Amputation und Prothese

In Deutschland ist kein Amputationsregister vorhanden. Daher gibt es nur Schätzungen zu den Betroffenenzahlen. Allein an den unteren Extremitäten werden jährlich rund 40.000 bis 60.000 Menschen amputiert. Amputationen an den oberen Extremitäten oder anderer Körperteile sind dagegen seltener (etwa 10.000 im Jahr).

Was wird unter Amputation verstanden?

Eine Amputation bedeutet die Abtrennung eines Körperteils oder eines Organs und führt in der Regel zur Schwerbehinderung - selbst mit Prothesen. Die Amputation ist die Folge von drei möglichen Ursachen:

  • Chirurgischer Eingriff: Weil das betroffene Körperteil nicht erhalten oder wiederhergestellt werden kann, muss es entfernt werden, da sonst aufgrund des absterbenden Gewebes das Leben der Patient*innen in Gefahr wäre.
  • Trauma: Die Amputation ist die Folge eines Unfalls.
  • Bestrafung: In einigen Ländern wird die Amputation als Vergeltungsmaßnahme für eine Straftat praktiziert.
Operation

Eine Amputation ist ein traumatisches Ereignis für Betroffene (Foto: pixabay.com).

Arterielle Durchblutungsstörung als häufigste Ursache

Mehr als 80 Prozent der Beinamputationen haben eine arterielle Durchblutungsstörung als Ursache, die wiederum oft von Diabetes, aber auch von Nikotin ausgelöst wird. Im Gegensatz dazu sind Arm-, Hand- oder Fingeramputationen meistens die Folge eines Unfalls. Weitere Gründe, die zu einer Amputation führen können, sind Tumore, Infektionen oder genetisch bedingte Fehlbildungen.

Ist die Prothese da, beginnt die Physiotherapie

Nach dem Eingriff steht zunächst die medizinische Rehabilitation an erster Stelle. Anschließend beginnt die Physiotherapie, die stationär oder ambulant erfolgen kann. Hier erhalten Betroffene eine prothetische Versorgung, wodurch das entfernte Gewebe funktionell und kosmetisch bis zu einem gewissen Grad ersetzt werden kann.

Durch regelmäßiges Training lernen Betroffene mit der Prothese umzugehen. Ein weiterer Aspekt in der Nachbehandlung ist die psychosoziale Begleitung von Betroffenen, um den Verlust der körperlichen Integrität zu verarbeiten und das Selbstwertgefühl wiederaufzubauen.

Prothesen können amputierte Körperteile zwar teilweise ersetzen, jedoch sind damit häufig auch Schwierigkeiten verbunden. Eine abnehmbare Prothese kann - vor allem in den unteren Extremitäten - zu Stumpfschmerzen führen, wenn diese nicht richtig passt oder der Stumpf über längere Zeit belastet wird. Ein weiteres verbreitetes Problem bei Amputationen ist der so genannte Phantomschmerz. Betroffene verspüren einen Schmerz oder ein Jucken an der Stelle des nicht mehr vorhandenen Körperteils. Diese Beschwerden lassen sich mittels Medikamenten oder verschiedenen Therapien (Spiegeltherapie) teilweise lindern.

Beeinflussung des Lebens durch Amputation

Weil eine Prothese den zu kompensierenden Körperteil nie gänzlich ersetzen wird, kann sich die Amputation je nach Körperteil und Amputationshöhe extrem auf das Leben von Betroffenen auswirken, so dass sie einer Schwerbehinderung gleichkommt. Menschen mit einer Amputation können, sofern die Voraussetzungen erfüllt werden, einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Bei manchen Betroffenen ist zudem eine andere Erkrankung vorhanden, etwa Diabetes oder Krebs, wodurch sich die Chancen auf den Ausweis erhöhen.