Ein freundliches Gespräch auf Augenhöhe ist wichtig in der Kommunikation mit dementen Personen. | © pexels

Tipps für die Kommunikation mit Personen mit Demenz

Mit dementen Menschen zu kommunizieren kann im Verlauf der Erkrankung für Pflegende und Angehörige immer herausfordernder werden. Doch eine wertschätzende, achtsame Haltung und richtige Kommunikationsstrategien für Gespräche mit Personen, die an Demenz erkrankt sind, sind erlernbar.

Dabei ist es wichtig, dass sich Bezugspersonen ihren eigenen Kommunikationsstil bewusst machen und auf diesen achten. Durch die Beachtung von einfachen Prinzipien in der Kommunikation mit Betroffenen kann das gegenseitige Verständnis wesentlich gebessert werden. Angehörige, Betreuungspersonen und Pflegekräfte, aber natürlich auch die Personen mit Demenz profitieren davon.

Lesen Sie hier 10 Tipps, was Sie bei der Kommunikation mit Personen mit Demenz beachten sollten – für einen gelingenden und wertschätzenden Austausch:

  1. Zugewandte Begegnung auf Augenhöhe

    Sprechen Sie Personen mit Demenz von vorne an indem Sie die Person beim vollen Namen nennen und versuchen direkten Blickkontakt herzustellen. Stellen Sie so sicher, dass sich Ihr Gegenüber angesprochen fühlt. Bewusstes Zuwenden unterstützt eine respektvolle Begegnung auf Augenhöhe. Dafür kann es zum Beispiel empfehlenswert sein, sich neben die Person zu setzen. Falls Sie merken, dass die Person Sie nicht (mehr) erkennt, dann stellen Sie sich vor.

  2. Vermittlung von Ruhe und Sicherheit

    Wichtig ist auf jeden Fall, dass man in der Kommunikation mit Personen mit Demenz freundlich auftritt, denn trotz der schwindenden sprachlich-kognitiven Fähigkeiten sind sie sehr sensibel für ihr Umfeld. Auf ruhige, gelassene und freundlich klingende Stimmen reagieren Sie häufig positiv mit Entspannung, Offenheit und Fröhlichkeit. Vermeiden Sie Babysprache, worauf viele Menschen mit Demenz berechtigterweise sehr empfindlich reagieren.

    Unterhaltungen sollten in einer ruhigen Umgebung ohne störende Hintergrundgeräusche (Radio, Fernseher) geführt werden. Es kann förderlich für die Gesprächsathmosphäre sein, wenn Sie den Arm der betroffenen Person beim Gespräch berühren, um Sicherheit zu vermitteln. Wenn möglich, dann sprechen Sie im vertrauten Dialekt des Gegenübers.

  3. Langsame und deutliche Sprache, kurze Sätze

    Mit zunehmender Demenz ist es wichtig, dass Gesprächsinhalte vereinfacht werden, damit sie für Betroffene verständlich sind. Sätze sollten kurz formuliert sein und möglichst nur eine Botschaft enthalten. Sprechen Sie dabei langsam und deutlich.

    Fachbegriffe und Fremdwörter sowie Jugendsprache oder komplizierte mehrsilbige Begriffe sollten sich nicht benutzen. Auch Redewendungen und Ironie sind für Personen mit Demenz schwer zu verstehen. Anstatt der Verwendung von “man” sollten Sie besser Ich-Aussagen benutzen. Versuchen Sie außerdem auf Pronomen (er/sie) zu verzichten und benennen Sie Personen stattdessen immer beim Namen (“Ihr Sohn hat angerufen. Ihr Sohn kommt morgen zu Besuch.”).

  4. Einfache Fragen

    Offene Fragen (“Was möchtest du trinken?”) oder eine Auswahlmöglichkeit aus vielen verschiedenen Optionen kann Personen mit Demenz überfordern. Stellen Sie daher nicht mehr als zwei Angebote auf einmal zur Auswahl („Möchtest du Kaffee oder Tee?“). Bei fortgeschrittener Demenz empfiehlt es sich sogar, nur eine Alternative auf einmal anzubieten.

    Auch komplexere Warum-Fragen können für Personen mit Demenz schwierig zu verstehen und zu beantworten sein, da diese hohe kognitive Anforderungen an die Person stellen. Stattdessen sollten Sie möglichst einfache und geschlossene Fragen stellen, die Ihr Gegenüber mit „Ja“ und „Nein“ beantwortet werden kann.

  5. Gestik und Zeigen auf Gegenstände

    Indem Sie Ihre Sätze durch Gesten oder das Zeigen auf Gegenstände unterstützen, werden Ihre Botschaften für Menschen mit Demenz bildhafter und somit verständlicher. Beispielsweise können Sie zusätzlich zur verbalen Kommunikation mit der Handfläche auf die Sitzfläche eines Stuhls klopfen, um zu signalisieren, dass die betroffene Person sich dort hinsetzen kann.

  6. Zeit, Geduld und Mitgefühl

    Personen mit Demenz benötigen häufig mehr Zeit zum Antworten. Auch wenn es mit Sicherheit nicht immer leicht fällt, ist es wichtig, dass Sie im Gespräch mit Demenzkranken geduldig sind und keine Hektik ausstrahlen. Lassen Sie bei Wortfindungsschwierigkeiten ausreichend Zeit und unterstützen Sie dabei gegebenenfalls behutsam. Wenn die Person nicht direkt versteht, was gemeint ist, dann wiederholen Sie Ihre Aussage oder Frage und verwenden Sie dabei immer dieselbe Formulierung.

    Hören Sie aufmerksam zu und achten Sie auf die Körpersprache Ihres Gegenübers und auf Gefühle, die mitschwingen. Versuchen Sie dabei auf die persönlichen Bedürfnisse und die Aufmerksamkeit der Person mit Demenz Rücksicht zu nehmen.

  7. Geeignete Gesprächsthemen

    Auch die Gesprächsinhalte sollten für eine gelingende Kommunikation mit dementen Personen angepasst werden. Vermeiden Sie überfordernde Themen wie politisches Geschehen oder Gesell­schaftliches, sondern sprechen Sie mit in alltäglichen Unterhaltungen über einfache und bekannte Themen (zum Beispiel über das Wetter).

    Auch Gespräche über die persönliche Vergangenheit der Betroffenen (sogenannte Biografie-Arbeit) sind beliebte Themen, da diese Erinnerungen häufig noch gut vorhanden sind. Auch für pflegende Personen kann dieser Austausch im Umgang mit dementen Menschen sehr hilfreich sein. Vermeiden Sie dabei das Abfragen von Fakten (zum Beispiel das eigene Geburtsdatum oder Namen von Enkeln und Enkelinnen) und potentiell kritische Themen wie Geld, Krieg und Krankenhaus.

  8. Positive Formulierungen und Anerkennung

    Versuchen Sie in Gesprächen stets positive Formulierungen zu finden und zeigen Sie Anerkennung und Bestätigung für Dinge, die aus der Sicht des oder der Betroffenen gut gelungen sind. Sprechen Sie darüber in einfach Worten und loben Sie sie ihr Gegenüber ausdrücklich dafür. Bestimmte Reizwörter, wie "nie", "trotzdem" oder "nein" können Widerspruch auslösen. Versuchen Sie diese zu vermeiden und stattdessen positive Formulierungen zu finden, um Stress und Streit zu vermeiden.

  9. Vermeidung von Kritik und Zurechtweisungen

    Menschen mit Demenz verhalten sich häufig seltsam, drücken sich unverständlich aus oder verwenden falsche Wörter. Weisen Sie nicht auf Fehler hin und vermeiden Sie Kritik und Belehrungen. Unter Umständen können Betroffene nicht nachvollziehen, warum sie bei einem Gespräch korrigiert werden. Stattdessen kann eine konfrontierende Diskussion oder Zurechtweisung für diese Personen beschämend sein und ist oft nicht zielführend.

  10. Distanzierung von Anschuldigungen

    Nicht selten kommt es vor, dass Personen mit Demenz falsche Anschuldigungen und Vorwürfe gegenüber engen Bezugspersonen äußern. Auch wenn es schwer fällt, sollten Sie sich davon distanzieren und entsprechende Aussagen nicht persönlich nehmen.

    Versuchen Sie diese zu überhören und nicht zum Thema zu machen, denn oft richten sich die Anschuldigungen nicht gegen Sie persönlich, sondern drücken die Hilflosigkeit und Frustration der dementen Personen aus. Hilfreich ist, kurz abzuwarten und dann über ein anderes Thema zu sprechen.


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