Im Fokus ist eine Person, die einen Bogen spannt. Im Hintergrund sind unscharf Zielscheiben zu sehen. | © Vince Fleming/unsplash

Schießsport – Konzentration und innere Ruhe

Egal ob Bogenschießen, Blasrohrschießen oder Sportschießen – auch Menschen mit Behinderung können sich an den positiven Effekten dieser Sportarten erfreuen.

Bogenschießen wird schon sehr lange mit Erfolg in der Rehabilitation verwendet. Darum gehört es auch zu den am längsten praktizierten Sportarten für Menschen mit Behinderungen. Im Prinzip kann jede Person mit einer Behinderung den Umgang mit Pfeil und Bogen erlernen. Mit individuellen Hilfsmitteln am Bogen und speziellem Fingerschutz können sogar Menschen mit einer Querschnittslähmung die Sehne spannen.

Als Therapie kräftigt der Bogensport Rücken-, Brust- und Schultermuskulatur. Er trainiert das Konzentrationsvermögen und die für Rollstuhlfahrer*innen so wichtige Sitzbalance. Ein ganz besonderer Aspekt ist aber die bei dieser Sportart mögliche Gleichstellung – Menschen mit Behinderung können sich ohne Regeländerungen mit Schütz*innen ohne Behinderung messen.

Verschiedene Distanzen

Im Wettkampf gilt es auf den längeren Distanzen auf Zielscheiben von 122 Zentimetern Durchmesser zu schießen. An den Paralympics beträgt die Schussdistanz 70 Meter. Bei Wettkämpfen im Freien kann die Distanz zwischen 60 und 90 Meter betragen. Die Distanzen sind bestimmten Klassifizierungen nach Behinderungen angepasst. In der Halle wird auf 25 Meter oder 18 Meter gezielt, wobei auf die kleinere Distanz eine kleinere Zielscheibe angewandt wird. Es gibt Einzel- und Teamwettkämpfe.

Konzentration und Meditation

Den Bogen spannen, auf die Scheibe zielen, sich auf den schwarzen Punkt konzentrieren, loslassen und die Sorgen fliegen mit dem Pfeil. Was auf den ersten Blick wie ein Kinderspiel aussieht, erfordert viel Ausdauer, Übung und mentales Training. 

Im Zen-Buddhismus Japans spielt das Bogenschießen eine ganz besondere Rolle. Pfeil und Bogen sind hier Instrumente der Meditation. Der Schütze strebt eine Harmonie von Bewusstem und Unbewusstem an, wobei Selbsterkenntnis und innere Ruhe das Ziel sind. Vielleicht ist dies neben dem rein sportlichen Aspekt des Bogenschießens ein möglicher Weg, mit sich und der Behinderung in Einklang zu gelangen.

Blasrohrschießen – die wiederentdeckte Sportart

Blasrohrschießen kann als Einzel- oder auch Mannschaftssport betrieben werden – jedoch immer unter der Berücksichtigung der Sicherheit. Es darf niemals zu einer Fremdgefährdung kommen. Der Sport dient der Konzentration, besitzt Wettkampfcharakter und einen hohen gesundheitlichen Wert.

Zudem kann darin die Chance gesehen werden, mit dieser Art von Sport Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene ansprechen zu können, deren Behinderung keine anderen sportlichen Aktivitäten ermöglichen.

Positive gesundheitliche Aspekte

Vor allem der soziale und psychologische Effekt steht bei Blasrohrschießen für die Sportler*innen im Vordergrund: aus dem Haus gehen, andere Leute treffen, Freund*innen finden, Spaß und Erfolgserlebnisse haben.
Zudem gibt es auch einige wichtige Aspekte für die Gesundheit:   

  • günstige Beeinflussung der Atemmuskulatur
  • Training für bewusstes Atmen
  • Einnehmen der richtigen Körperhaltung
  • Förderung des Gleichgewichts und der Konzentration

Bevor man beabsichtigt, den Pfeil in das anvisierte Ziel zu blasen beziehungsweise zu schießen, muss erst einmal tief eingeatmet werden. Unter tiefer Ausatmung wird dann der Pfeil aus einer vorher festgelegten Entfernung zur Zielscheibe geblasen. Dies erfordert sowohl die Lungen- als auch die Bauchatmung.

Die gut funktionierende Atemtätigkeit ist von großer Bedeutung. Denn das mit Sauerstoff angereicherte Blut und seine Funktionen sind sehr vielseitig. Aus einem ehemaligen Kinderspiel ist also eine Sportart entstanden, die nicht nur Jung und Alt begeistert, sondern nebenbei auch noch die Gesundheit fördert.

Zu sehen sind verschieden grüne Bambusrohre, dabei ist ein Bambusrohr vorne im Fokus. | © Albrecht Fietz/ pixabay

Die Blasrohre bestehen unter anderem aus Bambus (Foto: Albrecht Fietz/ pixabay).

Sportschießen – Konzentration ist (fast) alles

Das Sportschießen ist eine Sportart, bei welcher mit ein paar wenigen Änderungen und die Benutzung von Hilfsmitteln auch Menschen mit Behinderungen teilnehmen können.
Die Sportschützen und Sportschützinnen kämpfen in drei Wettkampfklassen und treten ansonsten mit den gleichen Regeln wie im übrigen Schießsport gegeneinander an. 

Die Eigenschaften, die gute Sportschützen und Sportschützinnen ausmachen, sind unabhängig von möglichen Behinderungen: die Fähigkeit zur absoluten Konzentration, ein hohes Maß an Willensstärke und das technische Verständnis für das Sportgerät. 

Es wird in drei Schadensklassen unterteilt. In der Klasse SH1 wird ohne ein zusätzliches Hilfsmittel geschossen. In der Klasse SH2 wird mit einem Hilfsmittel geschossen, dem federgelagerten Ständer. Er wurde für Schütz*innen entwickelt, die in ihren oberen Extremitäten eingeschränkt sind (Amputation oder hoher Querschnitt). Menschen mit Sehbehinderung werden in der Klasse SH3 zusammengefasst.