Eine Flüssigkeit wird in eine Flasche gefüllt.

Behandlung von Krankheiten mit Stammzellen

Die Regenerationsfunktion eines Körpers mithilfe der Stammzellen ist beeindruckend. Forscher*innen gehen davon aus, dass in einigen Jahren viele Erkrankungen mit Stammzellen behandelt werden können.

Die Regenerative Medizin versucht unterschiedliche Krankheiten mit der Wiederherstellung funktionsgestörter Zellen, Gewebe und Organe zu heilen. Dabei werden Stammzellen aus Nabelschnurblut bereits heute erfolgreich eingesetzt. So wurden in North Carolina an der Duke University bereits 300 Kinder mit einer Nabelschnurblut-Reinfusion behandelt.

Erneuerung des Körpers durch Stammzellen

Im Nabelschnurblut befinden sich viele junge, unbelastete Stammzellen. Stammzellen sind Körperzellen, die sich später in verschiedene Zelltypen oder Gewebe ausdifferenzieren können. Sie dienen somit als Baumaterial des menschlichen Körpers. Aus ihnen entwickeln sich verschiedene Zelltypen wie Knochen-, Muskel-, Blut- und Knorpelzellen, Organe und Gewebe. Durch die asymmetrische Zellteilung, wird eine Tochterzelle eine differenzierte Zelle und die andere Tochterzelle bleibt eine Stammzelle.

Wenn Zellen, Gewebe und Organe nicht mehr richtig funktionieren, kann mit körpereigenen Stammzellen Heilung erzielt werden. Diese werden zukünftig auf unterschiedliche Aufgaben geeicht, um geschwächtes Gewebe zu ersetzen oder zu unterstützen. Auf diese Art können in Zukunft unter anderem Rückenmarksverletzungen, Knorpelschäden und Hirnschlag behandelt werden. Meist kommen dabei eigene Stammzellen zum Einsatz. Bei manchen Leukämieformen ist es jedoch besser fremde Stammzellen einzusetzen.

Erwachsene Stammzellen, die besonders häufig im Blut und Knochenmark vorkommen, sind eine lebenslange Quelle für die Erneuerung des Körpers. Durch Teilung entstehen weitere Stammzellen. Durch Differenzierung lassen sich die Zellen spezialisieren.

Mikroskope in einem Labor

Die regenerative Medizin setzt große Erwartungen in die Stammzellenforschung (Foto: Ousa Chea/unsplash).

Große Erwartungen in die Stammzellenforschung

Schon heute werden Stammzellen zur Behandlung von Blutkrebs verwendet. Aktuell gibt es eine Vielzahl von Studien, etwa zur Behandlung eines Hörverlustes, frühkindlichen Hirnschädigungen oder der Stammzelltherapie bei einem Immundefekt. Bis das Verfahren in großem Umfang und bei verschiedensten Krankheitsbildern zum Einsatz kommt, muss die medizinische Forschung zur Stammzelltherapie jedoch noch weiter vorangetrieben und das Zulassungsverfahren in Deutschland durchlaufen werden.

Mediziner*innen gehen davon aus, mit Nabelschnurblut eines Tages verschiedene Krankheiten wie Multiple Sklerose, Rückenmarksverletzungen, Diabetes und Schlaganfall heilen zu können. Außerdem sollen laut Angaben der Ärzt*innen Erkrankungen des Nervensystems wie Parkinson und Alzheimer behandelt werden können.

Stammzellen sind extrem lagerfähig

Das Nabelschnurblut wird unmittelbar nach der Geburt risiko- und schmerzfrei entnommen und bei Temperaturen unter -180 Grad Celsius eingelagert. Auf diese Weise können die Stammzellen ein ganzes Menschenleben aufbewahrt werden und sind bei Bedarf jederzeit kurzfristig einsetzbar.

Flaschen im Labor

Stammzellen können lange Zeit eingelagert werden und bei Bedarf eingesetzt werden (Foto: unsplash).

Behandlungen mit Nabelschnurblut an Kindern

Die Stammzellen für die Therapien stammen hauptsächlich von erwachsenen Patient*innen. In Zukunft werden vermehrt Anwendungen mit Stammzellen aus Nabelschnurblut stattfinden. Vor allem in den USA finden derzeit eine Reihe klinischer Studien statt, in denen Kinder, die an Gehörlosigkeit, zerebraler Kinderlähmung oder frühkindlichen Hirnschäden leiden, mit eigenem Nabelschnurblut behandelt werden.

Stammzelltherapie bei Diabetes und schweren Verletzungen

Die Stammzelltherapie könnte beispielsweise die Lebensqualität von Menschen mit Diabetes deutlich verbessern. Kinder mit jugendlichem Diabetes (Typ-1-Diabetes) wurden in einer klinischen Studie mit eigenem Nabelschnurblut behandelt. So soll die Zerstörung der Zellen, welche Insulin produzieren, durch das Immunsystem aufgehalten werden.

Auch in der Behandlung von Menschen mit großflächigen Hautverletzungen, etwa als Folge von Verbrennungen, könnte die Stammzelltherapie den entscheidenden Fortschritt bringen. Wissenschaftler*innen der Universität Granada haben aus Stammzellen der Nabelschnur künstliche Hauttransplantate entwickelt, die die Versorgung von Verletzungen revolutionieren könnte.