eine junge Frau spricht in Gebärden mit Kollegen | © Andi Weiland/Gesellschaftsbilder.de

Gehörlosigkeit am Arbeitsplatz: Tipps für die Teammitglieder

Menschen mit Behinderung sind leistungsfähige und vor allem loyale Mitarbeiter*innen. Viele hörende Menschen sind jedoch unsicher im Umgang.

Ihr Unternehmen hat soeben einen neuen gehörlosen Mitarbeiter oder eine neue gehörlose Mitarbeiterin eingestellt? Menschen mit einer Hörbehinderung gelten als treue Mitarbeiter*innen, trotzdem sind viele Menschen im Umgang unsicher. Mit unseren Tipps werden Sie sicherlich auch bald mit der Situation klarkommen.

Nichthören ist (leider) oft Nichtkommunizieren

Eine Hörbehinderung ist in erster Linie eine Kommunikationsbehinderung. Sprachliche Verständigung sowie Informationsvermittlung erfolgen nach wie vor zu einem Großteil über den akustischen Weg. Und so wird ein Mensch mit Hörbehinderung oft ausgeschlossen – wenn nicht Hilfen in Anspruch genommen werden.

Für berufliche Gespräche können gehörlose Arbeitnehmende Gebärdensprachdolmetscher*innen, Arbeitsassistent*innen oder Telefonvermittlungen in Anspruch nehmen. Des Weiteren werden im Job immer mehr schriftliche Kommunikationsmittel wie E-Mail oder Chatprogramme genutzt, was hörbehinderten Menschen zugutekommt.

Im Beruf kommt dem Zwischenmenschlichen jedoch eine nicht unbeträchtliche Bedeutung zu und der direkte Umgang mit gehörlosen Kolleg*innen will gelernt sein. Denn aufgrund der unterschiedlichen Sprachen, des Hördefizits und der eigenständigen Gehörlosenkultur sollten hörende Chef*innen und Kolleg*innen über einige Dinge Bescheid wissen.

Ablesen ist schwer: Butter statt Mutter

Zur Kommunikation mit gehörlosen Menschen ist zunächst eine ausreichende Beleuchtung und ein angemessener Abstand zu Gesprächspartner*innen – etwa zwischen einem und zwei Metern - vorteilhaft. Beim Gespräch ist es wichtig, die Person anzusehen und den Kopf nicht allzu häufig hin und her zu bewegen, da das Gegenüber von den Lippen ablesen muss. Dennoch, nur etwa ein Drittel des lateinischen Alphabets kann eindeutig abgelesen werden kann. Der Rest muss kombiniert werden.

Sie sollten daher langsam, deutlich und möglichst dialektfrei sprechen - normale Lautstärke reicht vollkommen. Legen Sie öfter Pausen ein und stellen Sie Rückfragen. Wiederholen Sie Nichtverstandenes, wenn nötig mehrfach. Versuchen Sie ansonsten Synonyme zu verwenden oder tippen beziehungsweise schreiben Sie es notfalls auf. Letzteres gilt vor allem für Namen und fremdsprachige oder spezifische Begriffe.

älterer Mann mit dichtem Schnauzbart | © Foto: Daniela Jakob/pixabay

Ein Bart kann die Sicht auf die Lippen verdecken. Ihn zu stutzen könnte hilfreich sein (Foto: Daniela Jakob/pixabay).

Schriftlich kommunizieren hilft

Oft hilft es auch, zu Beginn kurz das Gesprächsthema zu erwähnen das Gegenüber zu bitten, sein Gesagtes zu wiederholen. Vor allem in der ersten Zeit kann dies mühsam und zeitraubend sein. Aber das wird in der Regel mit der Zeit besser, gehörlose Kolleg*innen gewöhnen sich an Sie beziehungsweise Ihr Mundbild und Sie werden immer vertrauter im Umgang miteinander.

Für wichtige Gespräche oder Anweisungen kann es sinnvoll sein, diese schriftlich festzuhalten, indem Sie auf ein Papier schreiben oder indem das Gespräch gleich über E-Mail oder Chat gehalten wird. Das hat zudem den Vorteil, dass der Dialog dadurch auch dokumentiert wird – zum Nachlesen. Zudem können visuelle Elemente die Kommunikation unterstützen, etwa mit Gesten, Bildern oder Zeichnungen.

Weitere Tipps

Wenn Sie gehörlose Kolleg*innen in eine Aufgabe einweisen möchten, vermeiden Sie es, diese verbal zu erklären, während Sie die Tätigkeit vormachen. Es kann schlecht gleichzeitig auf die Handlung sowie auf Ihre Lippen geschaut werden. Besser wäre es, wenn Sie die Aufgabe Schritt für Schritt – je nach Komplexität abwechselnd oder alles in einem Durchlauf – zeigen und erklären. Anschließend lassen Sie die gezeigte Aufgabe wiederholen und kommentieren Sie das Ergebnis, bestenfalls mit einem „Daumen hoch“.

Arbeiten Sie mit gehörlose Kolleg*innen in einem Büro, empfiehlt es sich, den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass diese etwa kommende Personen im Blickfeld haben und nicht von hinten erschreckt werden. Werden sie Sie trotzdem nicht bemerken, reicht ein normales Winken in der Regel aus, um die Aufmerksamkeit zu erlangen. Andere Möglichkeiten sind das Tippen auf die Schulter sowie das An- und Ausschalten des Lichts.

Schulungen für hörende Teammitglieder*innen

Außerdem gibt es Seminare, in denen hörende Mitarbeiter*innen, die besonders oft mit gehörlosen Menschen zusammenarbeiten, im Umgang mit diesen geschult werden. Die Kosten werden in vielen Fällen vom Integrationsamt übernommen.

Wenn Gehörlose die Gebärdensprache beherrschen, zögern Sie nicht, nach dem Fingeralphabet oder nach Gebärden für einfache Konversationen zu fragen, wie zum Beispiel für „Guten Morgen“, „Tschüss“ oder „Danke“. Bei Interesse können Sie Ihre Kenntnisse nach und nach ausbauen und dadurch verbessert sich auch Ihre Kommunikation mit gehörlosen Menschen. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie direkt bei der Person nach, wie er oder sie die eine oder andere Situation am liebsten handhaben würde.