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Jenseits der Realität: Die Facetten von Schizophrenie

Wir tauchen ein in die faszinierende und dennoch rätselhafte Welt der Schizophrenie. Eine komplexe psychische Störung, die schon lange Forscher*innen, Mediziner*innen und Betroffene gleichermaßen in ihren Bann zieht. Die Schizophrenie zeigt sich in einer Vielzahl von Facetten, von verwirrten Gedanken und Halluzinationen bis hin zu emotionaler Taubheit und sozialer Isolation. Trotz der Herausforderungen, die Schizophrenie mit sich bringt, gibt es Grund zur Hoffnung. Fortschritte in der Forschung haben zu einem besseren Verständnis dieser Krankheit geführt, was zu innovativen Behandlungsansätzen und einer verbesserten Lebensqualität für Betroffene beiträgt.

Definition: Was ist Schizophrenie?

Schizophrenie ist eine komplexe psychische Störung, die sich durch gestörte Gedankenprozesse, unangemessene Emotionen, Halluzinationen, Wahnvorstellungen und einen beeinträchtigten Bezug zur Realität auszeichnet. Betroffene können Schwierigkeiten haben, zwischen eigenen Gedanken und äußeren Reizen zu unterscheiden, was zu Verwirrung und sozialer Isolation führen kann.

Schizophrenie oder dissoziative Persönlichkeitsstörung?

Fälschlicherweise wird Schizophrenie oft mit der dissoziativen Identitätsstörung, früher auch multiple Persönlichkeitsstörung, verwechselt. Bei dieser übernehmen verschiedene Persönlichkeitszustände abwechselnd die Kontrolle über das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen. Die Schizophrenie ist jedoch weder eine Persönlichkeitsstörung noch eine Persönlichkeitsspaltung. Vielmehr wird die Krankheit durch eine Kombination aus Stoffwechselstörungen im Gehirn, genetischen Veranlagungen und traumatischen Erlebnissen ausgelöst.

Facetten der Schizophrenie

In der Psychiatrie wird von vier verschiedenen Krankheitsformen gesprochen.

  1. Die am häufigsten auftretende ist die paranoide Schizophrenie. Circa 65 Prozent aller Betroffenen leiden unter dieser Form, bei der die Hauptsymptome Wahnvorstellungen, Verfolgungswahn und Misstrauen sind. Auch Abstammungswahn kommt vor. So können Patient*innen zum Beispiel felsenfest davon überzeugt sein, zur englischen Königsfamilie zu gehören, egal, wie viele Beweise dagegen sprechen.
  2. Bei der hebephrenen Schizophrenie treten vermehrt die sogenannten Negativsymptome auf. Vor allem das Gemütsleben ist betroffen, die Stimmung verflacht und Betroffene verhalten sich der Umgebung gegenüber unpassend oder wirken gekünstelt.
  3. Die katatone Schizophrenie betrifft sowohl Körper als auch Psyche. Der psychische und motorische Zustand wechselt zwischen Erregung und Erstarrung. Außerdem kommt es vor, dass Betroffene Befehle wie automatisch befolgen, sich partout weigern dies zu tun oder genau das Gegenteil des von ihnen verlangten ausführen. Die katatone Schizophrenie kommt in den Industrieländern kaum noch vor, in anderen Ländern außerhalb Europas und Nordamerikas, vor allem in Entwicklungsländern, ist sie aber noch immer verbreitet.
  4. Besonders schwer zu diagnostizieren ist die Schizophrenia simplex. Die Betroffenen leiden vor allem unter Antriebsminderung, wirken untätig und es fällt ihnen schwer, sich sozial einzufügen. Halluzinationen und/oder Wahnvorstellungen treten bei dieser Schizophrenie-Form selten auf.

Symptome bei Schizophrenie

Die Symptome einer Schizophrenie werden in zwei Bereiche eingeteilt. Baut ein Betroffener oder eine Betroffene psychische Fähigkeiten ab, sprechen Fachpersonen von Negativsymptomen. Wird die Realität der Patient*innen um Halluzinationen quasi „erweitert” handelt es sich um Positivsymptome.

Negativsymptome:

  • Antriebslosigkeit
  • Sozialer Rückzug
  • Depression
  • Teilnahmslosigkeit
  • Gefühlsarmut
  • Denkstörungen
  • Ich-Störungen

Positivsymptome:

  • Halluzinationen, die alle Sinne betreffen können
  • Wahnvorstellungen
  • Realitätsstörungen
  • Gereiztheit
  • Denkstörungen

Auf dem Bild sind Baumkronen zu sehen, die in den Himmel ragen. Das Bild ist verzerrt. | © Pixabay.com Realitätsverlust ist ein häufiges Symptom der Schizophrenie. (Pixabay.com)

Ursachen von Schizophrenie

Bis jetzt wissen wir nicht genau, wie Schizophrenie entsteht. Es sieht so aus, als ob verschiedene Dinge wie unsere Gene, die Umwelt um uns herum und unsere Lebensgeschichte zusammenkommen, um diese Krankheit zu beeinflussen und sie über die Zeit hinweg bestehen zu lassen:

  • 1

    Genetische Faktoren

    Wenn in einer Familie schon mal jemand Schizophrenie hatte, kann das Risiko höher sein, dass andere Familienmitglieder auch daran erkranken. Zum Beispiel haben etwa die Hälfte der Kinder von Menschen mit Schizophrenie Probleme mit der Psyche, und bei rund 12 von 100 dieser Kinder tritt später tatsächlich Schizophrenie auf.

  • 2

    Biochemische Faktoren

    Das Gehirn hat viele kleine Nerven-Zellen, die miteinander sprechen, indem sie spezielle Stoffe verwenden. Wenn diese Stoffe nicht richtig ausbalanciert sind, kann das dazu führen, dass die Informationen im Gehirn durcheinandergeraten. Das kann zusammen mit anderen Dingen die Probleme verursachen, die bei Schizophrenie auftreten. Eine von diesen Stoffen, die dabei eine wichtige Rolle spielen, ist das Dopamin.

  • 3

    Soziale Faktoren

    Früher dachte man, dass spezielle Familienbeziehungen, wie man erzogen wurde, oder schwierige Dinge im Leben die Ursache von Schizophrenie sein könnten. Aber Forschung hat dies bereits widerlegt. Was allerdings Einfluss darauf haben kann, ist der Umgang innerhalb der Familie. Auch Dinge wie Umzüge, neue Beziehungen oder Probleme im Job sollten nicht außer Acht gelassen werden. Diese Dinge sind nicht die Hauptursache, aber sie könnten die Anzeichen von Schizophrenie stärker machen oder dazu führen, dass die Krankheit schlimmer wird.

Diagnose einer Schizophrenie

Die Diagnose von Schizophrenie kann aufgrund ihrer vielfältigen Erscheinungsformen herausfordernd sein, besonders in den frühen Stadien. Ärzte und Ärztinnen verwenden Gespräche mit den Betroffenen und ihren Angehörigen, um die auftretenden psychotischen Symptome zu verstehen.

Um sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um Schizophrenie handelt, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, wie beispielsweise seltsame Gedanken, Halluzinationen oder Wahnvorstellungen. Es ist auch wichtig, andere mögliche Ursachen für ähnliche Symptome wie Hirnerkrankungen oder den Einfluss von Drogen auszuschließen.

Die Unterscheidung von anderen psychischen Störungen wie Depression, Bipolarer Störung oder Persönlichkeitsstörungen ist ebenfalls ein wichtiger Schritt in der Diagnostik. Durch eine gründliche Diagnose kann der Arzt oder die Ärztin ein besseres Verständnis für die individuellen Symptome entwickeln und eine geeignete Behandlung empfehlen.

Verlauf und Prognose

Die Krankheit ist sehr individuell und kann je nach Form unterschiedlich auftreten. So verläuft die Schizophrenie bei einigen Betroffenen, ähnlich wie Multiple Sklerose (MS), in Schüben, bei anderen jedoch nicht. Ist ersteres der Fall, sind meist drei Episoden zu beobachten.

Die Vorphase, auch Prodromalphase genannt, zeichnet sich durch emotionale Empfindlichkeit, Angespanntheit oder Interessenverlust aus. Auch sozialer Rückzug und eine Fehleinschätzung der Wirklichkeit können einen Schub ankündigen.

In der zweiten, also akuten Phase treten Symptome wie Halluzinationen, Stimmenhören und Verfolgungswahn auf. Durch den Realitätsverlust legen die Betroffenen für ihr Umfeld nicht nachvollziehbare Verhaltensweisen an den Tag.

In der dritten Phase bilden sich die Symptome zurück und es kommt zu Antriebsmangel, Gefühlsarmut und Suizidalität. Die verschiedenen Episoden können unterschiedlich lang und intensiv sein, ein Verbleiben in einer Phase ist möglich.

Die verschiedenen Formen von Schizophrenie gehen oft mit Begleiterkrankungen einher, sogenannte Komorbidität. Am häufigsten treten Depressionen und Angststörungen auf. Da die Betroffenen versuchen, ihre Symptome mit Alkohol oder Drogen zu lindern, sind Suchterkrankungen keine Seltenheit.

Schizophrenie ist grundsätzlich nicht heilbar. Betroffene können aber lernen, mit der Krankheit umzugehen und Symptome durch konsequentes Befolgen des Behandlungsplans zu linden. Unerlässlich ist für viele Patient*innen zum Beispiel die Einnahme von Medikamenten, um einen Rückfall vorzubeugen sowie Rehabilitationsmaßnahmen, um ihre kognitiven Fähigkeiten zurückzubekommen und ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Weiter wird berichtet, dass sich ein stabiles soziales Umfeld, wenig Stress und genügend Schlaf positiv auf die Erkrankung auswirken kann. Menschen mit Schizophrenie sind, je nach Verlauf, fähig, zu arbeiten, interessanten Hobbys nachzugehen und Beziehungen zu führen.

Behandlung von Schizophrenie

Zur Linderung der Positiv- und Negativsymptomatik bietet sich eine medikamentöse Behandlung an. Diese besteht, je nach Krankheitsform, aus starken Beruhigungsmitteln, Antipsychotika und/oder Antidepressiva. Besonders Zweitere können psychotische Symptome wie Halluzinationen unterdrücken, da sie den Stoffwechsel der beteiligten Botenstoffe im Gehirn beeinflussen. Selbst bei optimaler Dosierung tritt eine Besserung der psychotischen Beschwerden oft erst nach einigen Wochen ein. Daher sollte die Wirkung über längere Zeit beobachtet werden. Haben die Symptome nachgelassen, wird die Dosis in kleinen Schritten reduziert, sogenanntes Ausschleichen. Wichtig ist, dass die medikamentöse Behandlung ausschließlich in Absprache mit Psychiater*innen stattfinden und auch von ihnen überwacht wird.

Die Gabe von Tabletten geht meist Hand in Hand mit einer Psychotherapie. Problematisch ist bei der Krankheit Schizophrenie jedoch, dass den Patient*innen während eines Schubes die Krankheitseinsicht fehlt. Das heißt, sie merken nicht, dass sie sich anders verhalten als sonst und sehen sich selbst nicht als psychisch krank an. Die Folge davon ist eine fehlende Patienten-Compliance, also die mangelnde Mitarbeit bei der Behandlung, was mit ein Grund für die häufige, zeitlich begrenzte Unterbringung von Betroffenen in stationären Psychiatrien ist.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten sind die Psychoedukation oder die Soziotherapie.

Bei einer Psychoedukation lernen sowohl Betroffene als auch ihre Familienmitglieder alles Notwendige über die Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und den Umgang mit der Krankheit. Diese Schulungen bieten außerdem die Chance, sich mit anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, auszutauschen.

Die Soziotherapie bietet unterschiedliche Programme, die unterstützen können, wieder in das Arbeitsleben und die soziale Gemeinschaft zurückzufinden, um ein unabhängiges Leben zu führen. Dies kann auch dazu beitragen, die Krankheitssymptome zu verringern.

Anlaufstellen – Hier finden Sie Hilfe

Eine erste geeignete Anlaufstelle ist die Telefonseelsorge. Sie bietet Unterstützung bei akuten Problemen und vermittelt auch weitere Hilfen.

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar: 0800 / 1110111 oder 0800 / 1110222.

Darüber hinaus stehen verschiedene Beratungsangebote zur Verfügung.

Eine praktische Therapeutensuche finden Sie auf der Internetseite der Bundespsychotherapeutenkammer. Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen helfen, einen Termin in einer fachärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis zu bekommen.

Tipps für den Umgang mit Schizophrenie

Den Umgang mit Schizophrenie zu bewältigen, erfordert Einfühlungsvermögen, Wissen und Geduld. Hier sind einige Tipps, die sowohl für Betroffene als auch für Angehörige hilfreich sein können:

  1. Bildung und Verständnis: Informieren Sie sich ausführlich über Schizophrenie, um die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten zu verstehen. Dies hilft, Vorurteile abzubauen und eine unterstützende Umgebung zu schaffen.
  2. Professionelle Hilfe: Suchen Sie frühzeitig professionelle Unterstützung. Ein*e erfahrene*r Psychiater*in oder Psycholog*in kann eine genaue Diagnose stellen und eine angemessene Behandlungsstrategie entwickeln.
  3. Medikamente und Therapie: Die richtige Medikation und Psychotherapie sind oft entscheidend für die Behandlung von Schizophrenie. Halten Sie regelmäßige Termine mit dem Therapeuten oder der Therapeutin ein und nehmen Sie Medikamente wie verschrieben.
  4. Unterstützendes soziales Netzwerk: Betroffene benötigen Unterstützung von Familie und Freunden. Ein unterstützendes Umfeld kann den Heilungsprozess fördern und das Wohlbefinden verbessern.
  5. Kommunikation: Offene Kommunikation ist essenziell. Sprechen Sie über Ängste, Bedenken und Fortschritte. Hören Sie aufmerksam zu, um die Perspektive des Betroffenen zu verstehen.
  6. Stressmanagement: Stress kann Symptome verschlimmern. Helfen Sie Betroffenen, Stress abzubauen, indem Sie gemeinsam Bewältigungsstrategien wie Entspannungsübungen, Meditation oder kreative Aktivitäten finden.
  7. Realistische Erwartungen: Setzen Sie realistische Ziele und Erwartungen für den Alltag. Kleine Fortschritte sind genauso bedeutsam wie große Erfolge.
  8. Gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und Vermeidung von Alkohol und Drogen können das Wohlbefinden unterstützen.
  9. Krisenplan: Erstellen Sie einen Notfallplan für den Fall, dass Symptome sich verschlimmern. Wissen Sie, welche Schritte im Notfall zu unternehmen sind, um die Sicherheit zu gewährleisten.
  10. Geduld haben: Der Heilungsprozess bei Schizophrenie kann Zeit in Anspruch nehmen. Haben Sie Geduld und glauben Sie an die Möglichkeit der Besserung.

Jeder Mensch ist einzigartig, daher ist der Umgang mit Schizophrenie individuell. Ein ganzheitlicher Ansatz, der medizinische, therapeutische, soziale und persönliche Aspekte berücksichtigt, ist entscheidend, um Betroffenen zu helfen, ein erfülltes Leben zu führen.

Austausch mit anderen Betroffenen

Auch der Austausch mit anderen Betroffenen oder Angehörigen kann helfen. Melden Sie sich kostenfrei in unserer Community an und treten Sie mit anderen Menschen in Kontakt.

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