Mann und Frau umarmen sich, im Hintergrund ein Sonnenuntergang

Sex mit Inkontinenz

Während des Geschlechtsverkehrs unkontrolliert Urin oder Kot zu verlieren ist eine unangenehme Vorstellung. Um mögliche Peinlichkeiten zu vermeiden, verzichten Menschen mit Inkontinenz häufig ganz auf Sex. Das muss nicht sein: Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Hilfsmitteln, ist Sexualität bei Inkontinenz problemlos möglich.

Impotenz und Inkontinenz hängen nicht kausal miteinander zusammen. Und doch haben inkontinente Menschen häufig Probleme mit ihrer Sexualität. Die Angst, beim Geschlechtsverkehr Urin oder Kot zu verlieren, führt dazu, dass man nicht mehr kann. Dabei gibt es längst Hilfe von Fachpersonal und im Sanitätsfachhandel.

„Zunächst einmal ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Sexualität und Inkontinenz kein Widerspruch sind“, sagt Uwe Papenkordt, Medical Advisor vom Medizinprodukte-Hersteller Coloplast. „Durch die richtige Vorbereitung lassen sich peinliche Situationen gut vermeiden.“

Blasenentleerung und Darmmanagement

Papenkordt rät, rechtzeitig vor dem Liebesspiel die Blase zu entleeren, um einen unkontrollierten Abgang von Urin zu vermeiden. Um den Verlust von Kot möglichst auszuschließen, kann man den Darm spülen. Hierzu gibt es Systeme zur analen Irrigation, die ohne fremde Hilfe einfach anzuwenden sind. Zusätzliche Sicherheit bieten Analtampons, die in den Enddarm eingeführt werden und ein austreten von Kot verhindern. Sie werden von Menschen mit Inkontinenz beispielsweise auch beim Sport oder im Schwimmbad verwendet und ermöglichen ihnen einen unbeschwerten Urlaub.

Hilfe bei Erektionsstörungen

Mit den geeigneten Hilfsmitteln und etwas Vorbereitung ist Sex auch bei Inkontinenz problemlos möglich. Sollten dennoch Erektionsprobleme auftreten, sollten Betroffene Ursachenforschung betreiben. Neben psychischen Faktoren können auch körperliche Faktoren zu einer erektilen Dysfunktion führen. Diese ist aber in den meisten Fällen behandelbar. Um die geeigneten Maßnahmen einzuleiten, sollten Betroffene ärztlichen Rat einholen.

Präparate oder Implantate bei Potenzproblemen

Wenn den Erektionsproblemen eine körperliche Ursache zugrunde liegt, helfen häufig Medikamente, um die Reizbarkeit zu erhöhen und damit ein uneingeschränktes Sexualleben zu ermöglichen. Die Wirkstoffe können in Tablettenform eingenommen werden oder direkt in den Schwellkörper injiziert werden.

Viagra - abgepackte blaue Pillen

Bei Erektionsstörungen können Medikamente eingesetzt werden. Jedoch sollten zuvor mögliche psychische Ursachen abgeklärt werden (Foto: pixabay).

Bringen Potenzmittel nicht den gewünschten Erfolg, können Schwellkörperimplantate eine sinnvolle Alternative sein. Dabei werden Stifte aus Silikon in den Schwellkörper implantiert, die eine Aufrichtung des Penis ermöglichen. Das kann manuell oder durch den Einsatz einer Hydraulik erfolgen. Ob ein Implantat notwendig ist und welche Form den größten Nutzen bringt, entscheidet das urologische Fachpersonal im Einzelfall

Mehr Lebensqualität

Uwe Papenkordt weiß, wie wichtig die richtige Versorgung für Menschen mit Inkontinenz ist, um ihnen ein erfülltes Sexualleben zu ermöglichen. „Das Thema wird immer wichtiger“, sagt der Urotherapeut. „Früher wurden die Probleme häufig totgeschwiegen. Heute weiß man, dass eine gesunde Sexualität zum Leben gehört. Und es wurden eine Menge Hilfsmittel entwickelt, die Menschen mit Inkontinenz ein ungestörtes Sexualleben ermöglichen.“