Ein weißes Fragezeichen mit Kreide auf eine schwarze Tafel gemalt | © pexels

Hilfe und Förderung bei der Einrichtung eines barrierefreien Arbeitsplatzes

Wir verbringen den Großteil unseres Alltags auf der Arbeit. Sie ist damit ein zentraler Bestandteil unseres Lebens – aber nicht nur in Punkto finanzieller Unabhängigkeit. Sondern lässt uns auch an Gesellschaft teilhaben und kann darüber hinaus sinnstiftend sein und uns ein Gefühl der Zufriedenheit vermitteln.

Damit auch Menschen mit Behinderungen von den Vorteilen optimaler Arbeitsbedingungen profitieren können, gilt es, dem Thema barrierefreie Arbeitsplatzgestaltung einen hohen Stellenwert beizumessen. In der Bundesrepublik Deutschland leben mehr als 10,2 Millionen Menschen mit Behinderung, was die Bedeutung umso wichtiger macht. Auch wenn die Erwerbslosenquote in den letzten Jahren von 15 Prozent auf 6 Prozent gesunken ist – nach wie vor besteht ein hoher Handlungsbedarf: Denn 2019 zahlten von 171.599 beschäftigungspflichtigen Unternehmen 104.492 eine Ausgleichsabgabe. Was wiederum bedeutet, dass über die Hälfte der Unternehmen keine Mitarbeitenden mit Behinderung beschäftigt.

Wichtige Informationen für die Gestaltung barrierefreier Arbeitsplätze

Sowohl für Menschen mit Rollstuhl als auch für Arbeitnehmer*innen mit Bewegungseinschränkungen sowie Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung ist ein barrierefreier Arbeitsplatz unverzichtbar. Bei der Umsetzung gilt es allerdings eine ganze Reihe von unterschiedlichen Aspekten zu bedenken. Dabei geht es unter anderem um gesetzliche Vorgaben und die individuelle Bedarfsanalyse. In diesem Zusammenhang sollte darauf hingewiesen werden, dass das deutsche Baurecht beim Neubau von öffentlich zugänglichen Gebäuden generell eine barrierefreie Gestaltung vorschreibt. 

Zum Beispiel müssen bei Schwellen ab einer Höhe von drei Zentimetern oder Treppen, die mit einem Rollstuhl nicht zu überwinden sind, Rampen mit einem Maximalgefälle von 6 Prozent integriert werden. Dazu sind aber nicht zwangsläufig Umbauten nötig, da entsprechende Rampen und Brücken auch im Handel besorgt werden können. 

Mögliche Alternativen sind funktionale Aufzüge, die genügend Platz für Rollstühle bieten. Darüber hinaus müssen rutschhemmende Bodenbeläge verlegt und behindertengerechte Sanitärräume eingerichtet werden. 

Die Möbel sollen die optimale Produktivität ermöglichen, sodass Schränke und Tische nicht höher als 1,40 Meter sein dürfen. Falls blinde Menschen oder Menschen mit Sehbeeinträchtigung beschäftigt werden, müssen ergänzende Anschaffungen erfolgen: Dazu gehören abhängig vom jeweiligen Arbeitsfeld sogenannte Screen-Reader, Vergrößerungssoftware und ein Beta-Braille-Drucker. 

Die Auflagen lassen Arbeitgebende häufig zurückschrecken, da Umbauten vor allem auch mit Kosten einhergehen. Dass damit aber auch enorme Potenziale ungenutzt bleiben, ist die weniger beachtete Seite der Medaille.

Förderungs- und Finanzierungsmöglichkeiten

Wer sich mit dem Thema barrierefreier Arbeitsplatz auseinandersetzt, wird sich auch um die zugehörige Finanzierung kümmern müssen. Da die Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen ein wertvoller Beitrag für das Gemeinwohl ist, können verschiedene Fördermittel beantragt werden. Weil dabei eine Vielzahl von unterschiedlichen Optionen in Frage kommt, gilt es frühzeitig individuelle Beratungsgespräche zu führen. 

Zu den wichtigsten Ansprechpartnern gehört hier die Agentur für Arbeit. Zusätzlich ist es ratsam, sich das Bauvorhaben bereits vor Beginn der Arbeiten vom Finanzamt als „außergewöhnliche Belastung“ anerkennen zu lassen. Durch dieses umsichtige Vorgehen lassen sich verschiedene Steuervergünstigungen in Anspruch nehmen. 
Weitere mögliche Finanzierungshilfen können bei den Renten- und Krankenversicherungen beantragt werden. Zudem bieten einige Bundesländer spezielle Förderprogramme für die Einrichtung barrierefreier Arbeitsplätze an.

Ergänzende Hinweise zur Einrichtung barrierefreier Arbeitsplätze

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Realisierung barrierefreier Arbeitsplätze aus vielen kleinen Teilschritten besteht. Bei circa 70 Prozent der Menschen mit Behinderung in Deutschland handelt es sich um Personen, die mit einer Schwerbehinderung sind, was die große Bedeutung umfassender Baumaßnahmen zum Ausdruck bringt. 

Persönliche Beratungen, auch beispielsweise zu Integrationsfachdiensten sind in jedem Fall zu empfehlen, um die Finanzierung sowie die allgemeine Planung der notwendigen Neu- und Umbauten optimieren zu können.