Arbeitsplatz mit Kaffeebecher "wework" | © unsplash

Mit der passenden Berufswahl können aus Nachteile Vorteile werden

Für Menschen mit Behinderung gilt der Zugang zum Arbeitsmarkt als wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit. Dabei bringt nicht nur die richtige Berufswahl einen Vorteil mit sich, sondern neben vielen speziellen Förderungen auch die Digitalisierung.

Für fast jede Behinderung steht heutzutage auch ein passendes Hilfsmittel zur Verfügung, um mögliche Einschränkungen zu mindern und den persönlichen Aktionsradius zu erweitern. Nicht immer muss eine Behinderung daher als Nachteil gesehen werden. Je nach Art und Ausprägung kann durch frühes Lernen und dem selbstverständlichen Umgang im Alltag eine Benachteiligung auch ausgeschlossen werden. Wer seine persönlichen Stärken kennt und schätzen lernt, kann einen passenden Beruf finden und am Arbeitsleben teilhaben.  

Gesetzliche Förderungen 

Durch das Schwerbehindertengesetz (SchwbG) ist geregelt, dass bei Vorlage eines Nachweises eine Tätigkeit nur in gewissem Umfang oder einer eingeschränkten Arbeitszeit verrichtet werden darf. Somit kann die jeweilige Behinderung berücksichtigt und der Arbeitsplatz an die individuellen Möglichkeiten angepasst werden. 

Der Gesetzgeber sieht zudem eine finanzielle Unterstützung vor. Einerseits kann die Arbeitsstelle selbst mit den anfallenden Kosten unterstützt werden, andererseits gibt es Fördermöglichkeiten für die Anschaffung oder den Unterhalt von notwendigen Hilfsmitteln. 

Integration von Menschen mit leichten Behinderungen

Das Sozialgesetzbuch regelt außerdem, dass auch Menschen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 30, aber weniger als 50 (Schwerbehinderung) bevorzugt eingestellt werden können. Sie werden in diesem Punkt inzwischen den Menschen mit schweren Behinderungen gleichgestellt. 

Ohne dieses Gesetz wäre es oft schwierig, auf dem freien Markt eine Beschäftigung zu finden, die mit den entsprechend eingeschränkten Möglichkeiten ausgeführt werden kann. Neben den öffentlichen Arbeitgebenden sollen so auch für private Unternehmen zusätzliche finanzielle Belastungen ausgeglichen werden. 

Der Vorteil kreativer Lösungen

Bestimmte körperliche Behinderungen haben zur Folge, dass andere Eigenschaften in einem größeren Maß gefördert werden und besonders ausgeprägt sind. Zusätzlich müssen Menschen mit Behinderungen mit ganz anderen Herausforderungen umgehen als Menschen ohne. Dadurch entsteht eine differenzierte Sicht auf unsere Alltagswelt, die Menschen mit Behinderung oftmals kreativer werden lässt. Eine Fähigkeit, die in der heutigen Arbeitswelt immer mehr nachgefragt wird und so bei der Wahl des Berufes einen großen Vorteil bedeuten kann. 

Besondere Berufe für Menschen mit Sehbehinderung

Für Menschen mit einer Sehbehinderung sind deshalb besonders Tätigkeiten im musischen Bereich denkbar. Hier können sie ihren Vorsprung nutzen und von den besonderen Eigenschaften profitieren. Dank der Möglichkeiten der Brailleschrift ist auch beim Notenlesen und -schreiben für eine entsprechende Alternative gesorgt. 

Junge Frau hört Musik mit Kopfhörern | © pixabay

Menschen mit einer Sehbehinderung können sehr gutes Gehör entwickeln (Foto: pixabay).

Durch das besondere Gehör wäre auch eine Anstellung als Stimmer für Klaviere oder eine Arbeit in einem Tonstudio denkbar. Hier lässt sich der körperliche Vorteil voll ausnutzen. 
Daneben können auch Berufe, bei denen ein besonders feines Händchen gefragt ist von Menschen mit Sehbinderungen ausgeführt werden. Als Masseur*in beispielsweise kann der ausgeprägte Tastsinn dabei helfen, selbst kleinste Verspannungen wahrzunehmen. 

Darüber hinaus gibt es speziell für Frauen noch den spannenden Beruf als medizinische Tastuntersucherin. Dort kommen bei einer Brustkrebsuntersuchung und dem Abtasten nach Knoten sowie verdächtigen Gewebeveränderungen die besonderen Fähigkeiten vollends zur Geltung. Aufgrund der guten Diagnoseleistung ist die Nachfrage nach entsprechend geschultem Personal inzwischen gestiegen. 

Berufsmöglichkeiten für Menschen mit Hörbeeinträchtigung

Grundsätzlich könnten Menschen mit Hörbeeinträchtigungen in jedem Beruf arbeiten. Doch auch für sie ergeben sich besondere Möglichkeiten. Wer der Gebärdensprache mächtig ist, kann mit dieser Fähigkeit in vielen Bereichen punkten. Verschiedene Verbände, Lehreinrichtungen, aber auch Medienanstalten suchen ausgebildete Personen. 

Gebärdensprache | © Jo Hilton / unsplash

Die Fähigkeit zur Gebärdensprache wird immer mehr von Unternehmen, speziell auch im Medienbereich nachgefragt (Foto: Jo Hilton/unsplash).

Sei es als Gebärdensprachdolmetscher*in, im pädagogischen Bereich oder auch bei der Ausbildung anderer hörbeeinträchtigter Menschen – es gibt zahlreiche Berufsfelder, die mit der besonderen Form der Kommunikation zu tun haben. Da die Gebärden sowie das Fingeralphabet international sehr ähnlich sind, fällt die Verständigung auch unter Angehörigen anderer Nationen meist leicht. Auch dies kann in verschiedenen Fällen als Vorteil gewertet werden. Durch die Globalisierung findet mehr und mehr Austausch nicht nur zwischen Unternehmen und Konzernen, sondern auch in vielen anderen Bereichen statt. 

Wichtig ist, dass keine Berührungsängste vorhanden sind. Mit dem notwendigen Selbstbewusstsein, aber auch einem besonderen Maß an Eigeninitiative und Selbstdisziplin kann in vielen Disziplinen Fuß gefasst werden.

Vielfältige Potenziale und Optionen wahrnehmen

Für Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen lassen sich Beschäftigungsmöglichkeiten vor allem auch im Verwaltungsbereich finden. Tätigkeiten, bei denen viel mit Text umgegangen werden muss oder andere Arbeiten am Computer prägen hier den Arbeitsalltag. Viele Berufe im kaufmännischen Sektor wären daher geeignet. 

Hier unterstützen die einzelnen Länder zusätzlich mit eigenen Förderprogrammen, die folgende Schwerpunkte setzen:

  • Beruflichen Orientierung und betriebliche Ausbildung
  • Förderung der Inklusionskompetenzen bei den zuständigen Stellen
  • Leistungen für Aufbau, Modernisierung und Ausstattung für Barrierefreiheit
  • Unterstützung bei außergewöhnlichen Belastungen

Stärken erkennen und Vorteile nutzen

Menschen, die bereits in jungen Jahren mit einer Behinderung konfrontiert waren oder mit Einschränkungen geboren wurden, tun sich im Alltag oft leichter. Weitere Fähigkeiten werden dann meist ganz automatisch besser gefördert und sorgen für einen gewissen Ausgleich. Zusätzlich sorgen die Teilhabe am Arbeitsleben sowie der regelmäßige Austausch mit Menschen ohne eine Behinderung für Akzeptanz und „Normalität“.

Wer seine eigene Behinderung akzeptiert, tut sich leichter, sich auf andere Eigenschaften zu konzentrieren und diese zu trainieren. Auch bei einer körperlichen Einschränkung können alternative Talente und Fähigkeiten vorhanden sein, die einen gewissen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt darstellen und die Chancen auf einen Arbeitsplatz erhöhen. 

Programmier-Code | © unsplash

Wer im Umgang mit digitalen Medien fit ist, kann seine Jobchancen erhöhen (Foto: unsplash).

Thema Digitalisierung

Die Digitalisierung hilft bei der Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Sie stellt dabei aber kein Allheilmittel dar. Denn auch bei den digitalen Medien gilt: Wer sie beherrscht und zu nutzen weiß, kommt der Teilhabe näher. Und gerade hier verzeichnen besonders ältere Menschen mit 21 Prozent ein deutliches Defizit, laut Dr. Bastian Pelka von der TU Dortmund auf einem Impulsvortrag der Aktion Mensch. Dabei kann der sichere Umgang mit den digitalen Medien sowie digitaler Technologie für den Arbeitsmarkt zu ein großen Vorteil werden – nicht erst in Zukunft.