Nahrungsergänzungsmittel | © unsplash

Nahrungsergänzungsmittel

Sie finden sich in Apotheken, Drogerien, Reformhäusern und Supermärkten, sind als Tabletten, Kapseln, Pulver oder Brausetabletten erhältlich und versprechen Gesundheit, Leistungskraft oder Schönheit. Was ist dran an Nahrungsergänzungsmitteln und welche Bedeutung können sie für Menschen mit einer Behinderung haben?

Für Menschen mit Behinderung oder einer chronischen Erkrankung ist in manchen Fällen eine ausgewogene Ernährung schwer umzusetzen. Aber auch für Menschen, die eine bestimmte Ernährungsweise pflegen, wie beispielsweise eine rein pflanzliche Ernährung, können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein.

Der Absatz von Nahrungsergänzungsmitteln steigt von Jahr zu Jahr rasant. Allein in Deutschland wurden 2018 Präparate im Wert von rund 1,4 Milliarden Euro verkauft. Nahrungsergänzungsmittel sind Produkte, die aus Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer (beim gesunden Menschen auftretende) Wirkung in konzentrierter Form bestehen. Dabei kann es sich um Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren, Ballaststoffe, oder auch Pflanzen- und Kräuterextrakte handeln.

Nahrungsergänzungsmittel sind keine Medizin

Fälschlicherweise gehen Konsumierende oftmals davon aus, dass es sich bei Nahrungsergänzungsmittel um medizinische Produkte handelt. Dies hat einerseits mit der Darreichungsform zu tun, andererseits aber auch damit, dass die Produkte häufig zur Linderung von Symptomen von Müdigkeit und fehlender Vitalität, bei Krankheiten oder Gewichtsproblemen eingenommen werden.

Nahrungsergänzungsmittel sind aber per gesetzlicher Definition Lebensmittel. Sie sollen unsere Ernährung ergänzen, sind aber nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu heilen oder zu verhüten. Im Gegensatz zu Arzneimitteln durchlaufen Ergänzungsmittel zu unserer Ernährung auch kein Zulassungsverfahren, sondern unterliegen nur einer Registrierungspflicht.

Belegte Brote | © Ella Olsson/unsplash

Für Menschen, die sich dauerhaft rein pflanzlich ernähren, werden Nahrungsergänzungsmittel empfohlen (Foto: Ella Olsson/unsplash).

Die Meinungen gehen weit auseinander

Der kommerzielle Erfolg der Nahrungsergänzungsmittel ist unbestritten. Intensiv diskutiert wird aber die Frage, ob diese Zusätze zur Ernährung überhaupt etwas bringen. Besonders für die Kritiker*innen sind Nahrungsergänzungsmittel für gesunde, sich ausgewogen ernährende Personen überflüssig.

Von zwei Ausnahmen abgesehen seien alle Nährstoffe in ausreichender Menge in unserer Ernährung enthalten, sagen sie. Als Ausnahmen gelten laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung die zusätzliche Einnahme von Folsäure in der frühen Schwangerschaft sowie von Jod in Form von jodiertem Speisesalz.

Stress und einseitige Ernährung

Befürworter*innen von Nahrungsergänzungsmitteln machen geltend, dass sich die Menschen heute anders ernähren als früher und durch Stress, einseitige Ernährung oder Schadstoffe mangelhaft versorgt seien. Außerdem stellen sie fest, dass Nahrungsmittel heute weniger Nährstoffe enthalten. Dies, weil sie in halb reifem Zustand geerntet, über lange Wege transportiert und gelagert und letztlich auch noch falsch zubereitet würden.

Kritiker*innen von Nahrungsergänzungsmitteln verweisen wiederum darauf, dass diese Behauptungen einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten. Zudem könne eine einseitige Ernährung nicht dadurch ausgeglichen werden, dass man täglich Nahrungsergänzungsmittel in allen möglichen Darreichungsformen zu sich nehmen.

Zubereitete Mahlzeiten | © Lily Banse/unsplash

Für gesunde Menschen, die sich ausgewogen ernähren, sind Nahrungsergänzungsmittel nicht nötig (Foto: Lily Banse/unsplash).

Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln

Es gibt aber auch zahlreiche Pflanzen, Substanzen und Wirkstoffe, die sich kaum in der täglichen Ernährung finden, deren Wirkung aber die Gesundheit positiv beeinflussen können. Oder es gibt spezielle Lebenssituationen wie eine Behinderung, in denen die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll erscheint.

Denn für manche Menschen mit einer Behinderung ist es schwer, sich ausgewogen und gesund zu ernähren. Zum Teil hat das logistische Gründe wie eine schwierige Beschaffung oder Zubereitung der Lebensmittel. Eine Behinderung kann aber auch dazu führen, dass verschiedene Lebensmittel gar nicht zu sich genommen werden können oder dürfen.

Mängel sind häufig auch bei Betroffenen von Krebs, Diabetes, Rheuma oder Magen-Darm-Erkrankungen festzustellen. Sie können durch ihre Erkrankung oft nicht genügend Nährstoffe mit der gewöhnlichen Ernährung aufnehmen oder verwerten.

Zusätzliche Abwehrkräfte aufbauen

Viele Arten von Behinderung führen auch zu einer starken körperlichen Belastung. Der Körper wird durch eine Behinderung besonders gefordert und es spricht nichts dagegen, ihn zu stärken und zusätzliche Abwehr aufzubauen, wenn dies über die normale Ernährung nicht möglich ist. 

Aber auch anderen Personengruppen können Nahrungsergänzungsmittel nützen. So ist zum Beispiel bei Frauen in der Stillzeit der Bedarf an Nährstoffen erhöht. Für Menschen, die keine Milchprodukte zu sich nehmen können oder wollen, kann die Einnahme von zusätzlichem Calcium angezeigt sein. Und auch ältere Menschen weisen aus verschiedensten Gründen oftmals eine Unterversorgung verschiedener Vitamine oder von Kalzium und Eisen auf.

Ein passendes Nahrungsergänzungsmittel sollte sorgsam und mit Unterstützung von Ärzt*innen oder Ernährungsberater*innen ausgewählt werden. Da eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nur empfohlen werden kann, wenn tatsächlich ein Mangel des Nährstoffs vorliegt. 


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