eine umgestoßene Kaffeetasse liegt auf Zeitschriften | © pixabay.com

Umschulung nach Arbeitsunfall – Definition und Möglichkeiten

Ein Arbeitsunfall kann sehr dramatisch sein und Auswirkungen auf den gesamten Lebenslauf haben. Doch mit der richtigen Umschulung können Sie Ihr Leben wieder auf einen Beruf ausrichten und eine sinnstiftende Aufgabe finden.

Was ist ein Arbeitsunfall?

Ein Arbeitsunfall ist laut gesetzlicher Definition jede von außen auf den Körper der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers einwirkende, körperliche Verletzung, die infolge eines Ereignisses während der Ausübung der Tätigkeit und unvorhergesehen durch diese Tätigkeit entstanden ist. Auch wenn Sie auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause einen Unfall erleiden, wird dieser als Arbeitsunfall gewertet. 

Für die Behandlung der Folgen eines Arbeitsunfalls sind die Berufsgenossenschaften zuständig. Diese treten zusammen mit der Rentenkasse auch als Förderer auf, wenn es um eine berufliche Neuorientierung geht, wenn der Unfall, die Weiterbeschäftigung im alten Beruf nicht mehr möglich macht. 

Übrigens: Auch wer aufgrund eines Burnouts oder einer Berufserkrankung arbeitsunfähig ist und beruflich umsatteln muss, sollte sich hier informieren. Es gelten hier durchaus die gleichen Regeln, außer dass die Leistungserbringer ggf. andere sind (Krankenkasse, Rentenkasse, Arbeitsagentur, Jobcenter).

Folgen eines Arbeitsunfalls für Betroffene

Ein Arbeitsunfall hat für den Betroffenen oft weitreichende Folgen. Zunächst einmal ist da natürlich die körperliche Verletzung, die in manchen Fällen sogar lebensbedrohlich sein kann. Aber auch wenn die körperlichen Folgen eines Arbeitsunfalls nicht so schwerwiegend sind, können sie dennoch sehr belastend sein. Viele Betroffene haben beispielsweise Schmerzen oder Einschränkungen in ihrer Beweglichkeit.

Auch die psychischen Folgen eines Arbeitsunfalls können sehr belastend sein. Diese können sich beispielsweise in Form von Angstzuständen und/oder Depressionen äußern. Auch Schuldgefühle können auftreten, oder das Gefühl, dne job nicht mehr richtig ausübern zu können. Dies kann schlimmstenfalls sogar dazu führen, dass Sie Ihren Job verlieren oder dass sie beruflich deutlich zurückgestuft werden.

Die finanziellen Folgen eines Arbeitsunfalls können ebenfalls gravierend sein. Oft sind Betroffene eine längere Zeit arbeitsunfähig und haben dadurch kein Einkommen mehr. Auch die Krankenkassenbeiträge und andere Kosten können eine große Belastung sein, falls Sie nicht fest angestellt ist. Sind körperliche oder psychische Einschränkungen so groß, dass eine Rückkehr an den alten Arbeitsplatz nicht mehr möglich ist, bieten Umschulungen eine Chance, um wieder in das Berufsleben integriert zu werden.

Umschulung – was heißt das?

Eine Umschulung ist eine berufliche Weiterbildung, die darauf ausgerichtet ist, den Teilnehmer*innen neue Fertigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, die für ihren neuen Beruf notwendig sind. Oft wird eine Umschulung auch dann in Betracht gezogen, wenn ein*e Arbeitnehmer*in den bisherigen Beruf aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr ausüben kann.

Viele Menschen denken, dass eine Umschulung gleichbedeutend mit einer neuen Ausbildung ist. Das stimmt jedoch nicht ganz. Eine Umschulung ist eine Weiterbildung, die aufgrund eines beruflichen Umfeldwechsels, einer Erkrankung oder eines Arbeitsunfalls notwendig wird. Die Umschulung kann entweder in Voll- oder Teilzeit erfolgen und richtet sich individuell nach den Bedürfnissen der Umschülerin oder des Umschülers. Was beide gemeinsam haben, ist, dass es sie im dualen System gibt und sie in anerkannten Berufsabschlüssen münden.

Dauer der Umschulung

Eine Umschulung kann einige Zeit in Anspruch nehmen. In der Regel dauert sie zwei Jahre. Dabei ist es wichtig, die Umschulung so gut wie möglich zu absolvieren, damit nach Abschluss der Umschulung eine gute Chance besteht, einen neuen Job zu finden. Die Verkürzung der Zeit, die besondere Situation nach einem Arbeitsunfall und oft auch der Verlust der Lern-, Konzentrations- und Merkfähigkeit, die im Laufe des Lebens bei eintritt, kann es Umschüler*innen erschweren, die Lerninhalte zu erfassen. Hier kann es umschulungsbegleitende Hilfen geben, die einen guten Abschluss ermöglichen sollen. 

Übrigens ist es auch möglich, online an Umschulungen teilzunehmen, was vor allem Personen entgegenkommt, die stark in der Beweglichkeit eingeschränkt und auf Barrierefreiheit angewiesen sind. 

Finanzierung der Umschulung

Wer aufgrund eines Arbeitsunfalls den bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können, hat ggf. Anspruch auf eine finanzielle Unterstützung für die Umschulung. Diese wird in der Regel durch die Berufsgenossenschaft oder die Rentenversicherung übernommen. Auch die Arbeitsagentur oder das Jobcenter können eine Umschulung finanzieren. 

Wer bereits solange krankgeschrieben ist, dass er oder sie ausgesteuert wurde, ist ohnehin Kund*in bei der Arbeitsagentur, selbst wenn das Arbeitsverhältnis noch besteht. Dort kann ein Antrag auf Förderung gestellt werden. Die Institutionen schließen sich ggf. untereinander kurz, wer die Kosten übernimmt und ob sie untereinander etwas ausgleichen. 

Andere Weiterbildungsmöglichkeiten bezahlt bekommen

Eine Umschulung ist eine Hausnummer. Sie kostet Geld und vor allem Zeit. Zeit die Menschen nach einer langen Genesungsphase nicht unbedingt investieren wollen oder können, vor allem wenn weitere Familienmitglieder da sind, die von finanziellen Engpässen und veränderten Lebensbedingungen betroffen wären. Immerhin kann neben der Teilnahme an einer Umschulung meist nicht gearbeitet und anderweitig Geld verdient werden.

Es gibt auch tolle berufliche Weiterbildungen, die nicht so lange dauern und ebenfalls förderfähig sind. Hier greift das Qualifizierungschancengesetz. Das Qualifizierungschancengesetz (QCG) ist ein Gesetz, das besonders für Arbeitnehmer*innen gilt, die nach einem Arbeitsunfall oder einer Erwerbsminderung ihren Job verloren haben. Ziel des Gesetzes ist es, diesen Arbeitnehmer*innen eine neue Chance auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, werden Betroffenen finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, damit sie eine berufliche Weiterbildung absolvieren können. So sollen sie die Möglichkeit erhalten, sich für einen neuen Job qualifizieren zu können.

Wer hat Anspruch auf die finanziellen Mittel?

Grundsätzlich haben alle Arbeitnehmer*innen Zugang zur Förderung beruflicher Bildung, also die Mittel, die nach dem QCG bereitgestellt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der oder die Arbeitnehmer*in mindestens 35 Jahre alt ist und den Job aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Erwerbsminderung verloren hat. Auch Arbeitnehmer*innen, die in den letzten zwei Jahren vor dem Verlust ihres Jobs bereits längere Zeit arbeitslos waren, haben Anspruch auf die Mittel.

Wie hoch ist die Förderung?

Die Höhe der Förderung richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen der Arbeitnehmer*innen. So kann die Förderung beispielsweise bis zu 80 Prozent der Kosten für eine Umschulung oder Weiterbildung übernehmen.

Auch andere Maßnahmen, die darauf abzielen, Arbeitnehmene wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, können gefördert werden. Dazu gehören beispielsweise Maßnahmen zur Stabilisierung des Einkommens während der Umschulungsphase oder zur Kinderbetreuung während der Weiterbildung.

Unter besonderen Bedingungen sind auch Förderungen bis zu 100 Prozent möglich, beispielsweise wenn es darum geht, Menschen mit Schwerbehinderung wieder in den Beruf zu integrieren.


Wir bedanken uns bei WBS Training für die Bereitstellung dieses Artikels.


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