Rollstuhlpflege: Vorbereitung, Pflege, Wartung in den Jahreszeiten
Sie nutzen einen Rollstuhl und brauchen Tipps zum Thema Wartung, Vorbereitung und Pflege? Dann ist dieser Artikel genau der Richtige für Sie. Denn die unterschiedlichen Jahreszeiten mit ihren Wetter- und Lichtbedingungen bringen unterschiedliche Herausforderungen mit. Wie halte ich mich im Winter warm? Was muss ich bei Hitze beachten? Wie pflege ich den Rollstuhl richtig? Worauf muss ich im Winter, Frühling, Sommer und Herbst spezifisch achten?
Die Pflege in der Pollenzeit darf nicht vernachlässigt werden. (Meyra )
Rollstuhlpflege im Winter
Im Winter spielen vor allem Themen wie Wärme und Sicherheit bei Schnee und Kälte eine Rolle. Aber genauso das Fahrverhalten bei Eis und Schnee. Denn im Winter benötigen Rollstühle ebenfalls Winterreifen mit einem gröberen Profil für eine bessere Haftung. Dabei sollten nicht nur Reifen, sondern auch Handschuhe mit Grip bei manuellen Rollstühlen genutzt werden. Dies verbessert die Haftung. Gerade bei Glätte und Eis ist Vorsicht geboten. Kurze und bekannte Wege sollten in dieser Zeit bevorzugt werden. Zudem ist es wichtig, die Antikipprollen und das Antriebssystem zu prüfen, für mehr Sicherheit.
Bei Akkus und Elektronik gibt es besondere Dinge, auf die Sie achten sollten. Denn gerade Akkus verlieren ihre Leistung bei Kälte schneller. Dies führt dazu, dass Sie diese häufiger aufladen müssen. Einen Punkt, den Sie bedenken sollten, wenn Sie unterwegs sind. Machen Sie sich also Gedanken, wie lang die Fahrt ist und ob Sie unterwegs oder am Zielort die Möglichkeit haben, die Akkus wieder aufzuladen. Das bedeutet aber auch, dass Sie Akkus oder Ladegeräte bei längeren Touren im Innenraum mitführen sollten. Empfehlenswert ist es, den Rollstuhl im Warmen zu lagern oder vor der Fahrt aufzuwärmen. Vor allem die Steckverbindungen sollten trocken gehalten und das Ladegerät nicht in ungeheizten Räumen verwendet werden.
Sie sollten aber nicht nur Vorkehrungen für Ihren Rollstuhl treffen, sondern auch auf Ihre eigene Gesundheit achten. Vor allem durch weniger eigene Bewegung kann der Körper schneller anfangen zu frieren. Daher können verschiedenen Gadgets im Winter gerade für die Gesundheit eine große Rolle spielen:
- Thermodecke
- Schlupfsack
- Fußsack
- Beheizte Sitzauflage
- Mehrschichtige Kleidung
- Winddichte Jacke
- Mütze
- Schal
- Thermounterwäsche
- Besonderer Schutz für Hände und Füße (eingeschränkte Durchblutung beachten)
- Thermoskanne mit warmem Getränk
- Hose mit Rollstuhlschnitt
- Taschenöfen
- Beheizbare Kleidung oder Einlegesohlen
- Beinstulpen
- Handwärmer
Diese Tipps stammen unter anderem aus unserer Community.
Im Winter kann es gerade beim ÖPNV wie bei Zügen zu wetterbedingten Ausfällen kommen. Diese sollten Sie bei Ihrer Planung berücksichtigen und gegebenenfalls einen Plan B bereithalten. Haben Sie die Möglichkeit, abgeholt zu werden? Können Sie einen Ersatztermin vereinbaren? Können Sie Lieferdienste nutzen?
Damit Ihre Fahrt gesichert ist, sollten Sie Fahrdienste in dieser Zeit rechtzeitig buchen. Diese können in der Zeit stark ausgelastet sein, da der Winter als Hochsaison für Fahrdienste gilt.
Wege und Routen sollten gut geplant werden. Gerade nicht oder schlecht beleuchtete Wege sind nicht empfehlenswert, da der Boden nur schlecht erkennbar ist. Löcher oder Gegenstände auf dem Gehweg können störend für die Fahrt mit dem Rollstuhl sein. Eine Taschenlampe kann gerade bei manuell angetriebenen Rollstühlen oftmals nur umständlich verwendet werden, da beide Hände für das sichere Fahren notwendig sind. Empfehlenswert ist es, Wege und Termine an das Tageslicht anzupassen. Alana berichtet zusätzlich von einer Taschenlampe, die sich mit einem Gummi am Rollstuhl befestigen lässt. Das Set gibt es mit Taschenlampe und Rücklicht.
Nicht zu unterschätzen, ist unter anderem auch Streusalz, welches das Material und bewegliche Mechanismen stark angreifen kann. Hierbei sollte drauf geachtet werden, dass Rückstände schnellstmöglich beseitigt werden. Außerdem können E-Rollstühle mit Innensteuerungssystemen bei Kälte langsamer reagieren. Auch in Gebäuden ist in der Winterzeit Vorsicht geboten. Denn auch hier kann eine Rutschgefahr durch Schneematsch bestehen.
Rollstuhlpflege im Herbst
In der Übergangszeit, im Herbst, spielen gerade Nässe, Sichtbarkeit und die richtige Pflege in der Übergangszeit eine große Rolle.
Ein wichtiger Punkt ist die Sicherheit im Straßenverkehr. Beispielsweise können rutschige Blätter und Feuchtigkeit das Unfallrisiko erhöhen. Daher ist es wichtig, das Reifenprofil zu prüfen und auch die Bremsen zu kontrollieren. Laub und Nässe können den Bremsweg verlängern.
Aber auch die Sichtbarkeit kann die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen. Im Herbst wird es langsam früher dunkel, verregnete und wolkige Tage sorgen für dunklere Tage und schnell wird man übersehen. Hier können Reflektoren, helle Kleidung und eine LED-Beleuchtung vorne und hinten Abhilfe verschaffen. Genauso wichtig ist es bei Elektrorollstühlen, die Beleuchtung auf Funktion zu überprüfen.
Im Herbst bedarf der Rollstuhl einer besonderen Pflege und Schutz. Vor allem Regen und Nässe sorgen für unterschiedliche Probleme im Herbst. Denn gerade nach Regenfahrten sollten die Geräte getrocknet und vor allem die Kontakte geschützt werden. Um Schäden an Metallteilen zu vermeiden, sollte regelmäßig ein Korrosionsschutz aufgetragen werden. Mit einer Abdeckung für den Elektrorollstuhl schützen Sie Ihren Rollstuhl und seine Elektronik.
Haben Sie nun alle Punkte bezüglich Nässe und Ihres Rollstuhls beachtet, so dürfen Sie sich nicht selbst vergessen: Eine Regenhaube schützt letztendlich auch Sie und Ihre Gesundheit.
Das Wetter, seine Instabilität und Nässe wirken sich auch auf die Mobilität und Planung aus. Touren sollten kürzer geplant werden, da sie auch abhängig vom Wetter sind. Wege können durch Nässe und Wasser unpassierbar werden. Daher ist es ratsam, einen Plan B vorzubereiten, bevor die Reise angetreten wird. Genauso eingeplant werden sollte die früh einsetzende Dunkelheit. Denken Sie an gut beleuchtete Wege, Ihre eigene Sicherheit durch gute Sichtbarkeit und Ihre Zeitplanung.
Zu dieser Zeit wird seltener beachtet, dass die Handkraft bei Kälte und Nässe schneller nachlässt. Daher sollten Sie Handschuhe mit Grip immer bereithalten. Auch betrifft die Nässe das Sitzkissen. Dieses kann klamm werden und Feuchtigkeit aufnehmen. Daher sollten Sie es regelmäßig kontrollieren und trocknen. Auch kann sich im Haus oder Auto Kondenswasser bilden, welches sich auf dem Rollstuhl ablagern kann.
Rollstuhlpflege im Frühling
Die Tage werden wieder länger, die Temperaturen steigen – nun ist es Zeit, in die neue Saison zu starten. Hier stehen die Vorbereitung und Wartung nach dem Winter im Vordergrund und damit vor allem die Sicht- und Funktionsprüfung von Bremsen, Schrauben, Rahmen und Sitz- und Rückenbespannung.
Aber genauso:
- Reifen und Luftdruck prüfen (nach Kälte oft Druckverlust)
- Akkus bei Elektrorollstühlen vollständig laden, Reichweite prüfen
- Kontakte, Stecker und Bedienelemente auf Korrosion kontrollieren
- Federn, Lager und bewegliche Teile reinigen und leicht ölen
Ebenfalls sollten Sie einen Frühjahrs-Check beim Fachhändler oder Servicepartner in Erwägung ziehen.
Außerdem steht der Frühlingsputz nicht nur für den Haushalt, sondern auch für den Rollstuhl an. Dieser sollte gründlich gereinigt werden und von Schmutz, Streusalzresten und Feuchtigkeit befreit werden. Dabei sollten Sie auf aggressive Reiniger verzichten, um Lack, Polster oder Elektronik zu schonen. Auch sollten Sie Sitzkissen und Stoffteile lüften und auf Feuchtigkeit oder Schimmel prüfen.
Der Saisonstart bedeutet jedoch auch wieder Ausflüge und Planung. Das wiederum bedeutet, dass Touren mit barrierefreien Wegen und befestigten Untergründen vorzuziehen sind. Auch sollten Sie bei dem wechselhaften Wetter prüfen, was Sie mitnehmen. So kann ein Regenschutz, aber auch ein Zwiebellook aus atmungsaktiven Materialien hilfreich sein. Auch ist es bei dem wechselhaften Wetter ratsam, immer einen Plan B vorzubereiten. Es kann immer sein, dass Wege matschig oder nicht passierbar sind. So sind Sie auf alle Fälle vorbereitet.
Woran im Frühling nicht immer gedacht wird, sind die Frühjahrsallergien. Aber Pollen können nicht nur zu einer verstopften Nase führen, sondern Pollen und Staub können auch sich in Ritzen und Öffnungen des Rollstuhls festsetzen. Seltener beachtete Punkte. Aber auch Termine bei Ärzt*innen oder Therapeut*innen müssen koordiniert werden. Diese sollten neu vereinbart werden, wenn die Mobilität sich verändert oder Transportmöglichkeiten für spontane Ausflüge geprüft werden. Hier speziell auf die öffentlichen Verkehrsmittel und ihre Fahrpläne.
Rollstuhlpflege im Sommer
Im Sommer sorgen hohe Temperaturen dafür, dass ein Schutz vor Hitze unumgänglich ist. Dieser kann aus Hautpflege, Energieversorgung und Mobilität bestehen.
Hitzeschutz betrifft vor allem Sie und Ihre Gesundheit. Nicht nur ausreichend Wasser und Elektrolyte (mindestens 2 Liter Wasser pro Tag) sind aufzunehmen, sondern es ist allgemein ratsam, direkte Sonne zu meiden. Hier vor allem zu den Hochzeiten zwischen 11 und 16 Uhr. Das Tragen von leichter und atmungsaktiver Kleidung ist ebenfalls empfehlenswert. Aber denken Sie auch an kühlende Hilfsmittel, die Sie bei Hitze durch den Tag bringen können:
- Kühlwesten
- Sonnenschirme
- Ventilatoren
- feuchte Tücher
- Kleidung (Haut genügend bedecken)
Hitze kann aber auch dazu führen, dass ein höheres Risiko auf Druckstellen besteht. Denn Hitze und Schweiß können diese begünstigen. Daher sollten Sie nicht nur täglich Ihre Haut überprüfen, sondern auch das Sitzkissen regelmäßig lüften. Sie können gegebenenfalls auch Pflegeprodukte zur Hautberuhigung nutzen, wie zum Beispiel Zinksalben.
Nicht nur Sie und Ihre Gesundheit benötigen einen besonderen Schutz bei Hitze, sondern auch Ihre Technik. Akkus und Steuerungen sollten daher vor direkter Sonne geschützt werden. Auch sollten Sie darauf achten, dass Sie Ihren Elektrorollstuhl nicht im aufgeheizten Fahrzeug lagern. Zwar ist der Energieverbrauch im Sommer durch Zusatzgeräte wie zum Beispiel Ventilatoren erhöht, dennoch sollten Sie darauf achten, Ihre Ladegeräte nur bei moderater Temperatur zu nutzen. Empfehlenswert ist es die Herstellerangaben in den Bedienungsanleitungen zu beachten, da diese von Gerät variieren können.
Mobilität geht auch im Sommer mit gründlicher Planung einher. So sollten Routen mit Schatten, Trinkmöglichkeiten und barrierefreien Toiletten gewählt werden. Bei hoher Hitze kann es auch hilfreich sein, kurz in einem Geschäft zu verweilen; daher sollten Öffnungszeiten und Zugänge überprüft werden. Es kann immer sein, dass das Wetter oder bei der Hitze sogar der Kreislauf ein Problem bereitet. Haben Sie für den Fall an einen Plan B gedacht?
Oft wird dabei vergessen, dass ein Sonnenbrand an Beinen, Armen oder Nacken auch im Sitzen möglich ist. Schützen Sie sich dementsprechend und nehmen Sie immer einen Sonnenschutz mit. Auch gibt es Medikamente, die hitzeempfindlich sein können. Dies können Sie bei Ihrer Praxis oder Apotheke erfragen. Achten Sie bei der Mitnahme dieser auf einen kühlen Ort. Die Wärme kann sich auch durch Ausdehnung auf die Reifen bemerkbar machen. Dies sollten Sie stetig kontrollieren und gegebenenfalls die Luft im Reifen leicht reduzieren.
Rollstuhlpflege: Jahreszeitenübergreifend
In unserem Artikel ist bereits deutlich geworden, dass es einige Aspekte in der Pflege und Wartung des Rollstuhls gibt, die von der Jahreszeit und Witterung abhängig sind. Dennoch gibt es auch Punkte, die das ganze Jahr über wichtig sind. Beispielsweise sollte der Rollstuhl regelmäßig beim Fachhändler gewartet werden. Mindestens einmal im Jahr sollte diese Wartung stattfinden. Grundsätzlich sollten Sie immer gut vorbereitet sein. Das bedeutet:
- Schwankungen des Wetters beachten
- Akku und Ladeinfrastruktur vor Ort
- Eigene Erreichbarkeit
- Persönliche Energie und Gesundheit einschätzen
Grundsätzlich ist eine kleine Reise-Checkliste empfehlenswert. Hier können Sie wichtige Dinge notieren, wie:
- Ersatzakku oder vollständig geladener Akku
- Werkzeugset
- Getränke
- Luftpumpe
- Wetter- und Schutzkleidung
Wir bedanken uns bei unserem Partner Meyra für die Unterstützung bei diesem Artikel.