Migräne – Schmerzen im Kopf

Kopfschmerzen sind eine Volkskrankheit, deren Symptome schon so alt wie die Menschheitsgeschichte selbst sind. Sie kommen in unterschiedlichen Formen und Stärken vor. Die Ursachen sind divers.

Eine der häufigsten Kopfschmerzerkrankungen ist die Migräne, von der etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen sind, Frauen dreimal häufiger als Männer. 

Abgeleitet von dem griechischen Begriff „Hemicrania“ (halbköpfig), verrät die Herkunft der Bezeichnung Migräne schon, dass die starken, anfallsartigen und pulsierenden Schmerzen meistens nur an einer Hälfte des Kopfes auftreten. 

Weitere Begleitsymptome im Rahmen eines sogenannten Migräneanfalls können häufig Übelkeit und Erbrechen, sowie Licht- oder Geräuschempfindlichkeit sein. Oft treten Migräneanfälle periodenartig auf.

Migräne als Funktionsstörung des Gehirns

Zwar gilt Migräne als eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die Ursachen sind dennoch nicht abschließend geklärt. Fest steht aber, dass die bei Migräne auftretenden komplexen Funktionsstörungen des Gehirns ein Mosaik aus vielen Teilmechanismen sind.

Mit modernster Forschung ist es gelungen, Theorien zu entwickeln und verschiedene Auslöse-Faktoren festzustellen. Dazu gehören

  • eine zeitweilige erhöhte Empfindlichkeit des zentralen Nervensystems
  • die Freisetzung gefäßaktiver Botenstoffe
  • eine veränderte Übermittlung von Schmerzsignalen im Hirnstamm
  • eine vorübergehende Entzündung von Gefäßen im Gehirn beziehungsweise an den Hirnhäuten

Besonders gereizt wird der fünfte Hirnnerv (Trigeminusnerv). Er leitet die oberflächliche Wahrnehmung der Gesichtshaut, aber auch Schmerzen, an das Gehirn weiter. Aufgrund von Zwillingsstudien und gehäuftem Auftreten der Migräne  in manchen Familien, wird auch Vererbung als Ursache vermutet.

Helle Grafik von Sternenbilden, einem gezeichnetes Gehirn im Querschnitt und einer Frau im Seitenprofil auf dunklem Hintergrund | © Gerd Altmann/ pixabay

Migräne ist ein komplexes Mosaik im zentralen Nervensystem (Foto: Gerd Altmann/ pixabay).

Zahlreiche Auslösefaktoren

Unterschieden werden müssen die Ursachen von den eigentlichen Auslösern – sogenannten „Triggern“ (Schlüsselreize). Die starke Zunahme der Migräne in den Industrieländern in den letzten Jahrzehnten lässt den Schluss zu, dass Umweltfaktoren und Lebensstil eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Migräne spielen. Zu den Schlüsselreizen zählen insbesondere Schlaf, Stress, Lebensmittel und Umweltfaktoren wie Lärm, Kälte, Rauch oder ein Wetterumsturz.

Einer der wichtigsten Triggerfaktoren bei Frauen sind hormonelle Schwankungen. Über die Hälfte aller weiblichen Betroffenen gibt ihren Menstruationszyklus als Auslöser einer Migräne an.

Mann sitzt mit Händen über dem Gesicht auf einem Sofa umringt von offenen Kartons | © Christian Erfurt/ unsplash

Auch Stress kann ein Trigger von Migräne sein (Foto: Christian Erfurt/unsplash).

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz – Migräne erkennen

Wichtig ist die Abgrenzung von Migräne gegenüber anderen Kopfschmerzen, denn bekannt sind über 250 verschiedene Arten. Die Unterscheidung und Einteilung erfolgt von der International Headache Society nach Art und Häufigkeit der Symptome. 

  • Primäre Kopfschmerzen

Darunter fällt die Migräne, ebenso Spannungskopfschmerz oder Cluster-Kopfschmerz. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass die Ursache der Kopfschmerzen nicht eindeutig bekannt ist. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass verschiedenartige Mechanismen im Gehirn selbst zur Entstehung der Kopfschmerzen beitragen.

  • Sekundäre Kopfschmerzerkrankungen

Darunter fällt eine Vielzahl von Kopfschmerzsyndromen. Die Schmerzform tritt als Begleiterscheinung  einer anderen Erkrankung auf. Ursachen für sekundären Kopfschmerz sind zum Beispiel Verletzungen, Tumore, Augenerkrankungen, Bluthochdruck oder auch Zahnfehlstellungen.

  • Andere Kopfschmerzerkrankungen

In der dritten Gruppe finden sich verschiedenartige Kopfschmerzen, deren Entstehung durch ganz spezielle Mechanismen ausgelöst wird.

Unterscheidung Migräne und Spannungskopfschmerzen

Über 90 Prozent aller Kopfschmerzerkrankungen sind Migräne und Spannungskopfschmerzen aus dem Bereich „Primäre Kopfschmerzen“. Um diese beiden Kopfweharten unterscheiden, erkennen und behandeln zu können, hilft ein Blick auf den Schmerzverlauf bei körperlicher Aktivität und auf die Bewältigung des Alltags.

Spannungskopfschmerzen verbessern sich bei einer leichten körperlichen Aktivität, während sich eine Migräneattacke dadurch verschlimmert. Außerdem wird bei Spannungskopfschmerzen ein dumpfer, drückender Schmerz wahrgenommen, der unangenehm ist und als schmerzend empfunden werden kann, aber in den meisten Fällen die Verrichtung von alltäglichen Dingen nicht behindert. Auch treten bei Spannungskopfschmerzen, anders als bei der Migräne,  meist keine Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Lichtempfindlichkeit auf.

Zwar stellt Migräne als eine chronische und unheilbare Erkrankung eine Herausforderung für die Betroffenen da, dennoch kann der Umgang mit Migräne gelernt und so das Leben mit der Kopfschmerzerkrankung erleichtert werden. Die medikamentöse Behandlung und verhaltenstherapeutische Strategien können wichtige Bausteine im Umgang mit Migräne sein.