Ein Mann in orangener Jacke hält seine Hände an seine Stirn. Sein Blick ist auf den Boden gerichtet. Im Hintergrund ist ein Wald zu sehen. | © Ron Lach / Pexels.com

Panikattacken: Körper und Geist in Alarmbereitschaft

Rasendes Herz, zitternde Hände, flauer Magen: Wer schonmal große Angst erlebt hat, kennt die Symptome einer Panikattacke. Doch was ist das? Warum befinden sich Körper und Psyche im Ausnahmezustand?

Betroffene erleben während einer Panikattacke ein starkes Beklemmungsgefühl und massive Angst. Nicht immer wird sie von bestimmten Situationen ausgelöst. Leidet jemand unter einer Panikstörung, treten Angstanfälle ohne bestimmten Grund auf. Wurden Angststörungen oder Phobien diagnostiziert, können Panikattacken die Folge einer angstauslösenden Situation sein (hier lesen Sie mehr zum Thema Angststörungen). Betroffene werden von den Symptomen überrascht. Diese können sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein. Nicht selten treten Ängste zusammen mit einer Depression auf.

Körperliche Symptome

Vor allem Herzschlag und Atmung sind während einer Panikattacke anormal. Weil der Körper denkt, er sei in Gefahr, schüttet er die Stresshormone Cortisol und Adrenalin aus. Dadurch verengen sich Blutgefäße, was zu einem schnelleren Herzschlag und flacherem Atem bis hin zu Atemnot führen kann. Diese Symptome sorgen dafür, dass Betroffene Todesängste ausstehen müssen. Weiter tritt starkes Schwitzen, Blässe sowie Zittern auf. Oft wird die Verdauung in Mitleidenschaft gezogen: berichtet wird von Übelkeit, Brechreiz oder Durchfall. Schwindel- und Ohnmachtsgefühle lassen Angstpatient*innen ferner fürchten, gleich das Bewusstsein zu verlieren.

Psychische Symptome

Neben dem starken Gefühl der Angst kann die sogenannte Depersonalisierung auftreten. Betroffene fühlen sich dann verwirrt oder als wären sie nicht ganz da. Bei einer Derealisierung erscheint die Umgebung unwirklich, als würde alles durch Milchglas wahrgenommen werden. Durch die psychischen Symptome wird das Unwohlsein größer und Angstpatient*innen glauben, „verrückt zu werden“. Wie sich Panikattacken anfühlen, lesen Sie im Erfahrungsbericht.

Kreislauf der Angst

Der Verlauf von Panikattacken hängt laut Fachpersonen mit vier zentralen Faktoren zusammen: angstmachenden Gedanken, angstmachenden Gefühle, körperlichen Symptomen und angstaufrechterhaltendem Verhalten. Leiden Betroffene stark unter ihren Panikattacken, geraten sie in einen Kreislauf der Angst. Die sogenannte „Angst vor der Angst“ oder „Erwartungsangst“ sorgt dafür, dass sich Menschen mit Angsterkrankungen aus Furcht vor neuerlichen Attacken zurückziehen (sogenanntes Vermeidungsverhalten). Während den ersten 10 Minuten sind die Symptome einer Panikattacke am heftigsten. Bei den meisten Angstpatient*innen dauert die Attacke ungefähr 30 Minuten. Körper und Geist könnten den Ausnahmezustand nicht viel länger aufrechterhalten. Die Symptome sind kräftezehrend, weshalb sich Betroffene im Anschluss oft müde und erschöpft fühlen.

Behandlung

Verschiedene Therapieformen schaffen bei Angststörungen Abhilfe. Unter anderem mit der kognitiven Verhaltenstherapie sowie der dazugehörigen Expositions- oder Konfrontationstherapie werden gute Ergebnisse erzielt. Unter Anleitung einer Fachperson stellen sich Patient*innen stufenweise ihren Ängsten, um ihr Vermeidungsverhalten abzulegen und besser mit ihrer Krankheit umzugehen. Oft wird der angstauslösenden Situation in einem ersten Schritt in der virtuellen Realität begegnet. Konfrontationstherapien erfolgen einzeln oder in Gruppen. Wichtig ist, dass Betroffene von ausgebildeten Psycholog*innen begleitet werden.

Medikamentöse Behandlung

Da Angststörungen oftmals zusammen mit Depressionen auftreten, können Antidepressiva Abhilfe schaffen. Üblicherweise werden selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) mit stimmungsaufhellender und angstlösender Wirkung verschrieben (mehr Infos zu Antidepressiva). Als Notfallmedikation haben sich stark angstlösende Medikamente wie Benzodiazepine bewährt. Diese sollten wegen ihres hohen Suchtpotenzials nur im äußersten Notfall und nie über längeren Zeitraum angewendet werden.

Eigene Skills entwickeln

Psycholog*innen empfehlen ihren Patient*innen die Aneignung von Skills, die Panikattacken lindern können. Was hilft, ist individuell. Einige Betroffene empfinden physische Reize, wie sie zum Beispiel scharfe Kaugummis auslösen, als hilfreich. Andere schwören auf Duftöle, die entweder anregend (Pfefferminze) oder beruhigend (Lavendel) sein können. Atemübungen, frische Luft und laute Musik können starken Angstgefühlen ebenfalls entgegenwirken. Was am besten hilft, entscheidet jede*r für sich, allenfalls mit der Hilfe ihrer therapeutischen Fachperson.

Das Umfeld leidet mit

Angehörige fühlen sich oft überfordert, wenn das Gegenüber so große Angst verspürt. Aber wie verhält man sich in einer solchen Situation? Die richtige Reaktion gibt es nicht. Denn genauso wie die oben genannten Skills, sind auch die Bedürfnisse von Betroffenen während einer Panikattacke verschieden. Am besten ist es, Sie fragen Ihr Gegenüber direkt, was Sie tun können. Hilft leises sprechen oder ist Schweigen besser? Ist eine Umarmung angebracht oder sollen Berührungen unterlassen werden? Wird die Panikattacke durch eine bestimmte Situation ausgelöst, kann es helfen, Betroffene langsam von dieser wegzuführen. Zudem können Sie versuchen, Angstpatient*innen an ihre Skills zu erinnern. Häufig kommt es nämlich vor, dass diese durch die massive Panik nicht mehr klar denken können und sich nicht mehr an diese erinnern.


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