Eine junge Frau sitzt im Wohnungflur zwischen zwei Wänden und hält ein Buch über ihr Gesicht | © unsplash

Barrierefreies Wohnen während des Studiums

Gerade zu Semesterbeginn besteht immer wieder eine große Nachfrage nach möglichst preisgünstigen und hochschulnahen Wohnungen. Bei Menschen mit Behinderung hingegen schränken zusätzliche Anforderungen bei der Wohnungssuche das ohnehin schon begrenzte Angebot an Wohnraum weiter ein. Ratsam ist daher abermals das frühzeitige Suchen nach einer Wohnung, die die gewünschten Kriterien erfüllt.

Neben den barrierefreien Einrichtungen am jeweiligen Hochschulort können ebenso die behindertengerechten Ansprüche an eine  Wohnung für Studieninteressierte oder Studierende mit Behinderung von großer Bedeutung sein. Entscheidende Kriterien bei der Wohnungssuche sind dabei häufig die Anbindung zum Campus, die hindernisfreie Zugänglichkeit sowie die behindertengerechte Ausstattung einer Wohnung.

Um rechtzeitig vor dem Studienbeginn eine geeignete Wohnung zu finden, ist vorab eine Kontaktaufnahme mit Berater*innen des Studentenwerks für Studierende sowie Studieninteressierte mit Behinderung zu empfehlen.

Wohnheime für Studierende mit barrierefreien Wohnmöglichkeiten

„In den vergangenen zwölf Jahren, seit 2007, ist die Anzahl der öffentlich geförderten Wohnheimplätze um rund 17.000 auf nun 242.740 gestiegen, davon bewirtschaften die Studentenwerke mit rund 194.000 Plätzen ca. 80%“, teilte das Deutsche Studentenwerk (DSW) in der Wohnraumstatistik von 2018 mit. Der Anteil an Wohnplätzen, die von Rollstuhlbenutzer*innen beansprucht werden können, ist im Vergleich zu 2016 (1.816 Wohnplätze) auf 1.581 gesunken. 

Dennoch besagt die statistische Erhebung des Deutschen Studentenwerks auch, dass nur rund jeder zehnte Studierende in Deutschland in einem Wohnheim einzieht. Daher sollten sich gerade Studieninteressierte mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten rechtzeitig beim Studierendenwerk oder auf der Internetseite der Hochschule erkundigen, welche barrierefreien Zimmer oder Wohnungen aktuell zur Verfügung stehen.

Bevorzugung bei der Vergabe von Wohnheimplätzen nutzen

Vielerorts werden Studierende, die auf die Barrierefreiheit von Räumlichkeiten angewiesen sind, bei der Vergabe von Zimmern oder Appartements bevorzugt. Daher sollte bei der zuständigen Wohnheimvermittlung erfragt werden, welche Formalitäten bei der Beantragung des gewählten Wohnraums beachtet werden müssen. 

Außerdem sollte sich danach erkundigt werden, ob gegebenenfalls Nachweise von der Verwaltung eingefordert werden, die eine Behinderung oder chronische Erkrankung schriftlich bestätigen. Sind diese vergleichsweise kleinen Hürden gemeistert, kann eine Bevorzugung beansprucht werden. 

Darüber hinaus ist Menschen mit Behinderung immer eine Begutachtung der Räumlichkeiten der Hochschule und deren Campus zu empfehlen, sofern dies vorab möglich ist. Bei einem Besuch vor Ort kann häufig besser eingeschätzt werden, ob die Zugänglichkeit und die Ausstattung des Zimmers oder der Wohnung den Anforderungen gerecht werden.

Wohnraum mit Assistenz

Je nach Grad der Behinderung kann eine zeitweise oder dauerhafte Assistenz notwendig sein. Dies kann unmittelbare Auswirkungen auf die Wohnungssuche haben, da die Unterbringungsmöglichkeiten einer Pflege- oder Assistenzkraft berücksichtigt werden müssen. So betreut beispielsweise das Studentenwerk Marburg ein integratives Wohnheim, in dem die Mehrzahl der Zimmer zweckmäßig für Rollstuhlbenutzer*innen eingerichtet sind. Dazu wird ein dauerhaftes Pflegeteam bereitgestellt, dass pflegebedürftigen Bewohner*innen bei Bedarf unterstützt.

Tipps für die Suche nach einer eigenen Wohnung

Sollte die Größe eines Zimmers beziehungsweise einer Wohnung in einem Wohnheim für Studierende nicht ausreichend sein oder aus anderen Gründen eine eigene Wohnung bevorzugt werden, kann das Kontaktieren des örtlichen Wohnungsamts nützlich sein. Häufig können die Ämter Wohnungen vermitteln, die in den gängigen Online-Wohnungsbörsen nicht inseriert sind. Eine zusätzlich gute „Adresse“ ist der oder die Behindertenbeauftragte der Stadtverwaltung – da dort Informationen über die örtlichen Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung eingeholt werden können.