Bildung auf einem inklusiven Weg

Bildung ist eine der wichtigsten Säulen zur aktiven Teilhabe am Gemeinschaftsleben. Dass auch Jugendliche mit Behinderungen ein Recht darauf haben, ist seit 2009 in der UN-Kinderrechts- und Behindertenkonvention verankert. Doch wie macht sich die theoretische Inklusion in der Praxis?

In Artikel 23 der UN-Kinderrechts- und Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ist seit 2009 verankert, dass Kinder mit Behinderung ein Recht auf ein erfülltes Leben in Würde und Selbstständigkeit sowie auf die aktive Teilhabe am Gemeinschaftsleben haben. 

Die Zustimmung in der Bevölkerung bezüglich der Ziele der UN-BRK sind hoch. Doch Recht ist nicht gleich Praxis – in dieser beeinflussen Bildung und entsprechende Abschlüsse die Berufswege und damit überwiegend auch die Möglichkeit zur Teilhabe. 

Inklusion an Schulen

Seit über 10 Jahren können Eltern von Kindern mit Behinderung über die Schulform frei entscheiden – im Blickpunkt hierbei steht nach wie vor die Frage, was für das eigene Kind besser ist: Förder- oder Regelschule. Die gute Nachricht an dieser Stelle ist, dass der inklusive Unterricht zunimmt und sich seit 2008 verdoppelt hat. 

Dennoch vollzieht sich die schulische Inklusionsquote je nach Bundesland in unterschiedlichem Tempo. Es zeigt sich auch, dass von den knapp 32.000 Förderschulkindern 2018 drei Viertel ohne Hauptschulabschluss waren – im Gegensatz zu Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung an Regelschulen.

Zusätzlich kam eine Studie der Bertelsmann Stiftung zu dem Schluss, dass es keinen empirisch gesicherten Zusammenhang dafür gäbe, nach dem Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischen Förderbedarf in inklusiven Lerngruppen im Vergleich zum Lernen in Förderschulen geringere Lernfortschritte machen würden.

Die Wahl der Schulform ist für Kinder generell, aber auch insbesondere mit Behinderungen eine zukunft-entscheidende Richtung, bei der sich Eltern über die Vor- und Nachteile im Vorhinein detailliert informieren sollten.

Inklusion in der Ausbildung

Nach der Schulzeit steht ebenfalls eine wichtige Entscheidung für Jugendliche mit einer Behinderung aus. Was könnte der passende Beruf sein – und welche Form der Ausbildung ist dafür der richtige? 

Für Jugendliche, die sich für eine klassische Ausbildung entscheiden, steht zusätzlich die Frage im Raum: Welche Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind mit den eigenen Fähigkeiten überhaupt möglich? 

Positiv hervorzuheben ist, dass 58,4 Prozent der Betriebe Menschen mit Behinderung in Vollausbildungen beschäftigen und der praktische Teil der Ausbildung zu 60,1 Prozent ausschließlich im Betrieb stattfindet. Etwas mehr als ein Drittel führen dabei ihre Ausbildung ausschließlich in Kooperation mit beispielsweise Berufsbildungswerken durch.

Auch die Ausbildung über ein Berufsbildungswerk kann ein guter Weg in den Arbeitsmarkt sein. Die Angebote und Berufsmöglichkeiten sind vielfältig und entsprechende Ziele sowie Maßnahmen können individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse und Fähigkeiten des oder der Jugendlichen mit Behinderung festgelegt werden. Im Ausbildungsjahr 2018/19 schafften dabei 89 Prozent der Auszubildenden erfolgreich ihre Abschlussprüfung und 66 Prozent fanden nach ihrer Ausbildung einen für sie passenden Job.

Inklusion im Studium

Von den rund 2,8 Millionen Studierenden in Deutschland haben 11 Prozent eine Behinderung. Ein Anstieg um drei Prozent gegenüber dem Jahr 2013. Zwar werden die Universitäten zunehmend barrierefreier – dennoch geben 89 Prozent der Studierenden mit einer Behinderung an, Schwierigkeiten bei der Organisation und Durchführung des Studiums zu haben. 

Trotzdem muss das Studium nicht zu einem unüberwindbaren Hindernis werden. Studierenden mit Behinderungen stehen vielfältige Finanzierungs- und Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung, die auftretende Nachteile ausgleichen sollen.

Dank der immer stärker fortschreitenden Digitalisierung kann für Studieninteressierte mit einer Behinderung auch der Weg über ein Fernstudium eine sehr gute Alternative darstellen, um sich für einen Beruf zu qualifizieren. Nicht nur, dass sich Fernuniversitäten immer stärker auf Studierende mit Behinderungen einstellen – auch die Nachteilsausgleiche zählen beim Fernstudium genauso wie bei einem Präsenzstudium.

Nach wie vor ist im Bildungsbereich für junge Menschen mit Behinderung noch viel Luft nach oben. Das sollte jedoch niemanden davon abhalten, aus seinem Berufswunsch Realität werden zu lassen.