Die Bewerbung mit einer Behinderung

Menschen mit Behinderung haben es durch immer noch vorherrschende Vorurteile und Bedenken seitens der Arbeitgeber*innen schwer, eine Arbeitsstelle zu finden. Es stellt sich während des Bewerbungsprozesses also die große und entscheidende Frage: Soll und MUSS ich sogar meine Behinderung in der Bewerbung thematisieren und wenn ja wann?

Unternehmen, die im Jahresdurchschnitt monatlich 20 oder mehr Mitarbeiter beschäftigen, sind gesetzlich dazu verpflichtet einen gewissen Anteil an Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Um genau zu sein müssen 5 Prozent der Arbeitsplätze für Bewerber*innen mit Behinderung freigehalten werden. Wird die 5 Prozent-Quote nicht eingehalten, muss der Arbeitgeber*in pro Monat einen gewissen Teil an Abgaben zahlen.

Die Beschäftigungspflicht für Menschen mit Behinderung (§ 154 Abs. 1 SGB IX) ist eine der wichtigsten Säulen des Schwerbehindertenrechts und eine sehr wichtige Säule in der Inklusion.
Der Gesetzgeber schreibt sogar vor, dass Bewerber*innen mit Behinderung mit passender oder gleicher oder sogar besserer Qualifikation als ein Bewerber*in ohne Behinderung bevorzugt zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden muss. Aber was bedeutet das nun für die Bewerbung?

Warum haben Arbeitgeber*innen heutzutage noch so viele Barrieren gegenüber Menschen mit Behinderung?

Viele Arbeitgeber*innen gehen automatisch davon aus, dass ein Mensch mit Behinderung weniger leistungsfähig ist als ein*e nicht behinderte*r Mitarbeiter*in. Schwerbehinderte Arbeitnehmer*innen haben zudem Sonderansprüche. Das wäre beispielsweise Anspruch auf eine Woche Zusatzurlaub, verbesserten Kündigungsschutz und eine behindertengerechte Ausstattung des Arbeitsplatzes. Diese Punkte scheuen viele Arbeitgeber*innen einen Menschen mit Behinderung einzustellen, besonders da viele Arbeitsplätze auch heute noch nicht behindertengerecht ausgestattet sind. Pauschal kann jedoch nie gesagt werden, wie ein Arbeitgeber*in auf das Thema Behinderung reagiert, da es von Unternehmen zu Unternehmen anders gehandhabt wird.

Gerade deshalb ist es wichtig,  wenn die Behinderung in der Bewerbung angegeben wird, seine positiven Aspekte, Stärken und Fähigkeiten in den Vordergrund zu stellen. Das heißt unbedingt die persönlichen Stärken hervorheben und präsentieren, um aufzuzeigen was einen besonders macht. Hierdurch kann gepunktet werden. Außerdem sollte man darauf achten, sehr gute Bewerbungsunterlagen vorzulegen. Dazu gibt es bereits viele Tipps und Anleitungen für ein gutes Anschreiben, Lebenslauf und ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch.

Muss die Behinderung im Bewerbungsschreiben offengelegt werden?

NEIN. Generell ist man nicht dazu verpflichtet, die Behinderung im Bewerbungsschreiben offenzulegen.

Es gibt jedoch eine Ausnahme: Werden spezielle Anforderungen an den Arbeitsplatz gestellt, damit die Tätigkeit besser oder gar erst komplett ausgeführt werden kann. Dann ist die Frage des Arbeitgebers berechtigt, wenn von dem oder von der Bewerber*in kein Hinweis dazu gegeben wird.

Ist man also beispielsweise auf einen Rollstuhl angewiesen und wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen, dann sollte das der oder die Arbeitgeber*in vorab wissen, damit eine Barrierefreiheit geschaffen werden kann, falls sie noch nicht vorhanden ist.

Im Grunde muss immer individuell entschieden werden, ob man eine Behinderung angeben will – es gibt keine Pauschallösung.Ob man die Behinderung als Bewerber*in thematisiert oder nicht, hängt von der Art und Schwere der Behinderung ab und inwiefern die Behinderung einen Einfluss auf die zukünftig auszuführende Tätigkeit hat.

Die Behinderung gehört gemäß dem Bundesgesetz über den Datenschutz zu den besonders schützenswerte Personendaten, über die man keine Auskunft geben MUSS, wenn man das nicht möchte. Dem oder der Arbeitgeber*in ist es bei diesen besonders schützenswerten Daten nicht erlaubt, danach zu fragen – egal ob es sich um eine Behinderung oder um eine Schwangerschaft handelt.

Ein Mann sitzt vor einem Laptop und schreibt etwas | © pixabay.com

Ob man eine Behinderung im Bewerbungsanschreiben angeben will, muss immer individuell entschieden werden. (Foto: pixabay.com)

Drei Tipps für das Ansprechen einer Behinderung im Bewerbungsgespräch

  1. Die Behinderung ansprechen

    Wer sich dafür entscheidet, die Behinderung schon in der Bewerbung zu erwähnen, sollte darauf achten, sich kurz zu fassen und das Thema nicht zu sehr in den Vordergrund zu rücken. Die Behinderung sollte man am besten knapp, aber korrekt benennen, ohne sich in unverständlichen Fachbezeichnungen zu verlieren.

  2. Wann sollte die Behinderung angesprochen werden?

    Sollte es im persönlichen Gespräch dazu kommen, dass der Bewerber oder die Bewerberin seine Behinderung anspricht, tut er das am besten im Laufe des Treffens. Ungünstig ist es, direkt mit der Tür ins Haus zu fallen. Genauso ungünstig ist es, eine Erkrankung erst dann zu thematisieren, wenn man bereits den Raum verlässt. Das wirkt, als sei der Bewerber selbst verunsichert in der Situation.

  3. Wie wird mit dem Thema umgegangen?

    Wer nicht weiß, wie in der entsprechenden Firma mit dem Thema umgegangen wird, kann vor der Bewerbung Kontakt zum Gleichstellungsbeauftragten aufnehmen, den es in den meisten größeren Firmen gibt. So erfährt der potentielle Arbeitnehmer auch, ob eine Bewerbung in dem Unternehmen überhaupt sinnvoll ist.

Trotz allem kann die Behinderung natürlich auch verschwiegen werden und der oder die Bewerber*in kann sich als „nicht behinderte*r“ Arbeitnehmer*in einstellen lassen. Dies ist dann möglich, wenn die Behinderung nicht erkennbar ist. Davor sollten aber folgende Fragen gut überlegt sein: Ist es überhaupt möglich, die Behinderung praktisch täglich im Arbeitsleben zu verstecken? Ist es mir das überhaupt wert? Oder wird es mir zu anstrengend werden meine Behinderung zu verstecken?  Diese Fragen sollte man sich selbst stellen, spätestens wenn die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch kommt.