ein Assistenzhung gibt einer Person die Pfote | © Andi Weiland/Gesellschaftsbilder.de

Assistenzhunde – Freunde fürs Leben

Wenn der Hund der beste Freund des Menschen ist, dann wird dieses eher freundschaftliche Verhältnis zwischen Vierbeinern und Haltern von den Assistenzhunden noch weit übertroffen. Im Alltag kommen die wenigsten Personen mit Assistenzhunden in Berührung. Aus diesem Grund wissen viele kaum etwas über diese speziell ausgebildeten Tiere.

Nicht jeder Hund kann als Assistenzhund – auch Rehabilitationshund genannt – eingesetzt werden. Zum einen muss das Tier bestimmte charakterliche Eigenschaften erfüllen. Zum anderen sind rechtliche Vorgaben erforderlich, wie zum Beispiel eine entsprechende Versicherung. Dass die Vierbeiner mehr Verantwortung tragen als gewöhnliche Haustiere, wirkt sich auch auf die Absicherung bei einem Unfall oder anderem aus. Sind alle Anforderungen an den Charakter, die körperliche Verfassung, das Alter und die Haltungsbedingungen erfüllt, so kann die Ausbildung beginnen.

Prüfung für Assistenzhunde

Für die Ausbildung der Hunde gibt es keine offiziellen Standards. Das bedeutet in der Praxis, dass sich die Qualifikationen eines Vierbeiners für einen bestimmten Anwendungsfall nur sehr schwer anhand spezieller Papiere oder ähnlichem prüfen lassen. Auch die Prüfungen selbst entsprechen keinen rechtlich gültigen Standards, sondern werden von den Ausbildern festgelegt. Generell muss der Charakter eines Hundes besonders ausgeglichen und freundlich sein, um überhaupt eine solche Ausbildung genießen zu können. Des Weiteren dienen spezielle Testläufe dazu, um herauszufinden, ob ein bestimmter Hund zu einem einzelnen Menschen passt. Hier sind vielmehr die Erfahrung und das Fingerspitzengefühl eines Hundetrainers gefragt, als konkrete, starre Richtlinien.

Allerdings muss nachgewiesen werden, dass der Mensch seinen Hund jederzeit unter Kontrolle hat. Im Zuge einer Prüfung muss außerdem unter Beweis gestellt werden, dass der Vierbeiner alle jene Aufgaben erledigen kann, die mit seiner Funktion einhergehen. Das muss sowohl örtlich als auch zeitlich unabhängig funktionieren. Aus diesem Grund werden Prüfungen zumindest teilweise an Orten ausgeführt, die dem Hund bis zu diesem Zeitpunkt fremd waren. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Österreich, gibt es spezielle Gesetze, an welchen sich die Prüfungen ausrichten.

Verschiedenen Funktionen

Je nach Bedarf erfüllen Assistenzhunde unterschiedliche Aufgaben:

  • Blindenhunde: Sie sind die in der Öffentlichkeit am meisten verbreitete Art. Diese Tiere wurden speziell dazu ausgebildet, um Menschen mit einer Sehbehinderung durch den beruflichen und privaten Alltag zu begleiten.
  • Hunde für Gehörlose: Diese helfen den Haltern speziell bei der Verständigung und zeigen zum Beispiel das Klopfen an der Tür oder das Schreien eines Kindes zuverlässig an. Sie ersetzen das nicht mehr funktionierende Gehör des Menschen, wenn man so will.
  • Medizinischen Signalhunde: Diese unterstützen unter anderem Diabetiker oder Epileptiker in ihrem schwierigen Alltag. Sie zeigen zum Beispiel an, wenn eine Unterzuckerung oder Überzuckerung droht. Die Hunde nutzen bestimmter erlernte Verhaltensweisen, um ihre Halter darauf aufmerksam zu machen, dass akuter Handlungsbedarf besteht. Hunde nehmen bestimmte Symptome unter anderem aufgrund des feinen Geruchssinns früher wahr als Menschen. Deshalb bemerken sie zum Beispiel einen nahenden epileptischen Anfall sofort und können Halter warnen. Zudem werden diese Hunde trainiert, um ihrem Halter oder ihrer Halterin auch während eines solchen Anfalls zur Seite zu stehen.
  • Servicehunde: Diese Hunde führen vor allem einfache motorische Tätigkeiten durch, um Menschen aktiv zu helfen. Sie können Gegenstände für Menschen in einem Rollstuhl aufheben, Lichtschalter bedienen oder Türen öffnen. In dieser Funktion sind sie eine große Stütze für Menschen mit verschiedenen körperlichen Einschränkungen. Zudem fungieren sie als Seelentröster und leisten Gesellschaft.
Nahaufnahme eines Assistenzhundes mit seiner Besitzerin | © Andi Weiland/Gesellschaftsbilder.de

Ein Assistenzhund kann eine große Unterstützung im Alltag sein (Andi Weiland/Gesellschaftsbilder.de).

Assistenz durch Hunde – Verein Vita e.V.

Der Verein Vita e.V. wurde im März 2000 von Tatjana Kreidler nach dem Vorbild der englischen Organisationen „Guide Dogs for the Blind“ und „Dogs for the Disabled“ gegründet. Die Idee des Vereins ist es, körperlich behinderten Menschen mit Hilfe von Assistenzhunden zu mehr Selbständigkeit und Lebensfreude zu verhelfen. Wie das konkret aussieht erklärt Vita e.V. dem Team von EnableMe:

Wir bilden die ausgewählten Hunde speziell für die Assistenz behinderter Menschen aus, führen sie mit körperlich behinderten Menschen zu Teams zusammen und betreuen die bestehenden Teams das ganze Hundeleben lang weiter.

Zudem bildet der Verein auch Servicehunde speziell für körperlich behinderte Kinder aus. Dies erfordert ein sehr behutsames und sensibles Zueinanderführen von Kind und Hund, wobei hier eine Bezugsperson im Hintergrund steht und das Zusammenspiel der beiden lenken und leiten muss. Die Umsetzung des Konzeptes „Servicehunde für Kinder“ hat unsere Erwartungen an die positive Wirkung von Hunden auf Kinder noch bei weitem übertroffen. Kinder öffnen sich einem vierbeinigen Begleiter sehr schnell und akzeptieren einen Hund schon bald als ihren kleinen Partner und treuen Freund und übertragen diese Offenheit auch auf ihre Familie und ihr gesamtes soziales Umfeld.   

Ein sorgfältig ausgebildeter Assistenzhund erfordert eine intensive und aufwändige Ausbildung. Diese Ausbildung - aber auch der normale „Lebensunterhalt“ des Hundes - sind mit Kosten verbunden, die häufig nicht von der zukünftigen Besitzerin oder dem zukünftigen Besitzer allein aufgebracht werden können. In diesen Fällen kann Vita e.V. auch bei der Finanzierung der Hunde helfen. Der Verein selbst finanziert sich über Spenden und ist von der Finanzbehörde als förderungswürdige gemeinnützige Körperschaft anerkannt.