Schreibtisch | © Freddie Marriage / unsplash

Barrierefrei studieren mit einem Fernstudium

In vielen Berufen zählen heute mehr geistige Leistungen, was sie für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen attraktiv machen. Voraussetzung für solche Arbeitsplätze ist aber häufig ein abgeschlossenes Studium. Nicht selten eine Herausforderung für Studieninteressierte mit Behinderung.

Ein Fernstudium ist für Menschen mit Behinderung eine hervorragende Möglichkeit, sich nach der Schule für die berufliche Karriere zu qualifizieren. Dank der Digitalisierung muss man hierbei nicht täglich den Weg zur Universität antreten. Dies kann sich sonst aufgrund von Wetter, Entfernung oder einer Vielzahl anderer Faktoren gerade für Studierende mit eingeschränkten Möglichkeiten als hinderlich erweisen.

Ein weiterer Vorteil eines Studiums von zuhause aus ist die freie Zeiteinteilung. Solange man den Stoff des Semesters innerhalb eines bestimmten Zeitfensters gelernt hat, bleibt es einem selbst überlassen, wann man ihn lernt. Ob morgens, nachmittags oder in der Nacht entscheiden einzig die eigenen Vorlieben und Leistungsfähigkeit, sowie die eigene Disziplin. Denn auch die Dauer einer Lerneinheit wird nicht von den Professor*innen, sondern von einem selbst festgelegt.

Das Internet als zentrales Medium

Sogar der Weg zum Briefkasten entfällt mittlerweile meist. Heutzutage stellt der Postweg für Fernstudierende nur noch eine fast unbedeutende Rolle dar. Zentrales Medium ist das Internet. Hausarbeiten und Tests können während des Semesters per E-Mail an die Professor*innen gesendet werden. Man erhält dann ebenfalls auf digitalem Wege eine Rückmeldung zu seinen Ergebnissen. Zum Austausch unter den Studierenden und mit Lehrkräften werden virtuelle Lernumgebungen angeboten. Hier können teilweise auch direkt Zwischenprüfungen absolviert oder das Lehrmaterial heruntergeladen werden.

Doch nicht alles bei einem Fernstudium ist virtuell. Je nach Universität und Studiengang gibt es einige wenige Präsenzveranstaltungen, zu denen man dann doch die Universität aufsuchen muss. Die Anzahl dieser Anlässe ist jedoch sehr überschaubar und lange im Voraus bekannt. Daher können sie in der Regel auch von Studierenden besucht werden, für die eine solche Veranstaltung mit einigem Aufwand verbunden ist.

Zu solchen Präsenzveranstaltungen zählen üblicherweise auch die Prüfungen am Ende eines Semesters. Da hierbei natürlich kontrolliert werden muss, dass man nicht das Lernmaterial neben sich liegen hat, ist der Besuch der Universität hierfür unvermeidlich.

Prüfungen zuhause ablegen

Einige Lehrstätten haben jedoch auch sogenannte Regionalzentren eingerichtet. So wird den Studierenden unter Umständen eine Anreise durch die halbe Republik erspart. Aber gerade für Menschen mit einer schweren körperlichen Behinderung ist eine Anreise, gleich ob national oder regional, nicht selten mit derartigen Anstrengungen verbunden, dass danach das Ablegen einer Prüfung nicht mehr möglich wäre.

Doch auch hierfür gibt es Lösungen. So bietet beispielsweise die Fernuniversität Hagen an, dass man seine Prüfungen zuhause schreiben kann. Hierfür wird dann ein Amtsträger vor Ort von der Universität verpflichtet, der den oder die Student*in zuhause während der Prüfung überwacht. Natürlich darf man währenddessen auf notwendige Hilfsmittel oder Unterstützung durch Assistenz zurückgreifen. Sämtliche Nachteilsausgleiche, die Studierenden mit einer Behinderung bei einem Präsenzstudium zustehen, gelten auch beim Fernstudium. Dazu zählen zum Beispiel auch Zeitverlängerungen für die Prüfungen.

Barrierefreiheit

Dieses Beispiel zeigt, dass man sich an den Universitäten absolut bewusst ist, dass ein Fernstudium besonders für Menschen mit einer Behinderung eine attraktive Möglichkeit ist, einen Abschluss zu erwerben. Darauf stellt man sich an den Hochschulen auch immer mehr ein. Sei es durch die spezielle, barrierefreie Aufbereitung der digitalen Studienmaterialien oder die entsprechende Einrichtung der Räumlichkeiten.

Klassischer Abschluss oder Fernabschluss?

Die Frage fällt am Ende unter den Tisch. Vielmehr achten Personalverantwortliche darauf, an welcher Universität der Abschluss erworben wurde. 

Während in den Anfangszeiten von Fernlehrgängen die Auswahl noch sehr begrenzt war, gibt es heute ein breites Angebot an Studiengängen, aus denen man auswählen kann. Immer mehr Universitäten erweitern ihr Studienangebot auf die Möglichkeit eines Fernstudiums. Denn schließlich gehören nicht nur Menschen mit Behinderung zur Zielgruppe. Auch Berufstätige, die sich weiterbilden oder beruflich verändern wollen, nehmen die Angebote in Anspruch.


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