/nach Tumorerkrankungen oder auch anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Multipler Sklerose (MS), Rheuma oder Parkinson auf. Bei der ME/CFS handelt es sich um eine eigenständige schwere neuroimmunologische Erkrankung mit einer komplexen Symptomatik. Betroffene von ME/CFS haben neben einer schweren Fatigue auch neurokognitive, autonome und immunologische Symptome. Eine Fatigue schränkt das Aktivitätsniveau erheblich ein.

Dabei wird zwischen unterschiedlichen Formen unterschieden:

  • Fatigue: Fatigue ist ein Symptom, das ohne vorausgegangener Anstrengungen eine unverhältnismäßige Erschöpfung beschreibt. Diese ist nicht durch Schlaf oder Ruhephasen zu mildern. Die Erschöpfung findet körperlich, kognitiv und seelisch statt.
  • Chronische Fatigue: Bei der chronischen Fatigue handelt es sich um ein Symptom, dass bei vielen chronischen Erkrankungen auftritt. Beispiele hierfür sind: Multiple Sklerose, Krebs oder ME/CFS.
  • Postvirale Fatigue: Diese Form der Fatigue kann nach viralen Erkrankungen auftreten. Sie kann Wochen, Monate oder auch länger anhalten und heilt oft von alleine aus.
  • Postvirales Fatigue-Syndrom: Man spricht von einem Postviralen Fatigue-Syndrom, wenn zur postviralen Fatigue zusätzliche Symptome hinzukommen. Diese können sein: Schwindel, Konzentrations- und Schlafstörungen, Muskel- und/oder Kopfschmerzen. Es kann Wochen, Monate oder auch länger anhalten. Ein Teil der Betroffenen hat dauerhaft schwere Symptome mit Post-Exertional Malaise. Aufgrund dessen erfüllen sie nach sechs Monaten die Kanadischen Konsenskriterien für eine ME/CFS-Diagnose.
  • ME/CFS (Chronisches Fatigue-Syndrom): Hierbei handelt es sich um eine eigenständige komplexe neuroimmunologische Erkrankung. Das Leitsymptom ist Post-Exertional Malaise.

Symptomatiken bei Fatigue und ME/CFS

Mit Fatigue fühlt man sich ohne eine vorangegangene Beschäftigung erschöpft. Der Energiemangel kommt spontan und auch eine Ruhepause verbessert in den meisten Fällen nicht die Leistungsfähigkeit oder das Empfinden. Fatigue wirkt sich auf die Lebensqualität aus. Betroffene von Fatigue beschreiben Einschränkungen im körperlichen, seelischen und kognitiven Bereich. Die Symptome bedingen sich gegenseitig, denn wer sich kraftlos fühlt, fühlt sich oftmals niedergeschlagen und wer niedergeschlagen ist, möchte sich oftmals zurückziehen.
Die Symptomatiken bei Fatigue verlaufen individuell, sodass Betroffene lernen müssen, einen Umgang mit ihren Symptomen zu finden. Bei einigen Betroffenen kann es sein, dass sie nicht mehr in der Lage sind, zu arbeiten oder sie Tätigkeiten nachgehen, bei denen sie regelmäßige Pausen einlegen können. Die ständige Erschöpfung kann auch zu der Unsicherheit führen, dass man den Anforderungen des Alltages nicht mehr gerecht werden kann. Diese Unsicherheit ist für Betroffene ebenfalls einschränkend. Die Symptome bei Fatigue lassen sich in körperliche, seelische und kognitive Fatigue unterteilen.

Körperliche Symptome:

  • Reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Schwäche, Kraftlosigkeit, Erschöpfung
  • Gliederschwere
  • Plötzliche, starke und dauerhafte Müdigkeit
  • Anhaltendes Unwohlsein nach körperlicher Belastung
  • Schlafstörungen

Seelische Symptome:

  • Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit
  • Ängste
  • Anspannung, Frust, Reizbarkeit
  • Desinteresse an Dingen, die früher Spaß machten
  • Wunsch, sich zurückzuziehen

kognitive Symptome:

  • Konzentrationsstörungen
  • Ablenkbarkeit
  • Wortfindungsstörungen
  • Verringerte Merkfähigkeit
  • Geringe Aufmerksamkeitsspanne

(In diesem Zusammenhang spricht man auch häufig von „Brain-Fog“)

Die Symptomatik von ME/CFS ist deutlich komplexer.
Die folgende Auflistung von Symptomen der ME/CFS entspricht der Auflistung der deutschen ME/CFS Gesellschaft und orientiert sich in der Beschreibung an den Kanadischen Konsenskriterien für Kliniken (2005) und dem Bericht des Institute of Medicine (2015). Es werden vorrangig die häufigsten Symptome beschrieben. Damit erhebt die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Symptome und auch deren Auswirkungen sind von Person zu Person unterschiedlich.

Kernsymptome:

  • Post-Exertional Malaise: Das Leitsymptom Post-Exertional Malaise ist die Voraussetzung für eine ME/CFS. Sie wird auch Belastungsintolleranz genannt. Es ist für ME/CFS Betroffene wichtig, ihre eigenen individuellen Belastungs- und Energiegrenzen zu kennen (Pacing). Diese sollten Sie nicht nur kennen, sondern auch einhalten. Sollten die körperlichen und kognitiven Grenzen überschritten werden, hat dies negative Auswirkungen auf die Gesamtsymptomatik.
  • Fatigue – deutliches Ausmaß führt zu einer erheblichen Reduktion der Aktivitätsniveaus

Schlafstörungen:

  • Einschlafstörungen
  • Durchschlafstörungen
  • veränderter Tag-Nacht-Rhythmus
  • nicht erholsamer Schlaf

Schmerzen:

  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Kopfschmerzen

Autonome/orthostatische Symptome:

  • Orthostatische Intoleranz
  • Schwindel bei Lagewechsel
  • Herzrasen
  • extreme Blässe
  • Atemnot bei leichter Belastung
  • Darmstörung
  • Blasenstörung

Neurologische/kognitive Symptome:

  • Brain Fog
  • Wortfindungsstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Sinnesstörungen
  • Bewegungskoordinationsstörungen
  • Muskelschwäche und Muskelzuckungen

Neuroendokrine Symptome:

  • gestörte Anpassung der Körpertemperatur
  • Schwitzen, fiebriges Gefühl
  • schlechte Verträglichkeit von Hitze und Kälte
  • kalte Hände oder Füße
  • schlechte Verarbeitung von Stress

Immunologische Symptome:

  • schmerzhafte Lymphknoten
  • wiederkehrende Halsschmerzen
  • neue Allergien
  • grippeähnliche Symptome, allgemeines Krankheitsgefühl
  • Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln, Medikamenten oder Chemikalien

Behandlung von Fatigue und ME/CFS

Die Begleiterkrankung Fatigue und die komplexe neuroimmunologische Erkrankung unterscheiden sich nicht nur in der Forschung und den Auswirkungen, sondern auch in den Therapien. Während es bei ME/CFS keine kausale Therapie gibt, gibt es bei Fatigue vor allem aktivierende Therapien, um mehr Lebensqualität zurückzuerhalten. Auch ist noch nicht abschließend geklärt, inwieweit Reha Maßnahmen bei ME/CFS geeignet sind oder umgedacht werden können.

Behandlung von Fatigue

Um der Fatigue entgegenzuwirken und mehr Lebensqualität zurückzuerlangen, können unterschiedliche Wege der Behandlung eingeschlagen werden. Abhängig ist dies unter anderem auch vom Grund der Fatigue. So können folgende Therapien eingesetzt werden:

  • Bewegung
  • Psychoonkologie
  • Mind-Body-Verfahren
  • Medikamentöse Therapien
  • Ergotherapie
  • Medizinische Rehabilitation

Behandlung von ME/CFS

ME/CFS ist eine Erkrankung, die zum jetzigen Zeitpunkt noch mehr Forschung benötigt. Die Krankheitsursache ist nicht geklärt. Kausale Therapien für Betroffene werden an verschiedenen Instituten weltweit erforscht. Eine kausale Therapie ist eine Therapie, die die Ursache einer Erkrankung behandelt.

Um die Symptome der ME/CFS zu lindern, existieren jedoch bereits Ansätze.

Dazu gehört die Behandlung der Symptome:

Aufgrund des „Leitsymptoms“ Post-Exertional Malaise (PEM) oder Post-Exertional Neuroimmune Exhaustion (PENE) sind Therapien, die Bewegung enthalten nicht förderlich. Aktivierung kann durch PEM sogar zu einer Verschlechterung führen. PEM ist eine Verschlechterung der Symptome nach kognitiver oder körperlicher Anstrengung. Auch nach einer Ruhephasen bessert sich diese Verschlechterung nicht. Dies wird von Betroffenen als „Crash“ bezeichnet. Erfahren Sie mehr über ME/CFS in unserem Artikel:


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