Bewegung und Sport mit Behinderung

Sport ist mehr als nur die reine körperliche Betätigung. Mit kaum etwas anderem lassen sich so viele Emotionen verbinden wie mit Sport. Durch Sport werden persönliche Grenzen überwunden, der Charakter entwickelt und das Selbstvertrauen gestärkt. Auch für Menschen mit Behinderung ist die Auswahlmöglichkeit in der Sport- und Freizeitgestaltung groß.

Sportfreundinnen und -freunde mit Behinderung können auf viele Hilfsmittel zurückgreifen und zudem gibt es mittlerweile für fast jede Sportart eine angepasste Form, wie zum Beispiel Sitzfußball oder Blindengolf. Zudem stellen sich immer mehr Freizeitanbieter auf eine barrierefreie Gestaltung der bestehenden Angebote oder speziell gestalteten zusätzlichen Veranstaltungen ein.

Die Auswahl ist groß

Wer frisch von einer Behinderung betroffen ist, mag zunächst denken, dass es für Sporttreiben kaum noch eine Auswahl geben dürfte. Doch bei einer genaueren Betrachtung ergibt sich für die meisten Behinderungen eine Menge an Möglichkeiten für eine sportliche Betätigung. So werden sehr viele Sportarten von Menschen mit Behinderung in gleicher Weise und nach dem gleichen Regelwerk betrieben, wie es aus dem Nichtbehindertenbereich bekannt ist. Andere Sportarten wurden in ihrer Durchführungsform und ihren Regeln an die Behinderung der Sporttreibenden angepasst. Selbst Menschen mit einer Querschnittlähmung finden zum Beispiel im Elektrorollstuhlhockey wieder eine Möglichkeit am Sport teilzunehmen.

Neben der Funktion der Prävention und Rehabilitation ist Sport wichtig für die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Daher sollte auch Kindern und Jugendlichen – ob mit oder ohne Behinderung – bereits frühzeitig vermittelt werden, dass Sport nicht nur gesund ist. Sport beugt zwar Krankheiten vor, aber fördert auch besonders als Team- und Mannschaftssport die sozialen Kontakte.

Neben dem persönlichen Einsatz und der passenden Kleidung sind Menschen mit Behinderung oftmals auf besondere technische Geräte für die Ausübung eines Sports angewiesen.

Frau im Rollstuhl, Behindertensport | © Audi Nissen/unsplash

Auch im Rollstuhl sind viele Sportarten möglich (Foto: Audi Nissen/unsplash).

Aktivität und Ausrüstung im Sport

Da die Menschen ganz unterschiedlich sind, lässt sich auch nicht pauschal sagen, was jede*r Einzelne für sich aus dem Sport zieht. Für die eine Person ist die regelmäßige Bewegung eine schöne Abwechslung zum Alltag, die andere lebt für eine Sportart und betreibt diese als Leistungssport.

Wichtig sind in jedem Fall die richtige Ausrüstung und Kleidung. Für die besonderen Anforderungen in den Sportarten sind Hilfsmittel vorhanden: Verfügbar sind beispielsweise spezielle Rollstühle für Basketball, Badminton oder Tennis, um die bestmöglichen Voraussetzungen in den jeweiligen Sportarten zu gewährleisten. Für jeden Geschmack findet sich die passende Sportart: Fechten, Gewichtheben, Blindengolf oder Yoga sind nur ein Bruchteil der sportlichen Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung.

Vielseitige Möglichkeiten

Die sportliche Vielfalt für Menschen mit Behinderung ist in Deutschland sehr groß. Die Spanne der Ausübenden reicht von ambitionierten Freizeit- bis zu Leistungssportler*innen, die in unterschiedlichsten Sportarten bei Regional-, Europa- oder Weltmeisterschaften sowie bei den Paralympics beachtenswerte Erfolge erreichen. In den letzten Jahren hat sich in Deutschland mit Blick auf die Infrastruktur für den Behindertensport viel getan. Schon das Informationsangebot im Internet ist sehr groß.

So gibt es beispielsweise mit einfach-teilhaben.de einen Internetauftritt mit umfangreichen Informationen - auch zum Sport - und hilfreichen Links. Die Seite wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales betrieben. Es existieren in Deutschland außerdem zahlreiche Verbände und Vereine, die Sportler*innen mit Behinderung vielfältige Möglichkeiten bieten. Allein der Deutsche Rollstuhl Sportverband e. V. organisiert etwa 26 Rollstuhlsportarten. Auch Blindenfußball, Sportverbände für kleinwüchsige Menschen oder für schwerhörige Menschen bieten verschiedenste Aktivitäten für Menschen mit Behinderung.

Gezielte Übungen für Körper und Seele

Um trotz bestehender Behinderung trainieren zu können, stehen zahlreiche Sportgeräte zur Verfügung. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um komplizierte Spezialanfertigungen, sondern um Einrichtungen, die auch Nichtbehinderte nutzen. So können durch

  • Gewichtheben
  • Balanceübungen
  • sensomotorisches Training
  • Lichttherapie

sowohl die allgemeine Fitness als auch gezielte Bereiche angesprochen werden. Wie bei jeder sportlichen Betätigung kommen dabei physische und psychische Komponenten zum Tragen. Auf diese Weise sorgen aktive Menschen mit Behinderung neben körperlicher Betätigung gleichzeitig für seelische Stabilisierung - ein Aspekt, der vor allem bei Behinderungen in Folge von Krankheit oder Unfall große Bedeutung hat.

Breiten- und Freizeitsport

Neben dem wettkampfungebundenen Sport (auch Freizeitsport genannt), kann auch der Breitensport durchaus einen Leistungsvergleich beinhalten. Dieser dann wettkampfgebundene Breitensport orientiert sich entweder an veränderbaren, an den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppe orientierten Wettkampfregeln oder nach allgemein anerkannten Wettkampfregeln. Breitensportturniere, Spiel- und Sportfeste oder auch das Ablegen des Sportabzeichens für Menschen mit Behinderung stellen solche Beispiele für den wettkampfgebundenen Breitensport dar.

Insoweit unterscheidet sich der Breitensport der Menschen mit Behinderung nicht vom Breitensport Nichtbehinderter. Was verstärkt aber hinzukommt ist ein noch größeres Augenmerk auf regelmäßige ärztliche Betreuung, die Stärkung und Erhaltung der verbliebenen Leistungsfähigkeit und der integrative Charakter des Sports.

Weiterhin müssen die angebotenen Sportarten und Sportdisziplinen auf die jeweilige Funktionsstörung angepasst sein. In Behindertensportverbänden stellt die qualifizierte Betreuung durch speziell ausgebildete Übungsleiter*innen im sozialen Umfeld des Vereins sicher, dass der Breitensport von Menschen mit Behinderung einen weiteren Schritt in der Rehabilitation und in der gesellschaftlichen Integration darstellt. Der Breitensport leistet somit einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheitsförderung und zur gesellschaftlichen Teilhabe der behinderten Menschen.

Rollstuhlbasketball | © pixabay

Ob als Freizeit- oder Leistungssport - das Angebot im Behindertensport ist groß (Foto: pixabay).

Behindertensport

Obwohl die Erkenntnisse über den Aufbau des menschlichen Körpers und den Einfluss von Sport seit den Anfängen gezielten Trainings stetig gewachsen sind, gelten Sportler*innen mit Behinderung noch immer als bewundernswert. Der Grund dafür ist, dass der überwiegende Teil ihrer Mitmenschen die körperliche Betätigung als zusätzliche Belastung einstuft. Dabei übersehen sie jedoch, dass die Betroffenen von ihren regelmäßigen Übungen auf vielfache Weise profitieren.

Speziell ausgerichteter Sport bietet Menschen mit Behinderung die Möglichkeit

  • sich gesund zu halten
  • die Leistung der verbliebenen Körperfunktionen zu steigern
  • Eigeninitiative zu zeigen
  • ihre Freizeit zu gestalten
  • Kontakt zu Gleichgesinnten zu pflegen
  • ihr Selbstvertrauen zu fördern

Darüber hinaus trägt das Bewusstsein, über bestimmte Fähigkeiten zu verfügen, maßgeblich zur gesellschaftlichen Integration bei. Sportlich erfolgreiche Menschen mit Behinderung haben nachweislich weniger Hemmung im Umgang mit Nichtbehinderten.

Leistungssport

Zu welchen Leistungen körperlich oder geistig beeinträchtigte Sportler*innen fähig sind, beweist sich durch nichts besser als durch die Austragung der so genannten „Paralympischen Spiele“. Bei den hierbei stattfindenden Wettkämpfen erzielen viele Teilnehmer*innen neben persönlichen Bestmarken Weltrekorde, die ihnen zusätzliche Anerkennung verschaffen.

Mit ihren herausragenden Leistungen haben sich die Leistungssportler*innen mit einer Behinderung hohes Ansehen erworben und eine Menge dazu beigetragen, dass zunehmend in den Medien über Behindertensport berichtet wird.

Der dadurch bedingte gestiegene Bekanntheitsgrad des Behindertensports in der Öffentlichkeit ist aber nicht nur auf die Berichterstattung in Presse und Fernsehen zurückzuführen, sondern wird auch im Selbstverständnis und dem Selbstbewusstsein, mit dem die Leistungssportler*innen ihre Leistungen und ihre Behinderung nach außen hin darstellen, gezeigt.

Der Hochleistungssport der Menschen mit einer Behinderung hatte in den letzten Jahren eine schnelle Entwicklung. Tägliches Training zusammen mit qualifizierten Trainer*innen, die regelmäßige medizinische und physiotherapeutische Betreuung, der Einsatz und die Weiterentwicklung hochwertiger Materialien genauso wie die zunehmende Unterstützung durch Sponsoren sind heutzutage eine absolute Notwendigkeit im Leistungssport der Menschen mit einer Behinderung. Entsprechend erzielen Menschen mit Behinderung Leistungen, die vor wenigen Jahrzehnten vielfach im Sport Nichtbehinderter noch undenkbar gewesen wären.