Skip to Content Skip to Mainnavigation Skip to Meta Navigation Skip to Footer
Skip to Content Skip to Mainnavigation Skip to Meta Navigation Skip to Footer

Das Posturale Tachykardie-Syndrom (POTS): der Körper aus dem Takt

Das Posturale Tachykardie-Syndrom (POTS) ist eine Störung des autonomen Nervensystems. Es betrifft die Regulation von Herzfrequenz, Gefäßen und weiteren unbewussten Körperfunktionen beim Wechsel in die aufrechte Position. Charakteristisch ist ein deutlicher Pulsanstieg beim Stehen. Doch POTS betrifft nicht nur das Herz, sondern die gesamte autonome Steuerung des Körpers.

An Wand gelehnte Frau greift sich an den Kopf

Schwindel, Herzrasen und Erschöpfung: Typisch für POTS

Obwohl POTS den Alltag Betroffener stark beeinflussen kann, ist die Krankheit kaum erforscht. In diesem Beitrag erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen.

Was geschieht im Körper?

Beim Aufstehen versackt Blut in den Beinen. Normalerweise reagiert der Körper automatisch:

  • Gefäße ziehen sich zusammen

  • Der Puls steigt leicht an

  • Der Blutdruck bleibt stabil

  • Die Durchblutung des Gehirns wird gesichert

Bei POTS funktioniert diese Regulation nicht ausreichend. Der Puls steigt innerhalb von zehn Minuten nach dem Aufstehen um mindestens 30 Schläge pro Minute (bei Jugendlichen ≥ 40 bpm). Dabei ist ein Anstieg von +30-50 bpm sehr häufig, +50-70 bpm bei ausgeprägtem POTS und über +70 bpm seltener, aber durchaus möglich. 

Gemäß Definition liegt kein ausgeprägter Blutdruckabfall wie bei der vor. In der Praxis berichten jedoch viele Betroffene über Blutdruckschwankungen, je nach Subtyp kann der Blutdruck niedrig sein oder auch ansteigen.

Was bei POTS alles dysreguliert sein kann

Das autonome Nervensystem steuert weit mehr als nur die Herzfrequenz. Bei POTS können auch folgende Funktionen betroffen sein:

  • Schweißregulation

  • Körpertemperaturwahrnehmung

  • Adrenalin- und Stressreaktion

  • Gefäßspannung

  • Verdauung

  • Blasenfunktion

  • Pupillenreaktion

Viele Betroffene berichten von übermäßigem Schwitzen oder starkem Frieren, Zittern oder dem Gefühl eines Adrenalinschubs ohne erkennbare Ursache.

Symptome von POTS

Typische Beschwerden sind:

  • Starkes Herzklopfen

  • Schwindel oder Benommenheit

  • Zittern

  • Innere Unruhe

  • Schwächegefühl in den Beinen

  • Ausgeprägte Erschöpfung

  • Konzentrationsprobleme («Brain Fog»)

  • Übelkeit

Häufig treten Präsynkopen auf: das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden. Ungefähr 25% der Betroffenen erlebt tatsächliche Ohnmacht.

Schwankende Symptome und Reizempfindlichkeit

Die Ausprägung der Symptome kann stark variieren. Viele Betroffene erleben gute und schlechte Tage. An belastenden Tagen können Beschwerden wie Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme oder ausgeprägte Erschöpfung schneller auftreten.

Da das autonome Nervensystem bei POTS instabil reguliert, reagieren manche Betroffene empfindlicher auf äußere Reize wie Hitze, schlechte Luftqualität, Lärm oder Stress. Auch Begleiterkrankungen können die Intensität und Art der Symptome beeinflussen.

Die individuelle Ausprägung ist sehr unterschiedlich und hängt häufig von Co-Diagnosen und Belastungsfaktoren ab.

Die drei Haupt-Subtypen und wie man sie einordnen kann

Die Einteilung hilft, Muster zu erkennen. Mischformen sind häufig.

1. Neuropathisches POTS

Hier funktioniert die Gefäßverengung in den Beinen nicht ausreichend. Blut versackt in der unteren Körperhälfte.

Typische Hinweise:

  • Starkes Schweregefühl in den Beinen

  • Verfärbungen (rötlich-bläulich) im Stehen

  • Besserung im Liegen

  • Eher niedriger oder normaler Blutdruck

Dieser Typ wird häufig bei Bindegewebserkrankungen beobachtet.

2. Hyperadrenerges POTS

Hier ist das Stressnervensystem überaktiv. Der Körper schüttet vermehrt Stresshormone wie Noradrenalin aus.

Typische Hinweise:

  • Zittern

  • Starkes Herzrasen

  • Innere Unruhe

  • Schweißausbrüche

  • Blutdruckanstieg im Stehen

  • Gefühl eines «Adrenalinschubs»

Dieser Typ wird besonders häufig fälschlicherweise als Angststörung interpretiert.

3. Hypovolämisches POTS

Hier besteht ein vermindertes zirkulierendes Blutvolumen.

Typische Hinweise:

  • Deutliche Besserung durch Salz- und Flüssigkeitszufuhr

  • Häufig niedriger Blutdruck

  • Ausgeprägte Schwäche

Viele Betroffene zeigen Überschneidungen zwischen diesen Formen.

Eine exakte Zuordnung ist nicht immer möglich und auch nicht zwingend notwendig. Wichtiger ist, individuelle Muster zu erkennen.

POTS kommt selten allein

In vielen Fällen tritt POTS gemeinsam mit anderen Erkrankungen auf. Zu den bekanntesten Co-Diagnosen gehören:

Das Erkennen und Mitbehandeln dieser Begleiterkrankungen kann die POTS-Symptomatik deutlich beeinflussen.

POTS: Diagnose und ärztliche Zuständigkeit

Die Diagnose erfolgt durch:

  • Messung von Puls und Blutdruck im Liegen und Stehen

  • 10-Minuten-Stehtest

  • Kipptischuntersuchung

Ein Kardiologe kann strukturelle Herzerkrankungen ausschliessen und sofern er mit POTS vertraut ist, die Diagnose stellen.

Da es sich jedoch um eine Störung des autonomen Nervensystems handelt, fällt POTS eigentlich in das Fachgebiet der Neurologie. Auch dort ist die Diagnose nicht überall bekannt.

Es kann hilfreich sein, gezielt nach Fachpersonen mit Erfahrung im Bereich autonomer Funktionsstörungen zu suchen.

Häufige Fehldeutung

Da Symptome wie Herzrasen, Zittern und Schweißausbrüche auch bei Angststörungen auftreten können, wird POTS: insbesondere bei jungen Frauen häufig zunächst psychisch eingeordnet. Die physiologischen Veränderungen bei POTS sind jedoch messbar. Eine vorschnelle psychische Zuschreibung kann die Diagnosestellung verzögern.

Wie wird POTS behandelt?

Eine ursächliche Heilung gibt es derzeit nicht. Die Therapie richtet sich nach Subtyp und Begleiterkrankungen.

Mögliche Maßnahmen:

  • Erhöhte Flüssigkeits- und Salzaufnahme

  • Kompressionsstrümpfe

  • Angepasstes Training im Liegen oder Sitzen

  • Medikamentöse Therapie je nach Symptomprofil

  • Behandlung von Co-Diagnosen

Fazit

POTS ist mehr als ein «zu schneller Puls». Es handelt sich um eine komplexe autonome Dysregulation, die verschiedene Körpersysteme betreffen kann.

Eine fundierte Diagnose, das Erkennen möglicher Begleiterkrankungen und eine individuell angepasste Therapie sind entscheidend für den langfristigen Umgang mit der Erkrankung.


Ist dieser Artikel lesenswert?

Haben Sie eine Frage an die Community?