Toilettenpapierrolle mit Herz

Stuhlinkontinenz – Ursachen, Diagnostik und Therapie

Ungefähr fünf Prozent der Deutschen sind von Stuhlinkontinenz betroffen – sie können den Vorgang der Stuhlausscheidung nicht mehr vollständig bewusst steuern. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Ursachen und mögliche Therapien.

Normalerweise vergehen von der Nahrungsaufnahme bis zum Ausscheiden durch den Darm zwischen 34 und 44 Stunden. Pro Woche kommt es zu zwei bis drei vollständigen Stuhlentleerungen, wobei der Drang auf die Toilette zu gehen natürlich ist. Bei Stuhlinkontinenz ist dies nicht der Fall. Sie kommt dabei sehr viel seltener vor als die Harninkontinenz.

Ursachen für Stuhlinkontinenz

Stuhlinkontinenz kann unabhängig vom Alter auftreten und sowohl angeboren als auch erworben sein. Dabei können laut Ärzteblatt mehrere Ursachen unterschieden werden:

  • sensorisch – Verlust analer Empfindung, meist als Operationsfolge
  • muskulär – als Beckenbodeninsuffizienz
  • neurogen – durch zentrale/periphere Ursachen
  • gestörte Reservoirfunktion – durch Tumoroperationen und chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen
  • funktionell – durch Überlaufinkontinenz
  • idiopathisch – ohne erkennbare Ursache

Hierbei können auch Mischformen auftreten.

Apparative Diagnostik

Die Diagnostik einer Stuhlinkontinenz erfolgt zuallererst mithilfe einer genauen Anamneseerhebung. Hierbei können meist schon die Ursachen der Inkontinenz differenziert werden. Anschließend können diverse apparative Untersuchungen folgen:

  • Endoskopie
  • Manometrie – physikalische Druckmessung mittels eines Manometers in einem abgeschlossenen Raum
  • Defäkographie – radiologische Untersuchung der Stuhlentleerung
  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Anale Endosonographie – spezielle Ultraschalluntersuchung des Analkanals und des Mastdarms
ein Mensch in Kittel, der ein MRT bedient

Um den Ursachen einer Stuhlinkontinenz auf die Spur zu kommen, kann auch eine sogenannte Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden (Foto: pixabay).

Darmmanagement

Unter Darmmanagement versteht man alle Aktivitäten, die dazu dienen eine regelmäßige, planbare sowie zeitlich begrenzte Darmentleerung mit zwischenzeitlicher Kontinenz zu erreichen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für ein selbstständiges, selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe. Welche Maßnahmen geeignet sind, richtet sich stets nach der Situation der betroffenen Person. Deshalb sollte die Therapie immer von medizinischen Expert*innen entwickelt werden.

Richtige Ernährung

Personen mit Beschwerden des Verdauungstrakts sollten besonders auf ihre Ernährung achten. Durch eine ausgewogene Kost mit Obst, Gemüse, Ballaststoffen und Flüssigkeit, lassen sich die Konsistenz des Stuhls beeinflussen und die Zeit von der Nahrungsaufnahme bis zum Ausscheiden regulieren. Eine allgemeingültige Formel, wie viel man essen darf, gibt es jedoch nicht. „Das hängt von vielen Faktoren ab“, sagt Uwe Papenkordt, Medical Advisor vom Medizintechnikhersteller Coloplast. „Personen, die im Rollstuhl sitzen, haben beispielsweise einen geringeren Brennwert als diejenigen, die körperlich aktiv sein können. Menschen, die untergewichtig sind, brauchen eine andere Ernährung als Übergewichtige.“

Um der unterschiedlichen Lebenssituation gerecht zu werden, entwickeln Expert*innen verschiedener Fachgebiete für die betroffene Person einen individuellen Ernährungsplan und helfen ihr, das Gewicht langfristig zu stabilisieren.

Beeinflussung der Darmfunktion durch Medikamente

Nicht nur die Ernährung hat Einfluss auf die Darmfunktion, auch Medikamente können die Darmfunktion stören. So besteht beispielsweise bei Antibiotika die Gefahr einer Zerstörung der Bakterienflora im Dickdarm, Anticholinergika verlangsamen die Passagezeit durch den Darm und Antidepressiva können zu Verstopfung führen. Diese Nebenwirkungen müssen bei der Entwicklung des Darmmanagements berücksichtigt werden. Das medizinische Fachpersonal kennt die Einflussfaktoren auf die Verdauung und hilft dabei, die geeigneten Maßnahmen zur Darmentleerung zu finden.

 Hand mit Tabletten und anderen Medikamenten im Hintergrund

Medikamente können einen großen Einfluss auf die Darmfunktion haben (Foto: pixabay).

Darmentleerung durch anale Stimulation

Die Ernährung und der Verzicht auf bestimmte Medikamente können die Konsistenz des Stuhls und die Passagezeit zwar beeinflussen, führen bei einem Patienten mit gastroenterologischen Beschwerden jedoch nicht alleine zur Entleerung des Darms. Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten: Bei der Anal- und Rektalstimulation, auch digitale Stimulation genannt, wird ein Finger in den Mastdarm eingeführt. Kreisende Bewegungen entlang der Darmwand führen dazu, dass der interne Schließmuskel gedehnt wird. Nach circa 15 bis 20 Sekunden kommt es zu einer Entspannungsreaktion, wodurch Stuhl austreten kann. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis der Darm vollständig entleert ist. 

Darmentleerung durch Zäpfchen

Neben der Anal- und Rektalstimulation können auch Medikamente zur Entleerung des Darms eingesetzt werden, beispielsweise in Form von Zäpfchen. Die Abführmittel wirken meist dadurch, dass sie das Volumen im Darm vergrößern. So wird der Druck auf den Darm erhöht, sodass Wellenbewegungen ausgelöst werden, die den Nahrungsbrei im Darm befördern. Vor allem Jugendlichen und Erwachsene gehen zur Entleerung auf die Toilette und unterstützen den Vorgang durch Bauchpressen, sofern die neurologischen Fähigkeiten und die Möglichkeit zur aktiven Mitarbeit bestehen.

Darmentleerung durch Transanale Irrigation   

Eine komfortable Möglichkeit der Darmentleerung ist die sogenannte Transanale Irrigation. Vereinfacht gesagt, besteht das Prinzip darin, dass Wasser in den Darm gepumpt wird. Hierdurch werden wellenförmige Bewegungen des Darms auslöst und der Stuhl in Richtung Rektum bewegt. Moderne Systeme zur Darmentleerung sind so konzipiert, dass Betroffene sie nach einer Einweisung durch medizinisches Fachpersonal ohne Hilfe nutzen können.

Weitere nicht-operative Maßnahmen

Als weitere nicht- operative Maßnahme kommt auch Beckenbodengymnastik infrage, bei der gezielt die Muskeln im Anal- und Beckenbereich trainiert werden. Es ist vor allem bei einer Bindegewebsschwäche und bei Frauen, die mehrere Geburten hatten, ratsam. Des Weiteren kann eine Elektrostimulation erfolgen, die die Schließmuskelfunktion verbessern soll.

Operative Maßnahmen

Als letztes Mittel können auch – je nach Ursache – operative Eingriffe notwendig sein.
Diese sind sehr individuell und sollten mit medizinischen Fachpersonal genau abgeklärt werden. Am besten ist es, sich immer eine zweite Meinung einzuholen, ob eine Operation tatsächlich nötig ist oder ob eventuell noch andere Möglichkeiten ausgeschöpft werden können.