Mann im Rollstuhl am Strand | © pixabay

Querschnittlähmung (Paraplegie)

Von einer Querschnittlähmung sind in Deutschland ungefähr 140.000 Menschen betroffen. Jedes Jahr kommen etwa 2.400 hinzu – Gründe sind Unfälle und Erkrankungen.

Für die Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers spielt das Rückenmark eine entscheidende Rolle. Es bildet zusammen mit dem Gehirn das Zentrale Nervensystem (ZNS). Das Rückenmark verläuft im so genannten „Spinalkanal“ innerhalb der Wirbelsäule und reicht von oberhalb des ersten Halswirbels bis auf die Höhe des zweiten Lendenwirbelkörpers. Dabei funktioniert das Rückenmark wie eine Leitung, die Reize vom Gehirn an die Muskeln weiterleitet und Informationen wie die Stellung der Gliedmaßen, Temperaturempfinden oder Schmerz von den Muskeln an das Gehirn zurückspielt. Eine Querschnittlähmung bezeichnet eine Kombination von Symptomen, die auftreten, wenn diese Nervenleitung beschädigt ist. Hierzu zählen Lähmungen, Störungen vegetativer Funktionen, Veränderungen der Muskelspannung und -reflexe.

Obwohl viele Menschen mit einer Querschnittlähmung im Rollstuhl sitzen, sind die Einschränkungen, die durch die Schädigung des Rückenmarks auftreten können, nicht auf die Bewegungsfähigkeit begrenzt. Im Rückenmark befinden sich auch Nerven, die für die Steuerung von Organen verantwortlich sind. So hat das Rückenmark beispielsweise auch Einfluss auf Verdauung und Herzfrequenz.

Ursachen

Die Ursache für eine Querschnittslähmung ist die Schädigung des Rückenmarks. Rund 70 Prozent der Betroffenen sind durch einen Unfall querschnittgelähmt. Da das Rückenmark durch einen knöchernen Kanal geschützt ist, wird es meist nicht direkt durchtrennt. Vielmehr sind es gebrochene Wirbelkörper, die die Verletzung verursachen. Deshalb werden Patienten nach einem Unfall stabilisiert – etwa durch eine Halskrause oder eine spezielle Rettungsmatratze. Dadurch soll verhindert werden, dass Wirbel verrutschen oder Splitter das Rückenmark verletzen.

Neben Unfällen kann eine Querschnittlähmung auch durch Entzündungen des Rückenmarkes auftreten, wie sie beispielsweise bei der Kinderlähmung oder Multipler Sklerose mitunter auftritt. Außerdem kann eine Schädigung des Rückenmarks durch einen Tumor und durch einen Bandscheibenvorfall eintreten. Hierbei kommt es jedoch in der Regel nicht zu einer Lähmung des kompletten Skelettsystems.

Ausschlaggebend für das Ausmaß einer Querschnittlähmung ist hierbei vor allem, auf welche Bereiche des Rückenmarks Druck ausgeübt wird und wie lange diese Belastung anhält. Die mangelnde Durchblutung des Rückenmarks (Spinaler Infarkt) kann ebenfalls zu einer Querschnittlähmung führen. Ursache für die Unterversorgung kann beispielsweise ein verengtes Blutgefäß sein. Außerdem können ein lokaler Sauerstoffmangel (Spinale Ischämie), eine spinale Blutung, eine Infektion und die Psychogene Genese Ursachen für eine Querschnittlähmung sein.

Zu den Ursachen der Symptomatik können einige Faktoren hinzutreten, die den Verlauf einer Querschnittlähmung oder deren Regeneration beeinflussen. Hierzu zählen ein "Zelluntergang" in der geschädigten Region (Apoptose), Narbenbildung und Umstände, die die Regeneration von Neuronen verhindern oder erschweren.

Behandlung und Therapie

Wenn das Rückenmark einmal durchtrennt ist, wächst es nicht mehr zusammen. Diese Schädigung kann auch operativ nicht behoben werden. Betroffene können dann nur noch jene Körperteile bewegen, die oberhalb der durchtrennten Stelle des Rückenmarks liegen. Ist die Querschnittlähmung hingegen durch eine andere Erkrankung langsam entstanden, so kann eine frühzeitige Therapie zu einer Besserung und teilweise vollständigen Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit und körperlichen Funktionalität führen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass zumindest Teile der Nerven noch intakt sind.

Um die Ursache einer Querschnittlähmung herauszufinden und damit auch die Behandlungsmöglichkeiten festzulegen, bedient sich die Ärzteschaft verschiedener Diagnoseverfahren. So können Röntgenaufnahmen, Bilder einer Computertomographie (CT) oder eines Magnetresonanztompographen (MRT) Aufschluss über Lage und Ausmaß von Schädigungen des Rückenmarks liefern. Außerdem können Blutuntersuchungen sinnvoll sein, um Entzündungsparameter zu identifizieren. Eine neurologische Untersuchung sollte vorgenommen werden, wenn Schädigungen von Nerven im Gehirn als Ursache einer Lähmung in Betracht kommen.

Röntgenaufnahme eines Oberkörpers | © pixabay

Röntgenaufnahmen können Aufschluss über Lage und Ausmaß von Schädigungen des Rückenmarks liefern (Foto: pixabay).

Schwerbehinderung bei einer Querschnittlähmung

Da die Mehrzahl aller querschnittgelähmten Menschen lebenslang mit den Folgen der Rückenmarksverletzung konfrontiert ist, gelten Betroffene in Deutschland als schwerbehindert. Deshalb haben sie Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis. Damit sind bestimmte Rechte und finanzielle Erleichterungen für behinderte Menschen verbunden, die sich nach dem Grad der Behinderung richten.