Eine Person unterhält sich über Videochat mit einer anderen Person, deren Video auf dem Bildschirm eines Laptops sichtbar ist. | © unsplash

Interview mit Mentee Andreas

Andreas Huber studierte Virtuelle Realität mit dem Schwerpunkt Game Development. Da er aufgrund körperlicher Einschränkungen Assistenz benötigt, gestaltete sich die Arbeitssuche nicht ganz einfach.

Foto eines jungen Mannes mit blonden Haaren, Brille und weißem Pullover im Rollstuhl.

Mentee Andreas

Dass Herr Huber in seinem zukünftigen Job seine große Leidenschaft, die Spieleentwicklung, verfolgen wollte, stand von vornherein fest. Heute arbeitet er als Freelancer. Im Interview erzählt er von seinen Erfahrungen im Mentoring-Programm.

Hallo Andreas! Wie Sind Sie auf das Mentoring-Programm aufmerksam geworden und warum wollten Sie daran teilzunehmen?

Meine Mutter ist in einer Selbsthilfegruppe, mit anderen körperlich Eingeschränkten und deren Eltern und darüber habe ich diese Info erhalten. Und da hab ich mich gleich mal dran gemacht und beworben. Ich hab ja vor einem Jahr meinen Bachelor absolviert, war fertig und wusste nicht was ich machen sollte und wie es jetzt weitergeht. Da dachte ich, ich probier´s einfach mal aus.

Sie waren also schon fertig und haben damit dann nach einem Berufseinstieg gesucht?

Richtig. Meine Einschränkung ist nicht so einfach und die Games-Branche hat noch nicht so viel mit Einschränkungen zu tun. Ich wusste nicht, wie präsentiere ich mich als Mensch mit meinen Fähigkeiten trotz meiner Einschränkung, die ja aber auch irgendwie zu mir gehört. Also das kann ich ja nicht wegzaubern und das war für mich eben extrem schwer und das lernt man halt nicht im Studium. Ich war fertig und habe erstmal ein bisschen Pause gemacht. Und dann kam plötzlich diese Info und dann habe ich mir gedacht, warum nicht? Perfekter geht‘s nicht.

„Da ich wie gesagt überhaupt keine Ahnung hatte, wie ich mich präsentieren kann, war für mich die Hauptmotivation, wie kann ich mich gut präsentieren? Wie kann ich mich in Bewerbungsunterlagen gut darstellen, sodass meine Fähigkeiten durchkommen, aber auch meine Einschränkung nicht außer Acht gelassen wird? Weil die ist da und die darf auch nicht außer Acht gelassen werden. Und das war die Motivation in der Hoffnung, dass ich daraus lernen kann wie das funktioniert. Und das war ja auch letzten Endes der Erfolg.“

Sind Ihre Erwartungen an das Mentoring-Programm erfüllt worden?

Definitiv. Das war sogar mehr als erwartet, weil vor diesem Mentoring hätte ich niemals den Mut aufgebracht und Kontakte geknüpft. Aber für mich war ja gerade in der Spieleindustrie das Networking wichtig. Und ich wusste einfach nie, wie kann ich die Leute anschreiben? Meine Mentorin hat dann gesagt: Schreib die Leute an, erzähl von dir, du hast die Fähigkeiten — du hast sogar andere Fähigkeiten, die die nicht haben. Hab nicht so viel Angst und zeig was du kannst. Und das war die wichtige Bewegung, daraus sind auch schon die ersten Kontakte entstanden und auch die ersten Aufgaben.

Gab es für Sie ganz besonders positive Momente im Mentoring und woran lag das?

Der stärkste Effekt war für mich, dass sie mir geholfen hat zu mir zu finden. In dieser einen Sitzung haben wir nur mit den Fragen gearbeitet: Was möcht ich eigentlich? Wo ist eigentlich mein Weg? Wieso habe ich eigentlich dieses Studium angetreten und was möchte ich bewirken? Und das hat mir den letzten Schliff gegeben wieder meinen Weg zu finden, mein eigentliches Ich.

Wie gut hat Ihre Mentorin zu Ihnen gepasst, waren Sie sich sympathisch?

Perfekt! Ich war überrascht, wie gut der Matching-Algorithmus funktioniert, weil ich damals schon dachte, das ist extrem schwer jemanden zu finden. Es hat aber perfekt geklappt. Das war echt super.

Was waren für Sie die größten Herausforderungen bei der Arbeitssuche?

Da ich eine Assistenz benötige war für mich klar, ich kann nicht Vollzeit arbeiten und mich schon gar nicht irgendwo einstellen lassen. Ich könnte niemals die Verpflichtungen einlösen, die ich eingehe würde.

Haben Sie schließlich eine Arbeitsstelle gefunden?

Ich habe mich selbständig gemacht und bin komplett Freelancer. Der erste Kontakt lief über Xing. Da hatte ich eine Anfrage von einem Team, die ein Spiel entwickeln sollten für einen Abgeordneten der Bundestagswahlen im Raum Heidelberg. Sie haben mich gefragt, ob ich das als Externer mitgestalten und eben die Dinge machen kann, die sie nicht können - also das Game-Design-Konzept und so weiter. Das Projekt ist mittlerweile abgeschlossen. Und jetzt arbeite ich schon wieder an einem neuen Projekt mit einem Partner zusammen, der ist auch Game Designer und Freelancer. Wir haben uns gefunden, weil ich den Mut hatte ihn anzuschreiben. Und dann ist daraus eine feste Freundschaft geworden und wir treffen uns auch jede Woche einmal online, tauschen uns aus und jetzt machen wir Zwei ein eigenes Projekt, das dann im nächsten Jahr veröffentlicht wird. Es ist ein 3D-Spiel, was sowohl für Menschen mit einer körperlichen Einschränkung als auch ohne mit fairen Bedingungen – sprich barrierefrei – spielbar sein wird.

Das klingt großartig, herzlichen Glückwunsch. Gibt es etwas, das Sie zukünftigen Mentees mitgeben möchten?

Keine Angst haben. Einfach machen. Also ich kann es nur jedem empfehlen.

Für welche Personen würden Sie das Mentoring-Programm besonders weiterempfehlen?

Allen Menschen mit Behinderung, die gerade so wie ich nach dem Studium nicht genau weiterwissen. Viele gehen ja einfach in die Werkstatt, weil es eben nicht so viele Alternativen gibt und eben diese Expertise nicht da ist. Und dabei können die Mentees einfach so viel mehr.

Aber auf der anderen Seite auch für Menschen die vielleicht einen Unfall hatten – der alte Job geht nicht mehr – und die sich fragen, wie es weitergeht. Also die eigentlich schon mitten im Leben stehen. Jeder Mensch ist wertvoll, das muss nur wieder neu entfesselt werden.

Vielen Dank, Andreas!


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