Blaues Eis so vergrößert, dass die einzelnen Eisstücke zu sehen sind. | © Erin Mckenna/unsplash

Curling und Para-Eishockey – Teamsport auf dem Eis

Kälte und das Gefühl wie schwerelos über das Eis zu gleiten – dies ist nicht nur den Menschen ohne Behinderung vorbehalten. Auch Personen mit Behinderung können sich über sportliche Aktivitäten auf dem kühlen Nass freuen und das sogar zusammen mit anderen im Team. Beispiele hierfür sind die beiden Teamsportarten Curling und Para-Eishockey.

Curling – ein Sport für alle

Den schottischen Traditionssport mit Stein und Besen gibt es für Rollstuhlfahrer*innen auch in Deutschland. Ob alt oder jung, ob Fußgänger*in oder Rollstuhlfahrer*in – Curling kann jede*r spielen!

Spielregeln

Das Ziel des Spiels ist es, pro Durchgang (End) acht Granitsteine näher an den Mittelpunkt eines Kreises zu platzieren als die Gegner*innen. Der Zielkreis (House) befindet sich am Ende einer 43 Meter langen Eisbahn, was ungeheure Präzision abverlangt. Der größte Unterschied zu den Spielregeln der Fußgänger*innen ist das Wischverbot. Curlende im Rollstuhl müssen daher noch viel genauer schießen, da der Lauf des Steins nicht mehr durch Wischen beeinflusst werden kann.

Der 20 Kilogramm schwere geschliffene Stein kann von Hand oder mit einer Art Armverlängerung (Extender) in die richtige Richtung geschoben werden. Hierfür benötigen die Spielenden nicht übermäßig viel Kraft, da der Granitstein durch seine Trägheit fast wie von selbst über das Eis gleitet. Der Rollstuhl steht während des Schießens sicher auf dem Eis, und kann zusätzlich von den Mitspielenden gehalten werden.

Vorausdenken und Teamwork

Oft wird der Sport Schach auf dem Eis genannt. Der oder die Mannschaftsführer*in (Skip) muss mehrere Spielzüge vorausdenken, um dem Team die richtigen taktischen Anweisungen zu geben. Dabei kommt es nicht selten vor, dass ein mehrstündiges Spiel erst mit dem letzten Stein entschieden wird. Nervenstärke ist also für Curler*innen durchaus förderlich.

Eine Mannschaft besteht in der Regel aus vier Personen, bei denen mindestens ein*e Tetraplegiker*in und ein Mitspielende*r des anderen Geschlechts mit von der Partie sein müssen. 
Wer sich gern einmal im Rollstuhlcurling versuchen möchte, sollte auf warme Kleidung und einigermaßen gute Bremsen nicht verzichten. Das sind die einzigen Voraussetzungen, denn Curling spielen kann jeder!

Vier Curlingsteine auf Eis. An den Griffen der Curlingsteine befinden sich gelbe und rote Bommel. | © Amber McNulty/ pixabay

Curling ist ein Sport bei dem jede*r teilhaben kann (Foto: Amber McNulty/ pixabay).

Para-Eishockey: populärer Mannschaftssport

Nichts für zarte Gemüter, denn es geht richtig zur Sache, wenn beim Para- Eishockey zwei Teams mit je sechs Spielenden auf Eisschlitten fahrend dem Puck hinterherjagen. Gespielt wird mit intensivem Körperkontakt und geübtem Handling der Stöcke. Para-Eishockey fördert und fordert Kraft, Teamgeist und Engagement.

Spielfeld, Ausrüstung und Spielregeln entsprechen dem Eishockey. Die Spieler*innen sitzen aber niedrig zur Oberfläche des Eises in einem individuell angepassten Schlitten. Jede*r hat zwei kurze Stöcke, die am hinteren Ende mit Spikes versehen sind, um sich mit schnellen Schlägen auf das Eis fortbewegen zu können. Die Spielzeit beträgt dreimal 15 Minuten. Wie beim Eishockey geht es auch beim Schlittenhockey ziemlich zur Sache und das Verletzungsrisiko ist recht hoch, weil die Hände mit den Schlittenkufen oder der Körper mit den Spikes in Berührung kommen können.

Para-Eishockey in Deutschland

Para-Eishockey wurde in den frühen Sechziger Jahren in Schweden entwickelt. Erst im Jahre 1996 entstand um Detlef Zinke von der RSG Hannover die erste deutsche Mannschaft in Hannover. Mittlerweile gibt es in Deutschland mit den Weserstars Bremen, den ERC Hannover Ice Lions, den Wiehl Penguins (TuS Wiehl), der Spielgemeinschaft ECC Preussen Berlin und EHC Freiburg und der Spielgemeinschaft ESC Dresden und ESV Dachau Woodpeckers fünf Mannschaften. Diese haben sich zur Deutsche Para-Eishockey Liga (DSL) zusammengeschlossen und führen einen regelmäßigen Spielbetrieb durch.

Also egal, ob durch die eigene sportliche Betätigung oder das Anfeuern am eisigen Spielfeldrand bei den Profis – die Freude und der Spaß beim Curling und beim Para-Eishockey ist ansteckend. Es lohnt sich also auf jeden Fall mal einen Blick auf die Angebote im Umkreis zu werfen.