Eine Gruppe von Menschen unterhalten sich in einem Meeting | © pixabay

Für Mitarbeiter*innen: Sieben Tipps zur Inklusion am Arbeitsplatz

Befähigen statt ausbremsen – dieses Motto sollte für Unternehmen bei der Inklusion von Menschen mit Behinderungen zu einem übergeordneten Ziel werden. Hierbei gilt es, Berührungsängste abzubauen und das Miteinander zu fördern.

Rund acht Millionen Menschen haben in Deutschland eine schwere Behinderung (ab 50 Prozent). Hier liegt viel Potenzial verborgen – bringen diese Menschen vielfältigste Stärken und Fähigkeiten mit sich. In Anbetracht des Fachkräftemangels ist das inzwischen eine statistische Größe, die nicht ungenutzt bleiben sollte.

Klar, sollte genauso berücksichtigt werden, dass Inklusion für Mitarbeitende und Vorgesetzte auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Herausforderung darstellt. Es scheitert oftmals am notwendigen Wissen oder an barrierefreien Arbeitsplätzen, die notwendig sind, um Arbeitnehmer*innen mit Behinderungen dieselben Bedingungen für die Arbeit zu ermöglichen. Hinzu kommt die soziale Komponente. Kolleg*innen haben oft Angst, im Umgang mit ihren Kolleg*innen mit Behinderungen etwas falsch zu machen. 

Jedoch werden mit ein paar Tipps aus Berührungsangst ein Miteinander auf Augenhöhe:

  1. Unterstützung willkommen

    Eine statistische Tabelle der verschiedenen Altersgruppen von Menschen mit Behinderung | © Destatis

    Die meisten Menschen mit einer schweren Behinderung sind in den Altersgruppen ab 55 Plus zu finden. Das bedeutet auch, dass viele Menschen nicht mit einer Behinderung geboren werden, sondern im Laufe ihres Lebens durch Krankheit oder Unfall nachhaltig beeinträchtigt werden.

    Für Kolleg*innen gilt es, diesen Umstand beim täglichen Umgang mit gesundheitlich eingeschränkten Mitarbeitenden zu berücksichtigen, aber den Betroffenen nicht von selbst auf die Hintergründe anzusprechen. Es ist sinnvoller, auf die Initiative der Kollegin oder des Kollegen zu warten. 

    Menschen mit Behinderung sind für andere Arten von Anteilnahme dankbar und wünschen sich keine Sonderbehandlung. Kolleg*innen können ihre Anteilnahme ausdrücken, indem sie Unterstützung anbieten und dem oder der anderen einen kleinen Gefallen tun, der den Alltag erleichtert. Sofern beispielsweise bekannt ist, dass die Person gerne Pflanzen mag, ist eine mitgebrachte Pflanze für die Fensterbank eine schöne Überraschung.

  2. In Gespräche und Entscheidungen einbinden

    Kolleg*innen sollten im Arbeitsalltag mit Respekt, aber ohne unnötige Barrieren interagieren. Einige Vorgesetzte, die zuvor keine Menschen mit schweren Behinderungen in ihrem Unternehmen beschäftigten, agieren oft verunsichert und wissen nicht, welche Maßnahmen richtig sind, um die Arbeitnehmer*innen zu fördern. Für Menschen mit einer Beeinträchtigung ist es wichtig, bei allen Prozessen mit einbezogen und stets persönlich angesprochen zu werden, wenn es um Belange geht, die sie betreffen. Die bewusste Integration hat wiederum einen positiven Effekt auf die Arbeitsleistung. Jedoch hat jede*r Mitarbeiter*in mit einer Behinderung unterschiedliche Bedürfnisse, die es zu berücksichtigen gilt.

  3. Kommunikation: mehr ist besser

    Kommunikation ist im Berufsleben das A und O. Dies gilt für gesundheitlich eingeschränkte Menschen ganz besonders, beispielsweise dann, wenn sie eine Hör- oder Sehbeeinträchtigung haben. Dann ist es besser „zu viel“ zu kommunizieren, als zu wenig zu sprechen. Die sehbeeinträchtigte Person fühlt sich wohl und in den Arbeitsalltag eingebunden, wenn sie über alle Abläufe Bescheid weiß und sich in das Gespräch eingebunden fühlt. Hilfe bei einem räumlichen Ortswechsel kann auch angeboten werden. Im Zweifelsfall ist es immer eine gute Lösung, die Person nach seinen Vorstellungen zu fragen und die Kommunikation für beide Seiten passgenau zu gestalten.

  4. Die natürliche Distanz einhalten

    Wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, gibt es gemeinhin einen Sicherheitsabstand, der als höflich und angemessen gilt. Besonders für Menschen mit Behinderung hat die erwünschte Distanz eine große Bedeutung. Es ist auch für Betroffene ein zwischenmenschliches Vergehen, wenn Kolleg*innen sie ungefragt berühren oder nicht notwendige Hilfsmittel anbieten. Für Blindenhunde gilt: Sie sind bei der Arbeit und sollen nicht gestört werden. Kolleg*innen sollten akzeptieren, wenn sie den Blindenhund nicht streicheln und anfassen dürfen.

  5. Die Sache mit gewohnten Redewendungen

    Ein junger Mann trägt einen schwarzen Pulli mit "Respect" | © Tiago Felipe / unsplash

    Im Umgang mit Mitarbeitenden mit Behinderung ist es nicht notwendig, auf bestimmte Redewendungen zu verzichten. Es ist erlaubt, blinde Menschen mit „auf Wiedersehen“ zu verabschieden und mit Rollstuhlfahrern „einen Spaziergang“ zu machen. Andere Redewendungen, die auf die Behinderungen als solche abzielen, sind zu unterlassen. Auch wenn diese im täglichen Sprachgebrauch üblich sind, könnten sie gesundheitlich eingeschränkte Kolleg*innen kränken oder beleidigen. Verantwortungsbewusste Mitarbeiter*innen sollten im täglichen Betrieb auf keinen Fall diskriminierende Äußerungen von anderen tolerieren und in solchen Fällen den Betriebsrat informieren. 

  6. Falsche Informationen und Begriffe können diskriminieren

    Falls die Behinderung zur Sprache kommt, ist große Sorgfalt angebracht. Für einen Menschen mit einer Behinderung gibt es nichts Schlimmeres, als fehlerhafte Informationen zu seiner Einschränkung zu erfahren. So sind gehörlose Menschen nicht stumm, da sie trotzdem kommunizieren – zwar nicht über die gewöhnliche Sprache, aber mithilfe von Gebärdensprache. Falsche Begriffe sollten dabei erstrecht vermieden werden. So ist etwa beim Down Syndrom. „Mongolismus“ ein Begriff, den Menschen weiterhin verwenden, dieser ist jedoch diskriminierend und sollte nicht benutzt werden.

  7. Blickkontakt halten

    Augenkontakt ist höflich und vermittelt Respekt. Dies gilt grundsätzlich für alle Kolleg*innen – aber auch für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Schwerhörige Menschen lesen beispielsweise viel anhand der Mimik und Gestik des Gegenübers ab – dann ist es umso wichtiger, die Person anzusehen und sich nicht während des Gespräches mit anderen Dingen zu beschäftigen.

    Eine gesundheitliche Einschränkung sollte im Arbeitsalltag kein Hindernis im Umgang darstellen. Menschen, die eine Behinderung haben, weisen viele liebeswerte und facettenreiche Eigenschaften. Das ganze Unternehmen profitiert langfristig von Mitarbeitenden mit Beeinträchtigungen. Sie sind es gewohnt, allen Herausforderungen zu trotzen, zeigen sich im Arbeitsalltag oftmals überdurchschnittlich motiviert sowie leistungsbereit und bereichern das Betriebsklima mit kreativen, offenen und flexiblen Denkweisen, von denen das gesamte Team lernen kann.