Chronische Wunden und das Wunder der Wundheilung

Chronische Wunden – in der heutigen Zeit sind sie weit verbreitet. Wie werden sie therapiert und welche Behandlungsformen unterscheiden wir in der Wundheilung?

Was sind die Ursachen von schlecht heilenden Wunden? Wie können sie im Rahmen eines modernen Wundmanagements behandelt werden? Ab wann spricht man von sogenannten chronischen Wunden?

Im Zentrum jeder Wundbehandlung steht der Mensch

  • mit seiner Biographie
  • mit seinen Diagnosen
  • mit seinen Erfahrungen und Erlebnissen 

Ursachen von chronischen Wunden

Zentral ist jedoch die Malnutrition und Malperfusion der Wundgegend. Das heißt, dass das betroffene Areal – meist unterhalb des Knies vom körpereigenen Gefässsystem – nicht ausreichend versorgt wird; etwa so, wie wenn man den Garten bewässern möchte, dabei aber versehentlich „auf dem Schlauch steht“. Arterielle und venöse Durchblutungsstörungen sind oft ein Grund einer chronischen Wunde. Man spricht von einer „chronischen Wunde“, wenn der Hautdefekt mehr als 6-8 Wochen besteht und die Wundheilung nachweislich stagniert. 

Modernes Wundmanagement heißt aber auch, sich Zeit zu nehmen, um den möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen. Diese Ursachenforschung gestaltet sich oft wie Detektivarbeit.

Erörterung am Patienten oder der Patientin

Welche Details der Wunde werden erfasst? 

  • Lage der Wunde am Körper
  • Größe, Länge, Breite und Tiefe der Wunde
  • Geruch
  • Exudat (Wund-Absonderung)
  • Aussehen der Wunde
  • Fotografie der Wunde

Es gilt zuerst die richtige Wundspüllösung (siehe Débris-Arten unten) zu wählen und das geeignete Verbandsmaterial zu bestimmen. Eine interprofessionelle Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin ist essentiell. Für den Wundpatienten oder die Wundpatientin und eine positive Wundheilung ist wichtig, dass alle Beteiligten in einem Boot sitzen und nach demselben Schema behandeln und agieren.

Bepanten und eine andere Creme auf weißem Tisch.

Es ist essentiell eine Wunde täglich gut zu pflegen und zu schützen, um den Heilungsprozess zu fördern (Foto: unsplash).

Feuchte Wundverbände

Die Versorgung akuter oder chronischer Wunden erfordert ein sensibles und auf die Phasen der Wundheilung sorgfältig abgestimmtes Vorgehen mit den entsprechenden Wundverbänden. Dabei geht es darum, eine Infektion der Wunde zu vermeiden und die Wundheilung effektiv, nachhaltig und für den Patienten oder die Patientin schonend, zu fördern. Feuchte Wundverbände schaffen das ideale Milieu für die vielen Prozesse, die den Heilungsverlauf bestimmen. 

Die Phasen der Wundheilung 

Die Wundheilung basiert im Allgemeinen auf den folgenden drei Säulen:

  1. Exsudationsphase

    In dieser ersten Phase laufen Blutgerinnungsprozesse und Gewebeabbau ab. Keime und Bakterien werden durch Makrophagen beseitigt. Hier sondert die Wunde Exsudat (Sekrete, Eiter) ab, welches beim Verbandswechsel abgetragen und entfernt wird. In dieser Phase kann eine Wunde stark riechen. Die Exsudation ist die körpereigene Wundreinigung. Das Exsudat wird vom Verband absorbiert und kann beim Verbandswechsel entfernt werden. Verbände mit absorptionsfähiger Kapazität geben meist Feuchtigkeit in die Wunde ab – dies fördert die körpereigene Zellteilung und somit auch die Wundheilung. Das Wundexsudat einer nicht infizierten Wunde ist wässrig, gelblich und geruchsfrei. Je länger ein Verband eingesetzt wird, umso wahrscheinlicher ist eine Geruchsbildung. Eine Wunde sollte aber zu keiner Zeit übel riechen oder gar stinken. Auch bei gelblichen Belägen, Eiter oder bei Stagnationen im Heilungsverlauf gilt es wachsam zu sein und Wundspezialist*innen oder einen ärztliches Fachpersonal zu Rate zu ziehen.

  2. Granulationsphase

    Das Granulationsgewebe bildet sich, Fibroplasten wandern in die Wunde, die Kollagensynthese beginnt, Kapillaren sprießen in den Wundgrund und die Exsudation nimmt merklich ab (Abtrocknung der Wunde). Granulierendes Gewebe hat die Farbe von Himbeeren: rötlich, gut durchblutet. Eine Granulation kann durch einen Fibrin-Belag und/oder einen Biofilm gehemmt werden.

  3. Epithelierungsphase

    Hier schreitet die Differenzierung und die Epithelisierung des Gewebes voran. Die Wunde heilt sichtlich. Vom Rand einwachsendes Epithelgewebe wächst über die Wunde. Schliesslich setzt die Narbenbildung ein.

Wundreinigung und Débridement

Seit den 90er Jahren hat sich die Nassphase in der Wundreinigung etabliert: Man befeuchtet sterile Kompressen mit einer geeigneten Wundspüllösung – bei einem Infekt mit einem Antiseptikum –und legt diese nasse Kompresse auf die Wunde. Dort wirkt sie 15 bis 20 Minuten. Durch die Feuchtigkeit lösen sich kleinste, abgestorbene Zellstücke. 
Nach dieser Nassphase kommt eine ebenso lange Trockenphase mit sterilen Tupfern. Diese reinigen, trocknen und nehmen Zelltrümmer auf. Danach kann die (gereinigte) Wunde verbunden werden.

Bei Nekrosen, fibrinösem Belag oder Ähnlichem kommt man manchmal um ein chirurgisches Débridement (Wundreinigung) nicht herum. Dieses Débridement ist eine Auffrischung der Wunde bis ins vitale Gewebe. Es handelt sich um eine ärztliche Tätigkeit, die nicht delegiert werden kann. Unter Analgesie (örtlicher Betäubung) wird avitales Gewebe abgetragen, teilweise bis es blutet. Je nach Komplexität findet dieser Vorgang unter sterilen Bedingungen auch im Operationssaal statt. Auch sorgen moderne Wundauflagen wie Hydrofasern oder Alginate für eine Reinigung des Wundgrundes.

Medizinische Instrumente in einer Schublade

Spezielle Instrumente sind in der Wundheilung unerlässlich (Foto: unsplash).

Wundverschluss

Manche akute Wunden (zum Beispiel nach Operationen oder chirurgischen Eingriffen) können aktiv mittels Klammern, Nähten und/oder Fibrinkleber verschlossen werden.  
Sekundäre Wunden müssen oft von selbst zuheilen.

Wundverband

Ein Verband besteht im Allgemeinen aus einer Auflage mit Kontakt zum Wundgrund, einer absorbierenden (saugfähigen) Zwischenschicht, die beispielsweise Sekret aus der Wunde aufnimmt, und einer Abdeckung mit dem Ziel der Fixierung, des Schutzes und des feuchten Wundklimas.

Wir unterscheiden eine trockene Wundbehandlung (mittels Kompressen, Pflaster oder Mullbinden; heute eher veraltet) und eine feuchte Wundbehandlung (mittels modernen Wundfüllern, Hydrokolloidverbänden, Schaumverbänden oder Folien).  
Die Verbandswechsel können alle 2 bis 7 Tage stattfinden – somit hat die Wunde Ruhe zu heilen.